Radschnellweg: Lange Strecken sicher, schnell und einfach radeln!

Wie sieht er aus und welche Anforderungen sollte er erfüllen?

Er ist vor allem breit, eben und wo immer es geht mit Vorrang. Autofahrer kennen so etwas und nennen es Hauptverkehrsstraße, doch Radfahrer werden heute noch an zu vielen Straßen benachteiligt. Wenigstens auf einem Radschnellweg soll es also perfekt sein. Dabei müssen dafür nicht einmal riesige Schneisen durch die Städte geschlagen werden. Wäre auch alles andere als erstrebenswert. Ganz im Gegenteil können Radschnellwege häufig vorhandene Wege und Wohnstraßen nutzen. Die Wege müssen dafür allerdings meist deutlich optimiert werden. Nicht immer sind umfangreiche Baumaßnahmen dafür nötig. So kann man mit ergänzenden Schildern den Radfahrern zum Beispiel an vielen Stellen Vorrang geben, während Autos auf kurzen Abschnitten des Radschnellweges einfach herausgehalten werden. Die Autofahrer profitieren also nicht von der Bevorrechtigung, sondern nur die Radler.

Ein guter Radschnellweg, der die gesamten Potenziale zum Umstieg auf Fahrrad und Pedelec ausschöpft, erfüllt folgende Anforderungen:

  • Der Radschnellweg muss ein sicheres, zügiges, einfaches und komfortables Radfahren ermöglichen.

  • Dazu ist er möglichst unabhängig vom Kfz-Verkehr und trotzdem direkt zu führen. Umwege sind zu vermeiden, an querenden Straßen soll er vorfahrtsberechtigt sein.

  • In verkehrsarmen Straßen soll der Radschnellweg als vorfahrtsberechtigte Fahrradstraße angelegt sein. Kfz-Verkehr ist durch Einbahnregelung zu reduzieren.

  • Bei Straßen mit starkem Kfz-Verkehr ist der Radschnellweg baulich getrennt zu führen.

  • Kreuzt der Radschnellweg über eine längere Entfernung Straßen gesteuert durch Lichtsignalanlagen, so sollte für die Radler eine Grüne Welle bei einer Geschwindigkeit von 20 bis 25 km/h eingerichtet werden.

  • Die Anzahl der Lichtsignalanlagen sollte möglichst gering sein, gegebenenfalls reduziert werden. Stattdessen sollten Nebenstraßen bevorrechtigt gequert werden. Sind Lichtsignalanlagen nicht zu vermeiden, so sollte der Radler permanent Grün erhalten und der Verkehr auf der Nebenstraße durch Induktionsschleifen Grün anfordern.

  • Die Geschwindigkeit von Radfahrern ist sehr heterogen - von gemütlichen 10 - 15 km/h über ein Mittelfeld von 20 - 25 km/h bis hin zu schnellen Geschwindigkeiten ab etwa 30 km/h. Ein Radschnellweg soll allen Gruppen gerecht werden: den langsameren Radlern im Freizeitverkehr wie den zügigen Pendlern. Für die letztgenannte Gruppe ist die Möglichkeit der Befahrung mit höheren Geschwindigkeiten ein sehr wichtiges Kriterium, um vom Auto auf Fahrrad oder Pedelec umzusteigen. Die Trassierung orientiert sich daher an 35 km/h. Zugleich wird durch eine durchgängige Breite von 4 Metern ein sicheres Miteinander von schnelleren und langsameren Radfahrern sichergestellt.

  • Die Oberfläche im Verlauf sowie in Kreuzungsbereichen ist eben, weist eine hohe Qualität auf und ist im Zweirichtungsradverkehr 4 Meter breit. In der Fahrbahnmitte ist eine gestrichelte Markierung und am Rand jeweils ein durchgezogener Streifen aufzubringen. Zusätzlich ist an Einmündungen ein eigenes Piktogramm "Radschnellweg" zu markieren.

  • Der Radschnellweg ist durch eine eigene Infrastruktur, wie Beleuchtung, Wegweisung, Zählstellen, Webseite, Trinkbrunnen und Luftpumpen aufzuwerten. Um die Benutzung ganzjährig in einer hohen Qualität zu gewährleisten, muss der Radschnellweg regelmäßig in Stand gehalten und gereinigt sowie im Winter bevorzugt geräumt werden.

  • Die Kurvenradien sind ausreichend dimensioniert, um die Zahl der Brems- und Beschleunigungsvorgänge so gering wie möglich zu halten.

© ADFC München 2018

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