Stand der Realisierung in Deutschland

Andere Städte machen es vor: Sie investieren in Radschnellwege, um radelnden Pendlern und Nutzern von Pedelecs eine möglichst sichere, schnelle und attraktive Fahrt zu ermöglichen. So steigen immer mehr Autofahrer um und auch die zurückgelegten Strecken nehmen deutlich zu.

Beispiel Ruhrgebiet

In der Stadt Essen gibt es schon seit zwei Jahren einen perfekt ausgebauten Radschnellweg auf einem ehemaligen Bahndamm. Er ist das erste Teilstück eines 80 Kilometer langen Radschnellwegs, der einmal Duisburg mit Hamm verbinden soll und dabei neben Essen unter anderem Mülheim, Bochum und Dortmund durchqueren wird. Insgesamt ist NRW bei dem Thema ganz vorn mit dabei. Im letzten Jahr wurden bekanntlich die Aufträge für fünf Realisierungskonzepte erteilt. In jedem Regierungsbezirk soll es demnächst einen Radschnellweg geben. Weitere Details sind in der Konzeptstudie "Radschnellweg - Metropole Ruhr" [PDF, 125 Seiten, 28MB] zu finden.

Beispiel Göttingen

Nach diesem Modell ist teilweise die Stadt Göttingen vorgegangen. Deswegen sind wir hingefahren, um uns den dortigen Radschnellweg einmal persönlich anzuschauen. Der Ende 2013 eingeweihte Abschnitt ist momentan zwei Kilometer lang. Ende 2014 sollen dann die gesamten vier Kilometer von der Uni zur Hauptbahnhof fertig sein.

Neu in Göttingen ist die realisierte Führung entlang einer Hauptverkehrsstraße und als ausgewiesene Fahrradstraße durch ein größeres Wohngebiet. Der Radschnellweg ist eben, erhält an Ampeln bevorzugt grün und kann problemlos und fast durchgängig mit Geschwindigkeiten von 20 bis 25 km/h benutzt werden. Das ist ein Tempo, mit dem die Nutzer von Pedelecs problemlos und ohne ins Schwitzen zu kommen durch die Stadt düsen. Nur wenn dieses Geschwindigkeitsniveau über längere Strecken gewährleistet ist, werden ausreichend Autofahrer auf Fahrrad oder Pedelec umsteigen. Erst dann wird ein Radschnellweg zum Erfolg.

Allerdings ist auch in Göttingen nicht alles optimal. So kreuzen Autofahrer dort den Radschnellweg, wenn sie die Hauptverkehrsstraße erreichen wollen. Logischerweise hat der Radler Vorrang, fährt er ja parallel zur Hauptverkehrsstraße und damit entlang einer Vorfahrtsstraße. Eine Situation, mit der viele Autofahrer überfordert sind und es häufig zu Konflikten kommen wird. Nach einem Monat konnte die Polizei zum Glück von keinem Unfall berichten.

Gut gelungen ist jedoch die Umsetzung des Gesamtkonzepts, zu dem auch eine deutliche Markierung des Radschnellwegs in blauer Farbe, ein spezielles Logo und eine eigene Webseite, so wie eine Zählstelle gehören. So wird mit wenig Aufwand viel Aufmerksamkeit geschaffen. Grundvoraussetzung, um eingefahrene Gewohnheiten zu ändern. Und als nichts anderes lässt es sich bezeichnen, wenn viele Menschen Tag für Tag auf ihrem gewohnten Weg zur Arbeit das Auto nutzen.

Diese Bilder wurden uns freundlicherweise von der Stadt Göttingen zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank hierfür.

Beispiel München?

Sind diese Radschnellwege somit ein Vorbild für die Landeshauptstadt München? Ja, denn Radschnellwege sind ideal für verdichtete und urbane Räume, in denen schon heute viele Radfahrer unterwegs sind. Daher sind sie definitiv ein sehr gutes Instrument, um den Radverkehr in München und den Umlandgemeinden weiter zu fördern.

Hier ist unser Konzept für den ersten Radschnellweg in Bayern!

© ADFC München 2018

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