Vorrang-Route für die Alltagsradler

Pressemitteilung Radschnellweg

ADFC legt Konzept für Radschnellweg „München-Nord – Hauptbahnhof“ vor.

Eine neuer Planungsansatz aus den Niederlanden findet zunehmend Nachahmung in Europa: Radschnellwege. Sie verbinden in direkter Linie und qualitativ hochwertiger Ausführung Wohn- und Gewerbegebiete bzw. Stadtzentren miteinander und erlauben ein konstant zügiges Fahren mit hohem Komfort. Das bringt Radlern Vorteile im Alltagsverkehr und motiviert dazu, auch für längere Alltagswege aufs Rad zu steigen. In Deutschland gibt es erste Ansätze in Göttingen und im Ruhrgebiet. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) München sieht angesichts der enorm gestiegenen Fahrradnutzung auch in der Landeshauptstadt Potential und regt für München die Realisierung eines ersten Radschnellwegs in Bayern an. Dazu hat er ein detailliertes Konzept für einen acht Kilometer langen Radschnellweg „München-Nord – Hauptbahnhof“ erarbeitet. Gestern hat er es den Oberbürgermeister-Kandidaten, den im Stadtrat vertretenen Parteien und der Verwaltung der Landeshauptstadt München übergeben.

Attraktive Route für den Alltagsverkehr

Der geforderte Radschnellweg würde die Radverbindung zwischen dem Norden Münchens, vor allem den Stadtteilen Milbertshofen und Schwabing, und der Münchner Innenstadt enorm verbessern. Hiervon könnten vor allem Pendler, Studierende und Nutzer von Pedelecs profitieren. Das ADFC-Konzept benennt einen detaillierten Verlauf und schlägt Lösungen für die Straßenabschnitte vor, die optimiert werden müssten. In einem Korridor von jeweils einem Kilometer links und rechts des Radschnellwegs leben mehr als 150.000 Münchnerinnen und Münchner; 90.000 arbeiten bzw. studieren im Umfeld, etwa am Klinikum Schwabing, bei BMW oder an der Technischen Universität. Sie alle bekämen eine interessante Alternative zum Auto und könnten durch Umstieg aufs Fahrrad zu einer Verkehrs- und Umweltentlastung beitragen. Auch der bereits am Rande seiner Kapazitäten fahrende Öffentliche Nahverkehr erführe eine Entlastung.

Zeit reif für ein eindringliches Zeichen pro Fahrrad

Mehr als 17 Prozent aller Wege werden in München mittlerweile mit dem Rad zurückgelegt. Eine fulminante Steigerung in wenigen Jahren, die ihre Basis im Kurzstreckenverkehr bis zu fünf Kilometern hat. Ziel muss es jetzt sein, mehr Pendler auch auf Strecken zwischen fünf und zehn Kilometern zum Umsteigen auf das Rad zu motivieren. So lassen sich die Staus in der Stadt, auf den Einfallstraßen und dem Mittleren Ring am nachhaltigsten reduzieren und vermeiden. Gerade das Pedelec bietet hier ein riesiges Potenzial, erlaubt es doch aufgrund der Unterstützung durch einen Elektromotor schnelles Radeln ohne zu schwitzen. „Dieses Potenzial muss die Radlhauptstadt München jetzt zügig ausschöpfen,“ so Peter Kappel, Vorsitzender des ADFC München. „Es ist an der Zeit, bei der Radverkehrsförderung nochmals einen Gang höher zu schalten.“ Das Fahrrad muss als Verkehrsmittel für Pendler und den Berufsverkehr deutlich an Attraktivität gewinnen. Aus Sicht des ADFC ist hier nach erfolgreichen Maßnahmen der letzten Jahre wie der Öffnung von Einbahnstraßen, der Einrichtung von Fahrradstraßen und der Abmarkierung von Radfahrstreifen ein eindringliches Zeichen nötig. Für den Fahrradclub wäre die Realisierung des Radschnellwegs „München-Nord – Hauptbahnhof“ ein solches Signal und ein klares Bekenntnis zur Radlhauptstadt München. Auch könnte die Landeshauptstadt damit sowohl in der „Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern“ eine Vorreiterrolle übernehmen, als auch bundesweit. Nach Göttingen, wo Ende 2013 Deutschlands erster Radschnellweg eröffnet wurde, hätte München bei einer zügigen Umsetzung des Projekts die Chance auf Platz zwei noch vor Nordrhein-Westfalen. Eine eventuelle Verlängerung des vorgeschlagenen Radschnellwegs Richtung nördliche Stadtgrenze, bzw. Schleißheim hält der ADFC München für eine wünschenswerte Option. Die Einrichtung weiterer Radschnellwege, wie sie in den Niederlanden und Dänemark schön länger Praxis sind, sollte folgen.

© ADFC München 2022

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