Neues IAA-Konzept: Fahrrad als nachhaltigstes Verkehrsmittel nur eine Randerscheinung

Pressemitteilung

Heute wurde das neue Konzept der IAA 2021 in München vorgestellt. Neben Vertreter*innen des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) und der Messe München GmbH zeigten sich auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter überzeugt von den Plänen für die Internationale Automobilausstellung in der Landeshauptstadt. ADFC Bayern und ADFC München als Vertretung der Radfahrenden hingegen kritisieren, dass Verkehrskonzepte der Zukunft ohne echte Integration des Rad- und öffentlichen Nahverkehrs den großen Herausforderungen der Städte nicht gerecht werden können.
 

Foto: Radfahrbüro der Stadt Frankfurt am Main

München, 1. Juli 2020 Bernadette Felsch, Landesvorsitzende des ADFC Bayern, kommentiert die heutige Konzept-Präsentation: „Aufgrund vehementer Kritik der Umweltverbände im letzten Jahr hat die IAA heute angekündigt, anstelle einer Autoshow in Zukunft mehrere Facetten der zukünftigen Mobilität zu präsentieren und die Themen Smart Mobility und Smart City zu verknüpfen. Das begrüßen wir, kritisieren aber, dass offenbar dennoch ausgeblendet wird, dass der MIV die städtische Infrastruktur schon heute überfordert. Das Thema Verkehrssicherheit habe ich heute ebenso vermisst, wie eine ernsthafte Berücksichtigung des Fahrrads als nachhaltigstes aller Verkehrsmittel. Gerade für die innerstädtische Mobilität ist es – zusammen mit dem ÖPNV und dem Fußverkehr – einer der wichtigsten Bausteine für die Verkehrswende. Städte wie Kopenhagen, Amsterdam, Paris oder Barcelona le- ben das heute mehrfach propagierte „Und statt Oder“ längst erfolgreich vor. Wir wünschen uns eine solche progressive Politik und Verkehrsplanung auch für deutsche Städte. Ohne eine enge Einbindung und Beteiligung der Umwelt- und Verkehrsverbände bleibt zu befürchten, dass die IAA 2021 und 2023 eine Automesse mit ein paar Feigenblättern bleibt. Wir bieten dem VDA und der Messe München gerne unser Knowhow und unsere Ideen an, um sich in eine glaubwürdige Mobilitätsmesse der Zukunft zu wandeln.“

Andreas Groh, 1. Vorsitzender ADFC München: „München leidet vor allem unter Platzmangel, Dauerstau und dicker Luft. Jetzt will die IAA auch die prominentesten Plätze der Stadt als Werbebühne nutzen. Wenn der Odeons- und Marienplatz sowie weitere beliebte Orte zur verlängerten Ausstellungsfläche im öffentlichen Raum werden, erwarten wir, dass Fahrräder, E-Bikes und E- Lastenräder eine bedeutende Rolle spielen. Der motorisierte Individualverkehr ist keine Lösung für die Probleme der Stadt, auch wenn die Kraftfahrzeuge noch so innovativ sind. Dass für wenige High-Tech-Mobile während der IAA exklusive Fahrspuren reserviert werden, ist geradezu absurd, da es bislang keinen Platz für breite, sichere Radwege gab und direkte U-Bahn-Verbindungen von der Innenstadt zur Messe ohnehin bestehen. Wie die sogenannten ‚Blue Lanes‘ zugleich als sichere Fahrrad-Schnellwege fungieren sollen, bleibt völlig offen.“

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