Massive Gefährdung statt Sicherheit für Radler:

Pressemitteilung Rosenheimer Straße

Münchner Umwelt- und Verkehrsverbände lehnen den CSU-SPD-Antrag für die Rosenheimer Straße ab.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) München, der Bund Naturschutz (BN) München, der FUSS e.V., Green City und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) München begrüßen zwar grundsätzlich die Intention, etwas für den Radverkehr in der Rosenheimer Straße zu tun. Den am 29. Januar 2015 von CSU und SPD vorgestellten Radstreifen-Vorschlag für die Rosenheimer Straße erachten die Umwelt und Verkehrsverbände allerdings als rechtswidrig, extrem gefährlich für Radler und als eine massive Behinderung der Fußgänger.

Sie fordern daher den Oberbürgermeister Dieter Reiter und den Münchner Stadtrat auf, die Sicherheit der Radler ernst zu nehmen. Anstatt eines Minimalkompromisses muss der Vorschlag des unabhängigen Verkehrsplanungsbüros Kaulen umgesetzt werden. Dieser sieht breite Radstreifen sowie den Wegfall von Autospuren unter Beibehaltung der notwendigen Abbiegespuren zur Stauvermeidung vor. Der zuständige Bezirksausschuss hat sich einstimmig für diese Lösung entschieden. "Wir können dem Stadtrat nur empfehlen, dem Antrag von CSU und SPD nicht zuzustimmen. Er vereint alle nur denkbaren Nachteile einer Straßenumgestaltung. Wer für diese Maßnahme stimmt, setzt das Leben der Radler aufs Spiel und zerstört das Gesicht der Rosenheimer Straße" so Martin Hänsel (BN).

"Bis der Vorschlag von Kaulen umgesetzt ist, muss zur Sicherheit der Radler endlich Tempo 30 auf diesem Streckenabschnitt angeordnet werden", so Wolfram Liebscher (VCD).

Die ausführliche Analyse der Verbände zeigt, dass der Vorschlag von CSU und SPD geltendes Recht missachtet und die Gesundheit von Radfahrern leichtsinnig aufs Spiel setzt: 

  • Radfahrstreifen. Jeweils 1,5m breit (einschl. Trennstreifen). Sämtliche Richtlinien sehen in dieser Situation eine Breite von mindestens 1,85m vor. Gemäß Verwaltungsvorschrift zur StVO ist "bei starkem Kraftverkehr ein breiter Radfahrstreifen oder ein zusätzlicher Sicherheitsraum erforderlich". Hielte ein Radler dort zu einem Lieferfahrzeug den von der Rechtsprechung vorgeschriebenen Sicherheitsabstand von 1,0m ein, so würde bei einer Lenkerbreite von 60-70cm seine linke Hand bereits deutlich in die Fahrbahn hineinragen.
  • Fahrspuren. Jeweils 2,85m breit. Laster und Busse (SEV und Reisebusse) sind mit Spiegeln ca. 2,85m breit. Somit bestünde keinerlei Puffer zwischen Fahrspur und Radfahrstreifen. Wollte ein Kraftfahrer beim Überholen den gerichtlich vorgeschriebenen Sicherheitsabstand von mindestens 1,5m zu Fahrradfahrern einhalten, so müsste er auf die zweite Fahrspur wechseln. Die rechte Fahrspur wäre somit bei Beachtung des Sicherheitsabstandes nicht benutzbar.
  • Neue Parkzonen. Jeweils 2,0m breit und jeweils um einem "Sicherheitsstreifen" von 50cm zur Fahrbahn ergänzt. Übliche Lieferfahrzeuge (mit Spiegel ca. 2,5m breit) belegen folglich den gesamten Platz einschließlich des Sicherheitsstreifens. Sich öffnende Türen dieser Fahrzeuge würden deutlich in den Radfahrstreifen hineinragen und Radfahrer gefährden sowie den Radfahrstreifen blockieren.

"Auch wenn Alexander Reissl und Hans Podiuk es gebetsmühlenartig wiederholen, ihr Vorschlag hilft den Radlern nicht. CSU und SPD zeigen, dass sie mehr um die Aufrechterhaltung der Träume einer autogerechten Stadt als um die Sicherheit der Radler und die Verwirklichung einer nachhaltigen Mobilität in München besorgt sind. Diese sogenannte Lösung ist rechtswidrig und gefährlich für Radfahrer", so Carl Pickerill (ADFC).

In einer Online-Petition im Frühjahr 2014 stimmten über 3000 Menschen für einen sicheren Radstreifen in der Rosenheimer Straße. Für den Erhalt sämtlicher vier Fahrspuren gab es nicht einmal 700 Stimmen, davon lediglich 300 aus München und Umgebung. Die Umgestaltung der Rosenheimer Straße muss die berechtigten Belange der Radfahrer sowie der Fußgänger berücksichtigen. Die Rathauskoalition muss zu einer gerechten Aufteilung finden, wie es Oberbürgermeister Reiter im Wahlkampf versprochen hat. "Der Vorschlag von SPD und CSU macht die Rosenheimer Straße zu einer Rennbahn, auf der Autos nun ungestört vom Radverkehr auf vier Spuren fahren können. Wir befürchten, dass angesichts der damit höheren Geschwindigkeiten und der zu schmalen Radstreifen häufig auf dem Gehweg geradelt wird. Die barbarische Abholzung aller Bäume macht die Straße für das Zufußgehen und damit für die zu Fuß kommenden Kunden der anliegenden Geschäfte unattraktiv. Ganz zu schwiegen vom zunehmenden Lärm für die Anwohner". so Paul Bickelbacher (FUSS e.V.).

"In der Rosenheimer Straße müssen SPD und CSU Ihre Wahlversprechen zur Förderung des Umweltverbundes auf den Prüfstand stellen. Flächengerechtigkeit, Entlastung von Lärm und Schadstoffen sowie die Erhöhung der Sicherheit der Verkehrsteilnehmer sind nur durch eine radikale Umgestaltung des Straßenraums zugunsten des Fuß- und Radverkehrs sowie des öffentlichen Nahverkehrs möglich", so Andreas Schuster (Green City).

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