20 Jahre Radfahrschule für Erwachsene

ADFC

Vor 20 Jahren hatte Karin Hoffmann die Idee, Radfahrkurse für Erwachsene anzubieten. Mit geringen Mitteln und viel Leidenschaft ging sie ans Werk und gründete die Radfahrschule. Heute bietet der ADFC München unter diesem Dach ein breites Angebot – von Anfängerkursen über Fahrsicherheitstrainings bis hin zu Verkehrssicherheits-Workshops für ältere Menschen.

Kompetenz und Wissen in Praxis und Theorie: die Radfahrschullehrkräfte

1. Die Gründung der Radfahrschule durch Karin Hoffmann

Natürlich kann doch jeder Fahrrad fahren. Oder? Die regelmäßigen Anfragen beim ADFC München sprachen schon in früheren Jahren eine deutlich andere Sprache. Nur traute sich nie einer die Aufgabe in Angriff zu nehmen. Im Jahr 2000 habe ich mir ein Herz gefasst und gesagt: “Ich probier's“. Ein Klapprad, später noch ein Sammelsurium von Fahrrädern, von Mitgliedern geschenkt, das war unsere Starteinrichtung. Fünf Schülerinnen aus 4 verschiedenen Ländern waren meine ersten Versuchskaninchen, zum ermäßigten Preis und gegen Vorwarnung, dass ich nicht viel Ahnung vom Fahrrad lehren habe. Meine wichtigste Qualifikation war allerdings, dass ich selber erst mit 13 Jahren das Radfahren gelernt hatte und somit die Angst der anderen vor dem hohen Rad gut nachvollziehen konnte.

Am einfachsten war das Übungsgelände gefunden: Die Münchner Theresienwiese, gleich bei unserer Geschäftsstelle. Im Rückblick tun mir die ersten Schülerinnen direkt leid. Ein bisschen Laufrad spielen, versuchsweise mit den Füßen auf die Pedale und hin und wieder fast hingefallen. Blaue Flecke an den Knöcheln und später ein wackeliges Kurvenfahren, leider auch zwei Stürze. Martine Bernard half mir, als es zu stressig wurde, teilweise schon fahrende Frauen gleichzeitig mit den noch Laufrad Übenden zu betreuen.

Nach dem zweiten Kurs hatte ich auf einmal neue Mit-Lehrerinnen aus der AG Kind und Jugend. Auch ein Ladendienstler half uns, die davongefahrenen Schüler mit zu betreuen. Das erweiterte unsere Kapazitäten. Im Jahr 2002 ging es dann richtig in die Vollen: 20 Schülerinnen, die alle Fahrradfahren lernen wollten: Zwei Abende und ein Samstagnachmittag. Es war letztendlich zu viel, auch wenn es zunächst Spaß machte. Im Jahr drauf wurde die Teilnehmerzahl strikt beschränkt. Regen und Sonnenschein waren die unvermeidlichen Begleiter eines Fahrradkurses im Freien.

Übrigens hat auch eine ehemalige Mitarbeiterin des Landesverbandes im PPM bei uns das Radfahren gelernt: Schon im Frühjahr verpassten wir ihr ein schönes gebrauchtes „Fahrradmanufaktur“-Rad. Statt mit einer Probefahrt wurde es mit einem Probesitzen angepasst. Und am Ende des Kurses beherrschte sie das Rad so gut, dass ich sie ein Jahr später auch mit beschäftigte. Familienplanung und Umzug, Gesundheit und Jobs dezimierten meine Mitlehrerzahlen wieder und somit auch die Kursaktivitäten. Ein knapp besetzter Kurs die letzten Jahre, nur wenige Teilnehmer trotz reichhaltiger Erkenntnisse, schien es das Ende vom Lied zu sein.

Doch seit 2006 nimmt das Interesse an einer Lehrtätigkeit wieder zu. Inzwischen vier neue Mitstreiter sorgten dafür, dass wir dieses Jahr wieder 12 Schülerinnen und zwei Schüler annehmen konnten. Wenn es so weiter geht, dann werden unsere Aktionen in diesem Bereich noch richtig umfangreich: Fortgeschrittenen-Kurse, Fahrtechniken für jedermann. Wer weiß, wir werden es sehen.

2. Die folgenden Jahre unter der Leitung von Lothar Röth

Nach etwa 10 Jahren des Aufbaus zog sich Karin zurück und übergab mir ein qualifiziertes Ausbilder-/innen-Team und ein Sammelsurium von etwa 10 gebrauchten Rädern. Mit dieser Grundlage konnten wir 2010 bereits 6 Kurse mit jeweils etwa 8 Teilnehmer-/innen anbieten. Die gebrauchten Räder, meist Klappräder vom städtischen Fundbüro, teilweise mit Freilauf oder Rücktritt, erwiesen sich mit der Zeit nicht nur als störanfällig, sondern der Wechsel zwischen Freilauf und Rücktritt war für manche Radanfänger-/innen ein echtes Problem. Die Steigerung des Kursangebotes mit Hilfe weiterer ehrenamtlicher Ausbilder-/innen und die Erhöhung der Kursbeiträge ermöglichte uns in den Jahren 2015 und 2016 die Anschaffung von 12 einheitlichen, für die Anfängerausbildung geeigneten 20-Zoll-Klapprädern.

Da sich im Laufe der Jahre die Nachfrage nach Radfahrschulen nicht nur in München, sondern bundesweit erhöhte, stieg auch die Zahl der Radfahrschulen im ADFC erheblich. Nun galt es, mit Unterstützung des Bundesverbandes, in mehreren Treffen in den letzten 4 Jahren ein qualitätsorientiertes und bundesweit einheitliches Ausbildungskonzept zu entwickeln. Auch wir haben mitgewirkt. Es ist gelungen, erprobte und erfolgreiche Ausbildungsschritte in einem Handbuch zusammenzuführen das allen Radfahrschulen zur Verfügung gestellt wurde.

Der Erfahrungsaustausch mit anderen Radfahrschulen führte in 2019 auch zur Umstellung unseres Fahrradparks von 20-Zoll auf 26-Zoll, denn die Ausbildungsziele sind damit leichter zu erreichen als bisher. Der Einstieg von Brigitte Wittmann in die Leitung der Radfahrschule und eine intensive Suche nach weiteren ehrenamtlichen Ausbilder-/innen, die noch immer von uns selbst ausgebildet werden, ermöglichte uns das Angebot von reinen Anfängerkursen (allein 10 Kurse in 2019) auf Fortgeschrittenenkurse zu erweitern. Allein 30 ehrenamtliche Aktive sind inzwischen in der Radfahrschule engagiert.

Der Organisationsaufwand steigt dadurch natürlich erheblich. Deshalb freut es mich, dass ich im November 2019 die Leitung der Radfahrschule auf Brigitte Wittmann und Richard Kramschuster übertragen konnte die von jeweils einem Stellvertreter unterstützt werden. Ich bin sicher, dass die AG Radfahrschule auch in Zukunft ein wichtiges Standbein des ADFC München bleibt das mit einem breiten Angebotsspektrum die Arbeit des ADFC München insgesamt bereichert. Ich selbst kann mich nun auf die Durchführung von Pedelec-Schnuppertouren und anderen Fahrradtouren beschränken.

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