Fahrradstraße Stielerstraße

Auch Fragen zur Strassenverkehrsordnung oder Umgang mit Ordnungswidrigkeiten oder Bussgeldern
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Martino
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Fahrradstraße Stielerstraße

Beitrag von Martino » Fr 16. Jun 2017, 08:28

Die Stielerstraße, die die Lindwurmstraße mit der Theresienwiese verbindet, ist zur Fahrradstraße umgestaltet worden. Leider haben das viele Autofahrer nicht mitbekommen. Besonders gefährlich wird es, wenn einem Autofahrer mit großer Geschwindigkeit entgegenkommen, weil die Stielerstraße sehr eng ist. Hat jemand eine Idee wo man sich darüber beschweren kann?

webbie
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Re: Fahrradstraße Stielerstraße

Beitrag von webbie » Mo 19. Jun 2017, 23:10

In Fahrradstraßen mit dem Zusatzschild KFZ-frei (gibt es in München überhaupt eine ohne das Schild?) gelten für KFZ die gleichen Regeln wie in einer 30er-Zone. Der Gesetzgeber hat dies vermutlich deshalb so gestaltet, damit die Autofahrer nichts besonderes (sprich neues) beachten müssen.

Der Passus "Radverkehr darf weder gefährdet noch behindert werden" klingt zwar gut, hat aber in der Praxis keine sonderliche Bedeutung. Denn grundsätzlich dürfen auch so andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet oder behindert werden. Anfangs haben manche den Satz so interpretiert, dass dies dem Radverkehr Vorrang vor KFZ einräumt. Dem ist aber nicht so. Um dies klarzustellen, wurde der Satz "Im übrigen gelten die Vorschriften über die Fahrbahnbenutzung und über die Vorfahrt" hinzugefügt.

Ich vermute das eigentliche Problem in der Stielerstraße ist, dass die von der Zenettistraße startenden Autofahrer die gerade noch grün zeigende Ampel zum Bavariaring mitnehmen wollen und entsprechend Gas geben.

Beschweren könnte man sich, aber dann müsste man auch einen Vorschlag für eine Lösung machen. Eine Möglichkeit wäre die Ampelschaltung zu ändern (ob das was bringt, weiß ich nicht) oder man ordnet an der Nordseite, wo der Gehsteig breiter (ca. 4m) ist, das halbseitige Gehsteigparken an. Dadurch wäre mehr Platz auf der Fahrbahn. Beides könnte man dem Bezirksausschuss (Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt) vortragen. Mehr fällt mir dazu leider nicht ein.

Werner

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Tinu
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Re: Fahrradstraße Stielerstraße

Beitrag von Tinu » Di 20. Jun 2017, 08:46

Ich muss ein wenig relativieren:

Behinderungen sind im Straßenverkehr grundsätzlich durchaus zulässig - allerdings nur im Rahmen der umständegeschuldeten Unvermeidbarkeit (§ 1). Dieses Zugeständnis wird in Fahrradstraßen zurückgenommen, wodurch den Radlern ein Vorrang eingeräumt wird, den sie sonst nicht hätten (die "Umstände" können also nicht mehr als Rechtfertigung für eine Behinderung dienen). Dass das in der Praxis wenig beachtet wird, ist ja nicht maßgeblich, sondern im Gegenteil Anlass dagegen vorzugehen, was ja auch zu dieser Anfrage führte.

Wieso muss man bei einer Beschwerde auch einen Lösungsvorschlag machen? Das kann bestenfalls vielleicht hilfreich, aber nicht Aufgabe des Beschwerdeführers sein. Wer eine Ordnungswidrigkeit meldet, gibt die Verantwortung zum Umgang damit an die zuständige Behörde ab, die sich kaum (gerne) reinreden lässt, wie sie dieser zu begegnen hat.

Jedenfalls halte ich deinen Vorschlag des halbseitigen Gehwegparkens für mehrfach kontraproduktiv: Nicht nur wird dadurch ausgerechnet dem in der Fahrradstraße eigentlich nur "geduldeten" Verkehr noch mehr Fläche zu Lasten anderer Verkehrsarten (in diesem Fall der Fußgänger) eingeräumt. Vor allem lädt eine Verbreiterung der Einmündung erst recht zu zügigem Einfahren ein, während doch gerade das Gegenteil (Verkehrsberuhigung) beabsichtigt ist. Wozu richtet man überhaupt eine Fahrradstraße ein, wenn man anschließend zusätzliche Maßnahmen für legitim hält, um den Kfz-Verkehr nicht auszubremsen?
Gruß
Martin

webbie
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Re: Fahrradstraße Stielerstraße

Beitrag von webbie » Di 20. Jun 2017, 10:22

Welche Art von Behinderung durch ein Auto wäre in einer normalen Straße zulässig, in einer Fahrradstraße aber nicht? Ich kann mir jetzt keinen konkreten Fall vorstellen.

Du hast Recht, dass man bei einer Beschwerde keinen Verschlag machen muss. Die Frage ist nur, über was bzw. wen man sich beschwert. Über den Autofahrer, dann kann man es mit einer Fremdanzeige probieren. Das ist aber ziemlich aussichtslos und wenig wirksam. Oder bei den Verkehrsbehörden. Dann sollte man aber darlegen, was sie falsch gemacht haben bzw. besser machen könnten.

Aus meiner Sicht sind bauliche Maßnahmen, die einzige wirksame Möglichkeit die Geschwindigkeit von Kraftfahrzeugen zu reduzieren. Wie z.B. Bremsschwellen, die man so gestalten kann, dass sie Radfahrer nicht oder nur unwesentlich behindern. Soweit ich aber weiß, richtet die Stadt solche nicht bzw. nicht mehr ein.

Werner

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Tinu
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Re: Fahrradstraße Stielerstraße

Beitrag von Tinu » Di 20. Jun 2017, 11:26

Es werden ja keine explizit zulässigen Behinderungen in der StVO definiert, sondern es bleibt im Zweifelsfall eine Einzelfallentscheidung, inwieweit eine konkrete Behinderung aufgrund der Umstände zu tolerieren gewesen ist. Ich könnte mir z.B. vorstellen, dass die Behinderung, die durch das Räumen einer Kreuzung in der Zielstraße ausgelöst werden kann, vom dortigen Verkehr normalerweise hinzunehmen ist, was beim generellen Behinderungsverbot nicht mehr so wäre.

Ich bin mir nicht sicher, ob das Beispiel wirklich zutreffend ist, und es gibt bestimmt bessere. Auch ist das zunächst "nur" ein theoretischer Unterschied, der in der Praxis erstmal eingefordert und dann auch noch vom zuständigen Gericht als solcher ausgelegt werden muss. Entscheidend ist zunächst aber, dass der Gesetzgeber hier einen expliziten Unterschied postuliert - außer man unterstellt hier eine redundante und inhaltsleere Formulierungshülse im Verordnungstext. Durch den Ausschluss wird ja mindestens die Schwelle der "normalerweise zulässigen" Behinderungen deutlich erhöht, was sich praktisch in einer größeren Rücksichtnahme gegenüber dem Radverkehr äußern soll (Betonung natürlich auf "soll").

Bei der Eingangsfrage ging es aber offenbar sogar um Gefährdung (wenn man die Beschreibung wörtlich nehmen kann), was unabhängig von der Fahrradstraße nicht zulässig ist. Die erste Frage wäre vielleicht, inwieweit sich hier an der Gefährdungssituation mit Einführung der Fahrradstraße etwas geändert hat. Wenn keine baulichen Veränderungen vorgenommen wurden, dürfte sich an der Verkehrssituation an der Konfliktstelle doch nichts verändert haben (außer dass Radfahrer auch nebeneinander fahren dürfen).

Wenn aber die Einmündung für die Fahrradstraße sogar extra baulich verengt wurde, zeigt das ja die Richtung, in die die StVB denkt: Verkehrsberuhigung. Ich spreche mich ja nicht generell gegen bauliche Maßnahmen aus, sondern hinterfrage nur die Richtung: Eine Aufweitung der lichten Fahrbahnbreite wegen der Koexistenz der Fahrradstraße mit dem Kfz-Verkehr wäre paradox, eine Verengung könnte dagegen eine unterstützende Maßnahme sein.

Welche Maßnahmen hier tatsächlich helfen könnten, hängt natürlich von den konkreten Gegebenheiten an der Konfliktstelle (bauliche Rahmenbedingungen, optisches Erscheinungsbild, tradiertes Fahrverhalten, ...) ab, die man erstmal kennen muss. Wenn die Behörde dann ein offenes Ohr hat, kann man natürlich Vorschläge einbringen, die dann im besten Fall tatsächlich vom zuständigen Gremium mitgeprüft werden, sofern überhaupt eine Änderung angeleiert wird. Alternativ könnten auch reine Kontrollmaßnahmen vorgenommen werden oder es bleibt bei der individuellen Verfolgung von Einzelfällen bei individuellen Einzelanzeigen.
Gruß
Martin

KUHmax
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Re: Fahrradstraße Stielerstraße

Beitrag von KUHmax » Di 20. Jun 2017, 13:50

Hallo Tinu,

hierzu:
Die erste Frage wäre vielleicht, inwieweit sich hier an der Gefährdungssituation mit Einführung der Fahrradstraße etwas geändert hat.
stellt sich mal erst die Frage, was man unter Gefährdungssituation versteht.

Vor der Einführung der Fahrradstraße waren nicht benutzungspflichtige "Gemälderadwege) auf beiden Seiten auf den Gehsteigen abgetrennt. Wer sich auf so etwas sicherer fühlt, der mag eine erhöhte Gefährdung auf der Fahrbahn empfinden.

Leider gibt es auch immer wieder Fahrradfahrer/-innen, die immer noch den Gehweg benutzen und somit den Autofahrer/-innen suggerieren, die Fahrradfahrer/-innen müssten dort fahren.
Radlergrüße,

Karin

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Re: Fahrradstraße Stielerstraße

Beitrag von Tinu » Di 20. Jun 2017, 14:18

Guter Hinweis: Durch die Fahrradstraße trauen sich also mehr Radfahrer auf die Fahrbahn (womöglich sogar nebeneinander), was ja das Mindeste ist, was man in einer Fahrradstraße voraussetzen sollte. Wenn nun also trotzdem noch Radfahrer sich nicht auf die Fahrbahn trauen und zu wenig Rücksicht seitens des Kfz-Verkehrs genommen wird, scheint das Konzept "Fahrradstraße" dort noch nicht durchgedrungen zu sein und einer Nachbesserung zu bedürfen.

Womit wir wieder bei den passenden Maßnahmen wären: Wenn es ein Umstellungsproblem der Ortskundigen (wobei ich die Gehwegradler unbedingt einschließe!) ist, könnten vielleicht verstärkte Kontrollen über einen kurzen Zeitraum Abhilfe schaffen. Oder es ist ein Wahrnehmungsproblem, dem z.B. durch bessere Beschilderung und/oder Markierungen/Kennzeichnungen beizukommen wäre, nötigenfalls unterstützt durch bauliche Verengungen. Eine Aufweitung jedenfalls würde mE eher das Gegenteil bewirken.
Gruß
Martin

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Re: Fahrradstraße Stielerstraße

Beitrag von KUHmax » Mi 21. Jun 2017, 10:47

So, habe gesstern nochmal genauer hingesehen:
Eine Aufweitung jedenfalls würde mE eher das Gegenteil bewirken.
Und die halbseitigen Gehwegparker wären auf der Seite der Schule. Das ist in meinen Augen auf jeden Fall kontraproduktiv. Immerhin ist das (auch) ein Kindergarten und eine Grundschule, da sind Kinder unterwegs, die müssen auf dem Gehweg fahren.
Radlergrüße,

Karin

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