Echte Fahrradstraßen

Auch Fragen zur Strassenverkehrsordnung oder Umgang mit Ordnungswidrigkeiten oder Bussgeldern
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Tinu
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Echte Fahrradstraßen

Beitrag von Tinu » Mo 22. Feb 2016, 16:20

Kann mir jemand erklären, was genau da eigentlich beantragt wird?
http://www.ris-muenchen.de/RII/RII/ris_ ... id=3975016

Automatische Vorfahrt von Fahrradstraßen gegenüber einmündenden Straßen (also ohne Verkehrszeichen)? Markierung von Fahrradstraßen durch "Fahrradstreifen links und rechts": also Schutzstreifen in Fahrradstraßen? Ich versteh's nicht!
Gruß
Martin

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Grusewolf
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Re: Echte Fahrradstraßen

Beitrag von Grusewolf » Mo 22. Feb 2016, 21:51

Ist ja ein ziemlich bunter Haufen, der sich da zusammengefunden hat.
Von der Formulierung her hört sich das ein bißchen so an, wie die beeindruckenden Markierungen eines Radlschnellweges (oder einer Bundesstraße), die schon rein optisch die Vorfahrt deutlich machen sollen. Der Begriff Fahrradstreifen ist hier glaube ich nur unglücklich gewählt. Vielleicht ist ja eine Markierung gemeint, die Kfz Lenker davon abhalten soll, die interessante Vorfahrtsregelung für sich zu nutzen.
Der Antrag scheint aber auch nicht auf das abzuzielen, was die StVO als "echte Fahrradstraße" beschreibt, nämlich eine Straße, auf der ausschließlich Radfahrer fahren dürfen. Also ohne Zusatzschild "Kfz frei".
Auf Grund des bisherigen Verhaltens der Münchner GroKO bin ich zwar extrem skeptisch, wenn es aber ernst gemeint ist, ist die Realisierungsmöglichkeit auch extrem hoch. Vielleicht sollten wir schon mal Prioritätsrouten auswählen und dann vorschlagen.

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Tinu
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Re: Echte Fahrradstraßen

Beitrag von Tinu » Di 23. Feb 2016, 07:17

Grusewolf hat geschrieben:Auf Grund des bisherigen Verhaltens der Münchner GroKO bin ich zwar extrem skeptisch,
Passt aber doch: Wer nicht wirklich Radverkehrsförderung betreiben will, aber trotzdem das Gegenteil propagiert, bringt Alibi-Projekte ein, die schon in der Zielsetzung so widersprüchlich formuliert sind, dass kein Erfolg möglich ist.

Ergebnis: Man hat sich "bemüht", ist leider nichts bei rausgekommen, musste also nichts ändern, hat zusätzlich (Verschleppungs-)Zeit gewonnen, und vor allem: hat von den ganzen anderen offenen Baustellen abgelenkt. :evil:

Statt die tatsächlichen Probleme endlich anzugehen werden Spaßprojekte ins Leben gerufen, bei denen die Reißleine bereits für den Erfolgsfall wider Erwarten eingebaut sind: da die Umsetzung bei erfolgreichem Piloten eine StVO-Änderung erfordern, hat man schon jetzt die Ausrede, dass das ja gar nicht zulässig sei.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich finde ja gut, wenn nach Verbesserungen gesucht wird. Aber hier wirkt mir das Projekt so konzept- bzw. ziellos, dass ich es angesichts der sonstigen Verkehrspolitik nur als Ablenkungsmanöver empfinden kann.
Gruß
Martin

ag
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Re: Echte Fahrradstraßen

Beitrag von ag » Mi 24. Feb 2016, 12:30

Hallo zusammen,

der vorfahrtsregelnde Teil des Antrags ist ja klar. Das ist derzeit nur mit großem Aufwand legal möglich.

Die Geschichte dieses "interfraktionellen Arbeitskreises Radverkehr" ist die Reise des Kreisverwaltungsausschusses in die Niederlande letzten Sommer. Daraus hat sich dann diese Arbeitsgruppe in nachhinein gegründet. Im Herbst gab es von dieser Gruppierung ja schon einige mehr oder weniger weitgehende Anträge. *Ein* Hintergrund dieses Antrag dürften einige Fahrradstraßen sein, wie man sie in den Niederlanden findet mit jeweils breiten und farbig markierten Radspuren rechts und links und nur einer relativ schmalen Fahrspur (2,5-3m) in der Mitte. Sich begegnende Kfz müssen und sollen dann auf die markierten Radflächen ausweichen, müssen dabei auf den Radverkehr achten (was auch immer das genau heißt). Bei genügend wenig Kfz-Verkehr und entsprechender gegenseitiger Rücksicht kann das sicherlich funktionieren. Es spricht sicherlich nichts dagegen Fahrradstraßen besser sichtbar zu machen. Ob man dazu die ganze Straße in "Gefahr-Rot" einfärben muss, ist eine andere Frage.
Aber, was abgesehen von der besseren Sichtbarkeit, der Vorteil ggü. einer heutigen Fahrradstraße sein soll, bei der man als Radfahrer die ganze Fahrbahn verwenden kann ist nicht so klar. Damit die Überholabstände Kfz-Rad groß genug sind, braucht es auch eine ausreichende Straßenbreite. Um weiterhin nebeneinander fahren zu können müssen die markierten Streifen natürlich breit genug sein.
FÜr die Blutenburgstr. die in diesem Zusammenhang ins Feld geführt wurde, trifft das im wesentlichen nicht zu.

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Tinu
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Re: Echte Fahrradstraßen

Beitrag von Tinu » Mi 24. Feb 2016, 13:33

Die Blutenburgstraße ist im Übrigen eine Straße, die ich schon jetzt wegen der ständigen Kopfsteinpflasterschwellen eher meide.

So klar finde ich auch den vorfahrtsregelnden Teil des Antrags nicht: "Vorrang für Radfahrende". Gemeint ist doch wahrscheinlich Vorfahrt der Fahrradstraße, also auch für die dort fahrenden Kfz? Oder doch tatsächlich Vorrang der Radfahrenden gegenüber dem Kfz-Verkehr innerhalb der Fahrradstraße? Was wäre daran jetzt neu? Und auch bei den Einmündungen kann es nicht pauschal um den Vorrang der Radfahrenden gehen, jedenfalls nicht für die in die Fahrradstraße einfahrenden oder die diese kreuzenden.

Die Beschreibung von "Fahrradstraßen mit Radfahrstreifen" klingt für mich nach einer "normalen" Straße mit zwei Schutzstreifen. Das wäre doch wohl eher ein Rückschritt gegenüber der derzeitigen Fahrradstraße!? Radfahrer würden wieder an den Rand gedrängt; Kfz-Verkehr orientiert sich wieder an Markierungen statt Sicherheitsabstand; die getrennten Verkehrsflächen suggerieren getrennten Verkehr und damit geringeren Bedarf der Rücksichtnahme; die mittige Führung des Kfz-Verkehrs (statt Rechtsfahrgebot) führt zu regelmäßiger Gefährdung des Radverkehrs durch das Ausweichen auf den Radstreifen im Begegnungsverkehr; ...

Schutzstreifen mögen bei genügend breiten Straßen durchaus eine Lösung sein. Bei den meist eher schmaleren Fahrradstraßen sehe ich sie als Sicherheitsrisiko. Oder verstehe ich das noch immer falsch und es geht nur um die optische Hervorhebung von Fahrradstraßen?
Gruß
Martin

ag
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Re: Echte Fahrradstraßen

Beitrag von ag » Do 25. Feb 2016, 11:12

Wenn es nach der CSU geht kommt das Kopfsteinpflaster dort weg, nicht nur wegen der Radler, sondern (und vor allem?) wegen der "Rettungsdienste". Die Blutenburgstr. ist ja Verkehrsberuhigung hoch 3 aus den 70ern?. Vgl. entsprechender Antrag Herbst 2014(?). Soweit ich das verstanden habe, auch in Gesprächen, soll es um Vorfahrt in der Fahrradstraße (also auch für Autos, Rettungsdienste etc.) gehen. Ich bezweifle dass man sich in der Arbeitsgruppe über sich kreuzende Fahrradstraße Gedanken gemacht hat. Das wäre auch unnötig, da es in München nie so viele Fahrradstraßen geben wird. Straße mit Radfahr/Schutzstreifen ggü. Fahrradstraße ist natürlich ein Nachteil. Es ging halt lediglich um die bessere Sichtbarkeit wie man sie in den Niederlanden kennen gelernt hat. Und mal im Ernst, in einer echten Fahrradstraße haben AUtos sowieso nichts zu suchen. Darüber wird aber kein Wort verloren. Ein die hiesige Politik kennender und misstrauischer Radler könnte in den unklaren Formulierungen natürlich auch Absicht vermuten...

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