Unfallfolgen und Fahrradhelm

Auch Fragen zur Strassenverkehrsordnung oder Umgang mit Ordnungswidrigkeiten oder Bussgeldern
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faltradler
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Unfallfolgen und Fahrradhelm

Beitrag von faltradler » So 12. Apr 2015, 10:55

Leserbrief zu "Unter Kontrolle - Polizei will zwei Wochen verstärkt den Verkehr überwachen", SZ vom 11.04.2015, S. 83
(abgeschickt am 12.4.2015)

"Sehr geehrter Herr Bernstein,

in Ihrem Artikel erwähnen Sie einen Unfall zwischen einem Rad- und einem Autofahrer an der Kreuzung Lothstraße – Dachauerstraße: „Der Mann, der ohne Helm fuhr, prallte gegen einen Ampelmast und kam mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus.“
Laut Polizeibericht erlitt der Radfahrer eine Fraktur des linken Sprunggelenks, und es wurden ihm mehrere Zähne ausgeschlagen.

Wie hätte ein Helm diese Verletzungen verhindern können?

Mehr noch: Wenn ein Helm weit übersteht, ist es meines Erachtens durchaus möglich, dass man sich beim Aufschlag eine Stauchung des Genicks oder eine Gehirnerschütterung zuzieht. Hierzu gibt es einen interessanten Artikel zur Wirksamkeit von Fahrradhelmen: http://fahrradzukunft.de/14/wirksamkeit-von-fahrradhelmen/

Eine Aussage wie die, dass der Radfahrer keinen Helm trug, ist sehr leicht zu treffen – leichter als die nach der Beleuchtung des Radfahrers, nach der Geschwindigkeit der Unfallbeteiligten, Ihrer Aufmerksamkeit und Ihrem Verhalten. Sie hat nur mit dem Unfallgeschehen und seinen Folgen offensichtlich nichts zu tun. Sie unreflektiert zu übernehmen fördert nur Halbwissen ´über die Wirksamkeit von Fahrradhelmen und eine trügerische Sicherheit, nach dem Motto „mit einem Helm kann mir weniger passieren“ und die Schlussfolgerung „Radfahrer sollten grundsätzlich Helm tragen“. Die eigentlichen Ursachen des Unfalls und der Verletzungen bleiben ungeklärt.

Der Radweg an der Lothstraße ist nicht benutzungspflichtig. Gerade wenn man zügig fährt, ist es sicherer, auf der Straße zu bleiben! Denn dadurch verschwenkt man seine Fahrtrichtung nicht, ist stets im Sichtbereich der Kraftfahrzeuge, sieht selbst die Kfz besser und wiegt sich nicht in der trügerischen Sicherheit eines Radwegs.

Persönlich habe ich auch festgestellt, dass ich ohne Helm umsichtiger fahre als mit Helm – ganz automatisch. Das mag jeder selbst beurteilen.

Ich kann Ihnen nur raten: fahren Sie selbst mehr Fahrrad und probieren Sie unterschiedliche Möglichkeiten, etwa die, statt auf einem nicht benutzungspflichtigen Radwegs öfters mal auf der Fahrbahn zu fahren. Und sprechen Sie mit erfahrenen Radfahrern, etwa im ADFC. Ihre Perspektive wird sich grundlegend ändern.

Mit freundlichen Grüßen
..."

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faltradler
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Re: Unfallfolgen und Fahrradhelm

Beitrag von faltradler » So 12. Apr 2015, 13:09

SZ-Artikel: sueddeutsche.de/muenchen/schwerpunktaktion-unter-kontrolle-1.2429803
Polizeibericht: polizei.bayern.de/muenchen/news/presse/aktuell/index.html/218985 - Bericht Nr. 575

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Tinu
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Re: Unfallfolgen und Fahrradhelm

Beitrag von Tinu » So 12. Apr 2015, 17:03

Sehr gut!

Beim nächsten Mal vielleicht noch deutlicher "Hilfestellung" geben:

Statt reflexartig ohne Zusammenhang für den Unfall irrelevante Details (wie das Tragen eines Helms) in den Raum zu werfen, würde es nicht nur deutlich fachkundiger wirken, sondern vor allem sinnvoller sein, Faktoren zu benennen, die einen Einfluss auf die Folgen eines Unfalls oder gar die Wahrscheinlichkeit seines Eintretens haben. In diesem Fall wäre das z.B. das Gefährdungspotential durch die freiwillige Nutzung des Radwegs im Unterschied zur wesentlich sichereren Nutzung der Fahrbahn!
Gruß
Martin

SaschaD
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Re: Unfallfolgen und Fahrradhelm

Beitrag von SaschaD » Do 16. Apr 2015, 14:07

Find ich auch gut! Danke dafür, diese Formulierung kam wohl so original aus der Polizeimeldung (schlimm genug...), aber gerade von der SZ könnte man ja vielleicht doch etwas mehr als copy&paste erwarten.

Gruß,
Sascha

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