Radwege-Bauoffensive

Auch Fragen zur Strassenverkehrsordnung oder Umgang mit Ordnungswidrigkeiten oder Bussgeldern
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Tinu
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Radwege-Bauoffensive

Beitrag von Tinu » Di 26. Aug 2014, 12:53

Wieder so eine Aktion, bei der ich trotz aller wohltönender Worte erst mal Bauchschmerzen bekomme: http://www.ris-muenchen.de/RII2/RII/DOK ... 413302.pdf

Ich lese daraus vor allem die Absicht den Radverkehr dorthin zu verlagern, wo er den KFZ-Verkehr nicht stört (wie ehemals durch den Bau fahrbahnbegleitender Radwege, die uns ja immer noch mit dem Sicherheitsargument verkauft werden) und nicht mal "KFZ-Fahrstreifen" (allein dieser Begriff ist schon entlarvend!) kostet.

"Flächenkonkurrenzen auflösen statt Verkehrsfläche umzuverteilen" klingt zwar erst mal schön, soll aber nicht durch Integration (also z.B. gemeinsame Fahrbahnnutzung), sondern Verdrängung realisiert werden! Wo aber die Flächen herkommen sollen, die ja niemandem weggenommen werden sollen, wird nicht ersichtlich. Die motorisierten Wähler werden also beruhigt (wir nehmen euch nichts weg) und die Radler mit Zukunftsvisionen (wir bauen euch was Neues, wissen nur nicht wo - wird also dauern) abgespeist.

Sehe ich das zu schwarz (auch im politischen Sinne)?


UPDATE 17:00 Uhr:
Jetzt in der SZ diesen Artikel entdeckt: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/csu ... -1.2104699
Dann bin ich ja nicht alleine mit meiner Einschätzung!
Gruß
Martin

KUHmax
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Re: Radwege-Bauoffensive

Beitrag von KUHmax » Mi 27. Aug 2014, 15:24

Hallo Martin,

ja, das ist schon ein seltsamer Antrag.

Dass er nicht auf die Alltagsradler zielt, zeigen schon so sagenhafte Anforderungen wie "Rastplätze" an :evil: . Ich habe selten das Bedürfnis, auf meinem Weg in die Arbeit zu rasten. Außerdem komme ich über idyllische, zentrumsferne Wege nicht von der Lindwurmstraße in die Westendstraße.

Blöd, dass ich so inkompatibel zu den Radwegeanforderungen der Schwarzen bin.
Radlergrüße,

Karin

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Tinu
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Re: Radwege-Bauoffensive

Beitrag von Tinu » Mi 27. Aug 2014, 16:03

Man muss schon sehr genau lesen, ob jetzt jeweils von Fernradwegen oder überlasteten innerstädtischen Straßen die Rede ist. Beides wird hier in einen Topf geworfen und mit einer einheitlichen Strategie behandelt, als ob man durch den Ausbau eines vom Hauptstraßennetz entkoppelten Radwegenetzes irgendwelche Verkehrsprobleme in der Stadt lösen könnte. Mit dem gleichen Argument könnte man auch noch einen Autobahnring um München legen, damit KFZ nicht mehr in die Stadt fahren müssen!

Problem ist nun, dass mit dem Verweis auf den Aufbau irgendeines visionären Radwegenetzes die Lösung akuter Verkehrsprobleme argumentativ ausgebremst werden wird. Warten wir mal ab, wie jetzt für welche Lösung in der Rosenheimer Straße argumentiert wird...
Gruß
Martin

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Tinu
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Re: Radwege-Bauoffensive

Beitrag von Tinu » Do 28. Aug 2014, 09:29

Beruhigend zu sehen, dass die Kritik an den Plänen doch recht breit aufgestellt ist, wie jetzt der Presse zu entnehmen ist.

Warum begeben sich aber die Kritiker ohne Not in die Defensivposition, indem sie auf die verräterische Argumentation, dass Autofahrern keine Fläche weggenommen werden solle einsteigen? Wer dieses Argument übernimmt, bestätigt damit die Vorstellung, die Konkurrenzflächen gehörten dem Kraftverkehr und man müsse die Mitnutzung mühsam erbetteln.

Beispiele:
  • [Zitat Klaus Peter Rupp (SPD)]: Den Autofahrern dabei keinen Platz wegzunehmen – das wird nicht funktionieren.
    [Zitat Verkehrsexperte Professor Harald Kurzak]: Wenn man dem Verkehr Spuren wegnimmt, verdrängt man Autos in die Nebenstraßen
Radverkehr wird im zweiten Zitat nicht einmal überhaupt zum Verkehr gerechnet! Das ist zwar nicht gemeint, aber Sprache ist verräterisch und entlarvt, wie jemand tatsächlich denkt!

Man möge bitte von der Position ausgehen, dass die Verkehrsfläche zunächst allen VT gleichermaßen "gehört" und dass es nur um organisatorische Maßnahmen geht, diese geschickt zu strukturieren. Weggenommen wird hier höchstens denjenigen etwas, die gezwungen werden alternative Wege zu wählen! :evil:
Gruß
Martin

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Grusewolf
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Re: Radwege-Bauoffensive

Beitrag von Grusewolf » Do 28. Aug 2014, 21:58

Das sind die typischen Denkweisen von Wochenend- und Schönwetter-Radlern, die keine Ahnung haben, wo die Probleme der Radler wirklich liegen. Dabei hätte ja auch die CSU die Möglichkeit gehabt, die massenhaft konkret benannten Stellen im Gefahren Atlas der Süddeutschen Zeitung mal zu durchzugehen. Wegen fehlender Rastplätze hat sich dort glaube ich niemand beklagt.

Stattdessen sollen nach Ansicht der Union die Gefahren für Radfahrer auf Hauptverkehrsachsen nun beseitigt werden, indem man dort die Radfahrer beseitigt. Zynischer geht es wohl kaum noch.

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Re: Radwege-Bauoffensive

Beitrag von KUHmax » Fr 29. Aug 2014, 13:35

Der Kurzak ist ein typischer autogerechter "Verkehrsexperte".

Mehr ist zu dem zweiten Zitat überhaupt nicht zu sagen,
Radlergrüße,

Karin

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CSU und Radpolitik

Beitrag von JoMi2222 » Fr 29. Aug 2014, 22:33

Ich hatte schon befürchtet, daß die Post-Ude-Phase nix gutes bringt. Die Grünen sind nicht mehr dabei und die wenig radlambitionierte SPD muß sich gegen die erwartet autofreundliche CSU stemmen.

Des gibt nix bis zu den nächsten Wahlen. Hoffentlich merken sich die Radler in München das und gehen das nächste mal hin.

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faltradler
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Re: Radwege-Bauoffensive

Beitrag von faltradler » Sa 13. Dez 2014, 00:10

Ich bin ja auch immer noch stocksauer darüber, dass die ÖDP nicht über ihren Schatten gesprungen und eine etwas buntere Fortführung der bisherigen Koalition ermöglicht hat. Aber sei's drum ...

Zur "Flächenkonkurrenz" stelle ich mir gerade vor, wie sich viele die Augen reiben würden, wenn die, die heute viel Rad fahren, von heute auf morgen ins Auto steigen würden ... wenn für Radl-Stellplätze plötzlich Kfz-Stellplätze geschaffen werden müssten ... usw.

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Re: Radwege-Bauoffensive

Beitrag von KUHmax » So 14. Dez 2014, 15:34

Zur "Flächenkonkurrenz" stelle ich mir gerade vor, wie sich viele die Augen reiben würden, wenn die, die heute viel Rad fahren, von heute auf morgen ins Auto steigen würden ... wenn für Radl-Stellplätze plötzlich Kfz-Stellplätze geschaffen werden müssten
Leider denken die wenigsten so weit, wenn sie über die "Scheißradler" schimpfen.
Radlergrüße,

Karin

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