Nord-Süd-Altstadtquerung

Auch Fragen zur Strassenverkehrsordnung oder Umgang mit Ordnungswidrigkeiten oder Bussgeldern
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Hans Maier
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Nord-Süd-Altstadtquerung

Beitrag von Hans Maier » Sa 3. Aug 2013, 18:06

Weiß jemand, wie weit die Planungen zur Nord-Süd-Querung der Altstadt sind und über was gestritten wird? Da scheint ja gerade nicht viel voran zu gehen. Wurde der ADFC dazu angehört und welche Meinung wird vertreten?

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faltradler
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Re: Nord-Süd-Altstadtquerung

Beitrag von faltradler » So 28. Sep 2014, 00:14

An aktuellen Stellungnahmen finde ich:

1) Verkehrspolitisches Programm des ADFC München

Seite 19: "AItstadtquerung
Die jahrelange Diskussionen um die so genannte „Nord-Süd-Querung" zwischen Odeonsplatz und Rindermarkt über die Dienerstraße und den Marienplatz haben bisher zu keinen effektiven Verbesserungen für den Radverkehr geführt. Der heutige Zustand birgt hohes Konfliktpotenzial zwischen Radlern. Fußgängern und Lieferverkehr. Ein Aussperren der Radfahrer wird jedoch kaum möglich sein und wird von Seiten der Stadt auch nicht gewünscht.
In naher Zukunft muss es eine Gestaltung aus einem Guss geben, welche das Miteinander von Passanten und Radlern fördert. Darüber hinaus kann eine attraktive Umleitungsstrecke — beispielsweise über die Sparkassenstraße — eine deutliche Entlastung für die Strecke durch die Fußgängerzone darstellen. Langfristiges Ziel muss sein. den Kfz-Verkehr innerhalb des Altstadtrings auf ein Minimum zu beschränken."

2) Presseinformation vom 19.08.2014: Nord-Süd-Querung der Altstadt für den Radverkehr

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faltradler
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Re: Nord-Süd-Altstadtquerung

Beitrag von faltradler » So 28. Sep 2014, 01:11

und nun ein paar persönliche Kommentare:

1) Diskussion über alternative Routenführungen

Derzeit wird ja hauptsächlich über zwei Routenalternativen diskutiert, etwa auf der jüngsten Veranstaltung der Stadt München vom 25. September 2014.

Mir erscheint, dass dies hier hochstilisiert wird, so als ob man sich zwingend zwischen beiden Möglichkeiten entscheiden müsste.
Für beide Routen gibt es Für- und Wider- Argumente. Einen "Schnellweg" durch die Altstadt stellen beide nicht dar; vielmehr im Grunde zwei sehr attraktive Routen durch unsere schöne historische Altstadt!
Und so würde ich das auch ausbauen und den Radfahrern präsentieren: als ZWEI Möglichkeiten, von Nord nach Süd zu kommen. Denn wenn es so schwer ist, sich klar für eine der beiden Alternativen zu entscheiden, dann ist offenbar an beiden was d'ran ... .

Irgendwie kommt mir das auch so vor, als wolle man Menschen oder Tieren auf einer grünen Wiese vorschreiben wollen, wie sie zu laufen haben. Sie werden immer den Weg wählen, der für sie gerade am attraktivsten ist - entweder am interessantesten, oder am schnellsten, oder am bequemsten, oder oder ....
Gerade auf dem Hintergrund, dass der Radverkehr in München weiterhin zunehmen wird und soll, sollten wir uns nicht darauf versteifen, den Radverkehr auf EINE dieser Routen zu "zwängen", sondern in weiser Voraussicht BEIDE Routen attraktiv gestalten.
Durch die grünen Radwegschildern kann man zusätzlich eine Empfehlung für die von den Planern bevorzugte Route aussprechen.

Dazu ein paar Anmerkungen zu beiden Routen:

a) Hofgartenstraße, Alfons-Goppel-Straße usw.
Neben der Belastung durch Pkw-Verkehr etwa in der Sparkassenstraße (fahrend und parkend) ist das Kopfsteinpflaster in der Alfons-Goppel-Straße eines der größten Hindernisse für eine breite Akzeptanz durch die Radfahrer. Falls man ernsthaft diese Verbindung als Hauptroute ausbauen will, muss das Kopfsteinpflaster hier verschwinden. (Den Fußgängern auf den dortigen Gehwegen mutet man es ja auch nicht zu!)
Auch die Engstelle "Hofgartentor" müsste entsprechend gestaltet werden, um Konflikte mit Fußgängern möglichst zu vermeiden; gerne hier durch eine Reduzierung der Geschwindigkeit der Radler, z.B. durch ein ekliges Kopfsteinpflaster ;)

b) Residenzstraße, Maximilianstraße usw.

Zwischen Odeonsplatz und Max-Joseph-Platz funktioniert es doch bisher schon ganz gut. Die meisten Fußgänger bleiben auf den Gehwegen (abgesehen bei der jetzigen Baustelle). Als Radler muß man sich zwar etwas schlängeln, aber man kommt durch.
Durch eine Verbreiterung der Gehwege und Ausweisung als Fahrradstraße kann sich die Situation doch eigentlich nur verbessern; oder?

c) Max-Joseph-Platz
Diesen Platz vor der Oper möchte ich aufgrund der vorhandenen Engstelle eigens ansprechen.
Dass hier eine Freischankfläche besteht, mag Radfahrern nicht "schmecken", ist aber für das Erscheinungsbild des Platzes ein Gewinn; und natürlich auch für die Gäste. Man kann freilich monieren, dass die Abgrenzungen zum Teil überschritten werden und so den Raum für die Fußgänger und Radfahrer in unrechtmäßiger Weise weiter einschränken.
Zur Abmilderung könnte man die Freischankfläche etwa um eine Tischreihe verschmälern und dafür um ein paar Tische verlängern, etwa nach Norden.
Trotzdem bleibt es hier eng, auch wegen der Wendeltreppe zur Tiefgarage.

Dass allerdings zwischen der Freischankfläche und der Wendeltreppe ein Radweg bestand, war vielleicht bei dessen Ausweisung noch OK, ist aber bei der Zunahme des Radverkehrs längst nicht mehr zeitgemäß. Das Radwegschild verbunden mit dem unsäglich hässlichen roten Belag provozierte doch, ehrlich gesagt, nur Rechthaberei auf Seiten von uns Radfahrern! (Ob die Streitszene bei OB Reiters Presserundgang echt oder gestellt war, sei dahingestellt ...).
Von daher finde ich es eine tolle erste Aktion des OB, diesen Bereich so umzugestalten, dass alle nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmer sich hier gleichwertig, auf Augenhöhe und mit Respekt begegnen können.

Einen "Schönheitsfehler" hat diese Ecke aber noch: Östlich der Wendeltreppe (in Richtung Oper) setzt sich der diese "Verkehrsinsel" ja fort. Es bietet sich an, als Radfahrer die Engstelle hier zu umfahren. Zum Teil scheitert dies aber am nicht abgesenkten Bordstein. Dies ist eine weitere, einfach umzusetzende Verbesserungsmöglichkeit.

Schließlich sollte etwas dafür getan werden, dass Radfahrer, die einkaufen oder einkehren wollen, ihre Drahtesel einfach und sicher abstellen können, ohne die Verkehrsinsel zu blockieren! Auch das Geländer und das Verkehrsschild laden zum Anlehnen von Rädern ein. Da sollten baldmöglichst Abstellmöglichkeiten geschaffen werden, etwa ein paar Meter weiter auf dem Max-Joseph-Platz (wo heute - außerhalb der Fahrbahn - der Boden nicht gepflastert, sondern geteert ist), oder an anderer geeigneter und attraktiver (!) Stelle.

KUHmax
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Re: Nord-Süd-Altstadtquerung

Beitrag von KUHmax » Mi 10. Dez 2014, 11:24

Inzwischen steht ja die Variante zur Diskussion, alle Radfahrer und sogar den ÖPNV auszuschließen. Dumm, dass die das gerade angesichts des Fußgängergedränges zum Münchner Christkindlmarkt diskutieren. So schlimm, wie das am Montag war, ist es zu "normalen" Zeiten nicht.

Darüber hinaus ist aber immer noch die Seite des Marienhofs für KFZ-Verkehr zugänglich. Und das wird auch als "unverzichtbar" angesehen.

Da ich gerade am Montag mit dem Rad in dieser Gegend war, kann ich letzteres nicht nachvollziehen. Es mag notwendig sein für einzelne Unternehmen, für Personen mit Behinderung, und meinetwegen auch für Dienstwagen der Stadtverwaltung. Diesen Fahrzeug- und Personenkreisen könnte man aber eine gut sichtbar auszulegende Berechtigungskarte ausstellen und ansonsten KFZ aussperren.

Was meint ihr dazu?

Gruß, Karin
Radlergrüße,

Karin

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Tinu
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Re: Nord-Süd-Altstadtquerung

Beitrag von Tinu » Mi 10. Dez 2014, 12:36

Wo ist denn diese Variante überhaupt beschrieben? Ich kenne nur die Varianten aus der im vorigen Beitrag verlinkten Veranstaltung im September.
Gruß
Martin

KUHmax
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Re: Nord-Süd-Altstadtquerung

Beitrag von KUHmax » Mi 10. Dez 2014, 15:39

Guck mal unter Aktuelles im ADFC.
Radlergrüße,

Karin

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Re: Nord-Süd-Altstadtquerung

Beitrag von Tinu » Mi 10. Dez 2014, 17:18

Danke! Da überschlagen sich ja die Meldungen!

Die Lösung am Marienhof verstehe ich zwar auch nicht ganz, scheint mir aber nicht entscheidend für die Beurteilung des Konzepts insgesamt - sofern man überhaupt von einem Konzept sprechen kann!

Grundsätzlich finde ich den Ansatz die Attraktivität der Innenstadt durch Erweiterung der Fußgängerzonen (bzw. Verdrängung des Fahrzeugverkehrs) zu steigern, nicht verkehrt. Je größer dieser Bereich jedoch wird (Tal und Sendlinger Straße sind ja offenbar auch schon in der Diskussion), desto mehr muss man allerdings für die Anbindung auch der zentralen Stellen ohne zu lange Fußmärsche sorgen. Da sollte doch gerade mit dem zunehmenden (und angeblich zu fördernden!) Radverkehr eine geregelte Koexistenz angestrebt werden! (Betonung durchaus auf geregelt).

Super in dem Zusammenhang auch das Argument von Beck-Chef Greiner: "Allein ich werde schon mindestens zwei Mal am Tag von Radlern oder Taxlern überfahren."
Statt also auch als Fußgänger im Verkehr die Augen aufzumachen, lieber die anderen verbannen!


Und was sind die Konsequenzen für die Nord-Süd-Querung? Wenn der gesamte bisher verteilte Fahrzeugverkehr jetzt in der Sparkassenstraße und entlang dem Viktualienmarkt gebündelt wird, entsteht hier eine stauträchtige Verkehrsschneise mitten in der Altstadt. Das kann doch weder gut für die Attraktivität der Altstadt, noch dem Verkehrsfluss zuträglich sein!


Zum krönenden Abschluss noch ein Zitat von CSU-Fraktions-Chef Podiuk: "Mit der Lösung gibt es nur Gewinner." - Gute Nacht, Sachverstand!
Gruß
Martin

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faltradler
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Re: Nord-Süd-Altstadtquerung

Beitrag von faltradler » Fr 12. Dez 2014, 23:39

Ich denke auch, dass sich die Situation für alle gut entspannen lässt, ohne den Radverkehr völlig vom Marienplatz auszuschließen:
1. Durch Schaffung einer wirklich attraktiven, intuitiven Umfahrung und
2. Durch die Gestaltung des Marienplatzes als Fußgängerzone - also durch den Bodenbelag usw. deutlich zu machen, dass hier eine "Flaniermeile" besteht. Dann ist man beim Radfahrer gleich weniger geneigt, "Gas" zu geben, als auf einer scheinbar bevorrechtigten Verkehrsfläche (wie die derzeitige Teerstraße). Für mich wäre es voll okay, in diesem Bereich "nachrangig" unterwegs zu sein, also auf Fußgänger besondere Rücksicht zu nehmen.

Ich muss als Radler nicht unbedingt den Marienplatz überqueren, um von Nord nach Süd und umgekehrt zu kommen. Ich will aber recht nahe heranfahren können, um hier zu einem Treffpunkt zu gelangen oder einzukaufen. Zum Beispiel vom Norden bis zum Marienhof, oder im Süden ... hm, da fällt mir gerade keine gute, großflächige Abstellmöglichkeit ein.

Die Rikschas würde ich übrigens deshalb gern am Marienplatz lassen, gut sichtbar, weil sie eine tolle Touristenattraktion sind. (nicht primär aus Rücksicht auf die Geschäftsinteressen der Rikschafahrer - obwohl es natürlich völlig legitim ist, auch darauf hinzuweisen!).

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Re: Nord-Süd-Altstadtquerung

Beitrag von faltradler » Sa 28. Mär 2015, 00:15

In letzter Zeit fahre ich öfter vom Sendliger Tor zum Odeonsplatz und muss erfahren, dass der intuitivste und zügigste Weg über den Oberanger halt doch der direkte ist. Lieber mache ich am Marienplatz, in der Diener- und Residenzstraße etwas langsamer, als dass ich übers Rosental zum Viktualienmarkt fahre und dort auch wieder auf jede Menge Fußgänger und den Busverkehr aufpassen muss, v.a. im Übergang zum Marienplatz. Und das alles dann nur, um umständlich den Umweg etwa über die Sparkassenstraße zu nehmen? Ne, ehrlich, da vergeht's mir!
Die Lösung kann m.E. nur lauten - möglichst großflächige gemeinsame Nutzung des Straßenraums durch Fußgänger und Radfahrer.

Wenn ich als Radler am Straßenraum teilhaben darf, ohne gegängelt zu werden, dann fahre ich auch rücksichtsvoll, so wie es die Situation erfordert.

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