Radverkehr und Witterungsbedingungen

Auch Fragen zur Strassenverkehrsordnung oder Umgang mit Ordnungswidrigkeiten oder Bussgeldern
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Standbiking
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Radverkehr und Witterungsbedingungen

Beitrag von Standbiking » Mo 14. Jan 2019, 21:09

An die Stadt München
Ich bitte den ADFC um Unterstützung

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich fahre fast ausschließlich mit dem Fahrrad und bewege mich zu Fuß, bei jedem Wetter und auch bei Schnee. Ich möchte mich bei Ihnen über die derzeitigen Zustände der Straßen beschweren.

Ich bin kürzlich hinter einem Fahrzeug gefahren, das auf einem Bürgersteig Privatwege vom Schnee befreit hat. Es sah aus wie ein Rasenmäher, ich glaube da war eine Bürste angebracht, jedenfalls war der Fußgängerweg danach sauber bis zu den Bodenfliesen, es war eine klare Schneise inmitten der Schneehügel. Es geht also doch, das ist der Beweis! Diesen Anblick findet man auf Münchens Fahrradwegen nie vor. Die Fahrbahn der Autos dieser Nebenstraße war an dem Tag für mich als Radfahrer nicht nützbar, ich wäre mit dem Rad in dem Schneegemenge nicht weiter gekommen.

Die Tage danach gab es - wie im Wetterbericht angekündigt - weitere Schneefälle: tatsächlich schneite es die ganze Nacht und trotz der guten Planbarkeit waren die Nebenstraßen am Morgen wieder nicht geräumt, man hat rein gar nichts unternommen, es hat einfach auf die alte Schicht geschneit, die bereits von Autos zerfahren war.

Mir kommt es so vor als würde in München - wenn geräumt wird - lediglich mit einer großen Schaufel Schnee vor sich her geschoben. Die Schneeberge, die sich an den Rändern auftürmen, werden sofort wieder von den Autos in die Kreuzungen gefahren. Für Radfahrer sind diese Kreuzungen kaum befahrbar. Die Schaufeln der Räumfahrzeuge kratzen an der Oberfläche den Schnee an, es bleibt immer eine Schicht übrig, die sich dann mit Fahrspuren zerfährt und später aushärtet. Dieser Zustand führt dazu, dass sich Eisplatten, Furchen und Eisrillen bilden. Auch wenn ein Teil davon antaut, sind Eisplatten mit kraterähnlichen Löchern vorhanden auf denen die Räder ständig wie durch Schlaglöcher fahren müssen und in die eine oder andere Richtung rutschen. Es wird eine Schlitterpartie ohne Ende.

Die Hauptstraßen auf denen Autos fahren sind recht frei von Schnee, aber die Bereiche links und rechts der Fahrbahn - dort wo Radfahrer fahren müssen, dort häuft sich der weggeschobene Schnee und schon wieder werden Fußgänger und Radfahrer in Gefahr gebracht. Fußgängerwege und Radwege sind an vielen Stellen unbegeh- unbefahrbar. Die Nebenstraßen Münchens sind einfach Graus.

Wenn die Stadt München so weiter machen möchte, dann soll sie doch bitte kostenfrei an alle Haushalte Eiskrallen ausgeben mit denen man sich auf den rutschigen Wegen halten kann.

Was mich aber am meisten stört ist, dass die sogenannten Fahrradstraßen nicht geräumt werden. Autos können sich darauf frei bewegen und nehmen sich den Platz, den sie brauchen. Radfahrer, die mit Mühe eine Spur finden auf der sie versuchen gerade aus zu fahren, rutschen nach rechts und links, wenn ihre Räder den Eisrillen ausweichen und riskieren damit jedes Mal, die vorbeifahrenden Autos zu berühren. Es ist eine RADstraße und trotzdem haben RADfahrer keine Chance.

Ich verstehe das Verkehrskonzept nicht. Mir scheint, dass die Radstraßen und Radwege, sowie die Fußgängerwege nur ein mal pro Woche geräumt werden und dann tagelang sich selbst überlassen bleiben. Meiner Meinung nach sollte gerade dort das Augenmerk der Kommune liegen. Die Alten und die, die unter den erschwerten Wetterbedingungen leiden (Fußgänger, Rollatoren, Fahrrad..) sollten geschützt werden, nicht die Starken (Autos, Lastwagen, Lieferwagen,..).

Es kommt mir so vor, als sei dieses Jahr noch weniger gestreut worden als die Jahre davor, das kann man ganz gut sehen, wenn der Schnee von den Straßen taut.
Wir leben in so einer reichen Kommune, es sollte kein finanzielles Problem geben die Schneeräumung zu organisieren. Warum kriegt die Stadt München es nicht hin eine Wettersituation zu bändigen, die noch wie ein ganz normaler Winter aussieht. Wir sind uns doch sicher einig, dass wir weit davon entfernt sind einen Ausnahmezustand wie in den Alpenregionen zu erleben, dennoch sieht es auf unseren Straßen aus, als sei die Stadt komplett überfordert.

Ich habe als Bürger Münchens die Erwartung, dass die Stadt im Winter ihrer Aufgabe nachkommt und Schnee räumt. Das scheint immer weniger zu klappen.
Ich bitte Sie die Situation zu ändern und sich auf die Bürger zu besinnen, die der Umwelt zuliebe das Auto stehen lassen.

Mit freundlichem Gruß

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Soltyk
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Re: Radverkehr und Witterungsbedingungen

Beitrag von Soltyk » Mi 16. Jan 2019, 09:44

Ich kann das Gesagte aus eigener Erfahrung bestätigen. Ich fahre auch seit einigen Jahren im Winter 'durch'. Perfekt wurde nie geräumt, aber so schlimm wie dieses Jahr war es noch nie. Es ist 'normal', dass bei viel Schneefall der Radweg morgens nicht geräumt ist, aber spätestes am Nachmittag war das bisher der Fall. Dieses Jahr sind Wege auch nach Tagen nicht geräumt gewesen. Auch kann ich bestätigen, dass selbst wenn geräumt wurde, kein oder wenig Splitt gestreut wurde. Zudem habe ich Wege in Parks erlebt, wo in der Mitte der Strecke 50m komplett ungeräumt blieben. Das ist nicht ungefährlich, wenn man nachts plötzlich in 20cm Nassschnee fährt. Diese Stelle war auch nach einer Woche nicht geräumt. Was mich aber am meisten stört, sind Radwege neben gesalzten Hauptstrassen, die schlecht geräumt werden, so dass sich durch salziges Spritzwasser eine halbgefrorener Schneematsch bildet (der unter Umständen nachts samt Spurrillen wieder betonhart einfriert). Meine Forderung wäre hier: Wenn schon die Strasse gesalzt wird, dann auch gleich den Radweg mit salzen.

JoMi2222
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Re: Radverkehr und Witterungsbedingungen

Beitrag von JoMi2222 » Do 24. Jan 2019, 18:53

Räumen ja, streuen ja, aber Salz: Nein. Greift erheblich das Material an.

seamuc
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Re: Radverkehr und Witterungsbedingungen

Beitrag von seamuc » Do 7. Feb 2019, 12:31

Kann ich bestätigen.
Es ist eine Zumutung was dieses Jahr passiert.
Es wird auch nicht mehr nachgeräumt.
Also wenn das Zeug taut, es nicht frisch schneit, interessiert sich dies Stadt nicht die Bohne dafür, den Matsch zu räumen.
Bedeutet aus festem Schnee, wird Matsch, wird Eis. Juckt hier niemanden mehr.
Das konnten die selbst in den 90igern besser als derzeit.

Beschwerden an das KVR. Wird aber eh nichts bringen, die reden sich gerne raus.

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Barrie
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Re: Radverkehr und Witterungsbedingungen

Beitrag von Barrie » Di 12. Feb 2019, 14:19

Seit dem Schnee im Januar stehe ich in engem Kontakt mit der Stabsstelle Radverkehr. Leider werde ich den Verdacht nicht los, dass diese Stelle in erster Linie eine Alibifunktion hat, um zukunftsträchtige Verkehrsmodelle vorzutäuschen. Nach den bisherigen Schneefällen wusste ich mir nicht mehr anders zu helfen als vorzuschlagen, dass sie einfach gar nichts mehr zum Thema "Räumung von Radwegen" sagen sollen, da es München ohnehin nicht auf die Reihe bringt/bringen will.

Ich habe mich bei meinen Betrachtungen ganz bewusst auch nur auf eine Haupt- bzw. Winterroute beschränkt. Aber selbst da war der Zustand großteils eine Zumutung. Wie schon geschrieben, wird allenfalls bei Schneefall geräumt. Eine "Nachsorge", die berücksichtigt, dass Schnee nicht nur "von oben", sondern vor allem auch "von der Seite" auf die Radwege gebracht wird, findet so gut wie nicht statt.

Ganz schlecht ist auch, dass auf großen Strecken kein Unterschied zwischen Rad- und Fußweg gemacht wird. Gerade im Winter haben es beide Parteien verdient, in ihrem Bemühen um die Aufrechterhaltung einer aufrechten Position unterstützt zu werden. Meine Versuche, bei ausschließlicher Räumung auf dem Gehweg auf die Straße auszuweichen, wurden mir von der MIV-Fraktion so furchtbar wir möglich gemacht. So bin ich stellenweise schiebend auf dem Gehweg zur/von der Arbeit.

Überflüssig zu erwähnen, dass die Straße stets picobello war. Die Schneehaufen waren stets nicht mehr auf der Straße, sondern stets auf dem Hochbord.

Wie gesagt, es geht hier um eine sog. "Winterroute" entlang einer großen Ein- und Ausfallstraße. München kann's einfach nicht, weil's letztlich nicht will.

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faltradler
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Re: Radverkehr und Witterungsbedingungen

Beitrag von faltradler » Fr 15. Feb 2019, 00:00

Gibt es heuer eigentlich wieder eine Winterdienst-Umfrage? Da könnten wir sicher einiges dazu sagen ...

Das letzte Mal war ich wohl recht milde in meinen Kommentaren.
Aber dieses Jahr ... hat die Stadt die Mittel eingefroren, weil es die letzten Jahre nicht ganz so winterlich war? Oder einfach vergessen, wie es geht, das Räumen?

Ich war oft quer durch die Stadt unterwegs, entlang großer wie kleiner Straßen, auch tagsüber, und habe keinen einzigen Räumdienst gesehen, der nach der "Ersträumung" die teils immer noch massiven Schneemengen beseitigt hat. Geschweige denn die "Verwerfungen" durch die Straßenräumung, an Kreuzungen, Einmündungen, Ein- und Ausfahrten etc.

Es ist wirklich unglaublich, was dem Radverkehr - und den Fußgängern - hier zugemutet wird. Ganz zu schweigen etwa von Rollstuhlfahreren, Rollator-Benutzern usw. ...

Auch in Seitenstraßen. Ich finde es ja ok, dass dort nicht gesalzen wird. Nur, dass man den Schnee einfach von Autos zusammenfahren lässt und Radfahrer sich dann über diese Buckelpisten und Eisplatten quälen müssen, bringt garantiert nicht mehr Menschen aufs Rad.

Wobei mir nicht ganz klar ist: sind außerhalb des Mittleren Rings die Stadt oder die Anlieger für die Räumung der Nebenstraßen zuständig?

Und noch was fiel mir auf: an meinem Arbeitsplatz ging die Zahl der Räder bei Kälte kaum zurück. Erst als die Straßen, oder besser - die Radwege schnee- und eisbedeckt waren, war ein deutlicher Rückgang zu erkennen. Es liegt also klar weniger an der Kälte, sondern viel mehr an den Bedingungen auf den Straßen und Radwegen, ob Menschen mit dem Rad fahren oder nicht.

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