pedelecs als gefahr

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gerhard ritzert
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pedelecs als gefahr

Beitrag von gerhard ritzert » Do 11. Jul 2013, 08:55

:( ACE: Verkehrsunfälle mit E-Bikes bergen hohes Verletzungsrisiko

10.07.2013, 17:48 Uhr | ACE
Junge Frau auf Pedelec. (Quelle: dpa)

Pedelecs sind zunehmend bei jungen Menschen beliebt - was sich offenbar auch in der Unfallstatistik niederschlägt. (Quelle: dpa)

Wer mit einem Elektrofahrrad unterwegs ist, riskiert im Vergleich zu normalen Radfahrern überdurchschnittlich häufig schwere Verletzungen bei einem Unfall. Darauf weist der ACE Auto Club Europa hin, der sich auf eine Erhebung des Innenministeriums Baden-Württemberg beruft. Besonders die schnellen S-Pedelecs fallen in der Unfallstatistik auf.
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Unfallzahlen bei E-Bikes steigen schneller als Bestand

Das Risiko, bei einem Pedelec-Unfall ums Leben zu kommen, ist nach Angaben des ACE vier Mal höher als bei Unfällen, an denen herkömmliche Fahrräder beteiligt sind. Diese Entwicklung gebe durchaus Anlass zur Besorgnis, erklärt ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner, fügt aber hinzu: „Wir sehen keinen Grund, Pedelecs jetzt auf den Index zu setzen, ganz im Gegenteil, diese Räder gehören zu unserer modernen Verkehrswelt, sie haben ihre Zukunft noch vor sich.“

Von 2011 auf 2012 ist in Deutschland der Bestand an Pedelecs (Unterstützung bis 25 km/h) und S-Pedelecs (Unterstützung bis 45 km/h, E-Bikes im eigentlichen Sinne) von 900 000 um 44 Prozent auf rund 1,3 Millionen Stück angestiegen. Doch noch schneller als der Fahrzeugbestand wuchs die Zahl der Unfälle. Registrierte die Polizei in Baden-Württemberg 2010 erst 42 Unfälle mit Pedelecs und E-Bikes, so waren es im Jahr 2011 bereits 90.
Pedelecs büßen Vorteil in Unfallstatistik ein

2012 erreichte die Zahl der Unfälle mit Elektrofahrrädern im Ländle einen Höchststand von 160. Dies entspricht Zuwachsraten von 114 Prozent (2010–2011) und 77,8 Prozent (2011–2012). Entsprechend wuchs die Zahl der Verunglückten: 2010 kamen bei Unfällen mit Pedelec- beziehungsweise E-Bike-Beteiligung 44 Menschen zu Schaden, von denen elf schwer verletzt wurden. Ein Jahr darauf waren 85 Verunglückte zu beklagen, davon zwei tödlich verletzte und 35 schwer verletzte Personen. Im Jahr 2012 starben drei Menschen bei entsprechenden Unfällen, 58 wurden schwer verletzt. Insgesamt wurden 154 Verunglückte gezählt.

SaschaD
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Re: pedelecs als gefahr

Beitrag von SaschaD » Do 11. Jul 2013, 12:43

Na das sind ja wieder 'mal lustige Zahlenspielereien. Da vergleicht man munter den "Bestand an konventionellen Rädern" (was ja die Millionen von im Keller geparkten und vor sich hin verrottenden Räder mit einschließt) mit den letztes Jahr neu gekauften Pedelecs (die die Leute jawohl in erster Linie eher nicht kaufen, um sie dann in den Keller zu stellen und nicht zu benutzen).
Wenn man belastbare Zahlen will, braucht man eine Prozentangabe zur wirklichen Verkehrsbeteiligung. Alles andere ist sehr wenig aussagekräftig. Genausogut hätte man in den 90ern eine Schlagzeile aufmachen können, dass Mountainbikes auf einmal überproportional zu ihrem Bestand an Unfällen beteiligt sind.

Gruß,
Sascha

WGorisch
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Re: pedelecs als gefahr

Beitrag von WGorisch » Mo 27. Jan 2014, 15:42

Statistiken verleiten oft zu falschen Schlüssen. Insbesondere wird fälschlich auf kausale Ursachen geschlossen, wo es sich nur um knappe statistische Zahlen handelt.

Also: Das Pedelec-Fahren nimmt zu, Unfälle mit Pedelecs nehmen überproportional zu. Immer mehr junge Radler fahren auch mit Pedelecs. Falsche Schlussfolgerung: Junge Leute auf Pedelecs fahren leichtsinnig. Oder, genauso falsch: das Pedelecfahren muss generell stärker eingedämmt werden - und zwar sofort, bevor noch mehr Schaden entsteht.

Der überproportionale Anstieg der Unfälle könnte auch dadurch erklärt werden, dass die erste Verkaufswelle von den Zur-Arbeit-Radlern geprägt war, die überwiegend jung und geübt sind. Die zweite Welle könnten dann die älteren Mitbürger gewesen sein, die die neue Freizeitgestaltung auf mühelosen zwei Rädern attraktiv fanden, denen aber die Übung fehlte. Es ist also denkbar, dass die Überproportionalität von dieser zweiten Welle ausging. Ob sich das aber wirklich so verhalten hat, können eigentlich nur die Verkäufer sagen, die die Entwicklung der Marktsegmente genau kennen.

Anstelle eines übereilten Aktionismus sollten auch die Unfälle genauer analysiert werden, u.a.: wie alt waren die Fahrer, wieviel Radfahrerfahrung hatten sie, wie hoch war der Übungsstand mit dem neuen Fahrzeug Pedelec, handelte es sich überhaupt um ein Pedelec - oder um ein schnelles E-Bike?
Nur aus einer solchen genaueren Analyse kann man sinnvolle Folgerungen ziehen, wie z.B.: Sollen sich die Pedelec-Vekäufer in der Pflicht sehen, älteren Kunden, die von der neuen mühelosen Beweglichkeit profitieren wollen, zu Fahrkursen zu raten und solche anzubieten? Das sind doch oft Kunden, denen man schon im Laden ansieht, dass sie wenig raderfahren, körperlich ungeübter und reaktionsträger sind als der/die durchschnittliche Fahrradfahrer/in. Oder: Inwieweit liegen Unfallursachen bei Fehleinschätzungen der anderen Verkehrsteilnehmer, die sich an die etwas höhere Geschwindigkeit der Pedelecs noch nicht gewöhnt haben. Ich schätze gefühlsmäßig, die innerstädtische Durchschnittsgeschwindigkeit der Muskelradler liegt bei etwa 15-20 km/h; das Pedelec dürfte jedoch durchgehend mit der Grenzgeschwindigkeit von 25 km/h gefahren werden. Ich halte es für sinnnvoll, das mal genauer zu messen.

Gerade bei der zunehmenden Verwendung neuer Verkehrsmittel wie jetzt dem Pedelec sollte man die Randbedingungen bei der Unfallaufnahme sehr umfassend erheben, damit letztlich sachgerechte Schlüsse gezogen werden können. Vernünftige Folgerungen sollten wohl in die Richtung gehen, praktische Übungen zu empfehlen und den Informationsstand verbessern (ist das ein Thema für den ADFC?).

An die Leserschaft dieses Forums gerichtet, lauten die Schlüsse wohl:
- Wer ein Pedelec fährt, sollte sich bewusst sein, dass das Pedelec um 8-10 kg schwerer ist und dementsprechend deutlich mehr Bewegungsenergie hat als ein normales leichtes Rad. Man sollte also noch vorausschauender fahren als vorher.
- Der/die Pedelecfahrer/in wird mehr Mühe haben, dieses Gewicht (gesamt ca 22-25 kg) beim schnellen Notabstieg zu beherrschen und dabei selbst auf den Beinen zu bleiben.
- Als Pedelecfahrer wird man oft langsamer eingeschätzt als man ist. Da glaubt ein Fußgänger, er könnte noch locker den Radweg kreuzen. Auch das sollte man einkalkulieren; RR-Fahrern ist diese Vorsicht schon im Fleisch und Blut.
- Der Muskelradfahrer sollte sich einen Blick auf die Mitradler angewöhnen: Ältere Herrschaften, die mit ruhiger Atmung und in aufrechter Haltung flott unterwegs sind, haben oft elektrische Unterstützung. Deren Reaktionsfreude und Beweglichkeit ist möglicherweise etwas herabgesetzt - also besser mehr Abstand halten.

Viel Radlspaß in 2014
Wolfram

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