München fällt beim ADFC-Fahrradklima-Test weiter zurück

Kreisverband Aktuelles Pressemitteilung

Erneut kann die selbst ernannte „Radlhauptstadt“ nicht punkten

Im Herbst 2016 waren Radlerinnen und Radler beim siebten Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) aufgerufen, die Fahrradfreundlichkeit ihrer Stadt oder Gemeinde zu bewerten. Bundesweit haben über 120 000 Menschen teilgenommen. In München gaben mehr als 2 100 Münchner Radlerinnen und Radler ihr Votum ab – damit fast doppelt so viele wie noch 2014.

Seit heute liegen die Ergebnisse vor: München ist mit einer Gesamtnote von 3,8 auf Platz 13 aller 39 deutschen Großstädte mit über 200 000 Einwohnern gelandet. Gegenüber 2014 rutschte die Landeshauptstadt somit um einen Platz ab, im bayernweiten Vergleich der Großstädte fiel sie von Platz 1 auf 2 zurück.

Die Gründe hierfür sind nach Einschätzung des ADFC München klar: Trotz einiger kleiner und guter Maßnahmen in den vergangenen Jahren spüren Münchens Radlerinnen und Radler sehr genau, dass sie als Verkehrsteilnehmer immer noch nicht ernst genommen und dass ihre Bedürfnisse meist erst nach denen der Autofahrer bedient werden. Die Schnelligkeit der Kraftfahrzeuge steht leider nach wie vor im Mittelpunkt städtischer Verkehrspolitik – zu Lasten der Sicherheit für Radfahrer. Die „Radlkampagne“ ist seit dem Einzug der großen Koalition ins Rathaus spürbar erlahmt, und Dauerbrenner wie die Rosenheimer Straße, wo Radfahrer seit vielen Jahre auf die Entscheidung für sichere und angenehme Radverkehrsanlagen warten, führen zu entsprechend hohem Frustpotenzial. Wenn es ans Eingemachte geht und Straßenraum auf Kosten des motorisierten Individualverkehrs dem ständig wachsenden Radverkehr zugeschlagen werden müsste, rudern die Verantwortlichen im Rathaus zurück. Das erneut schlechte Abschneiden beim Fahrradklimatest des ADFC ist die Quittung für diese Haltung.

Darüber hinaus fehlt es in München an einer grundsätzlichen Vision zur Lösung der Verkehrsproblematik, obwohl diese dringlicher denn je ist: Neben dem nach wie vor starken Bevölkerungs- und dem damit verbundenen Verkehrswachstum wurde die Landeshauptstadt mittlerweile schon mehrfach gerichtlich verpflichtet, unverzüglich Maßnahmen zu erlassen, um die vorgeschriebenen Luftreinheitswerte einzuhalten. Bis neue Auto-, U-Bahntunnel und Tiefgaragen beschlossen oder die 2. Stammstrecke endlich gegraben sind, werden noch viele Jahre ins Land gehen. Ein Radfahrstreifen anstelle einer Fahrspur ist jedoch an einem Wochenende aufgemalt und ausgeschildert. Die Auflösung von Parkstreifen zugunsten eines breiteren und sicheren Rad­wegs ist ebenfalls schnell durchgeführt. Nur so kann der beengte Verkehrsraum wesentlich effizienter genutzt werden. Viele Städte auf der ganzen Welt haben es erfolgreich vorgemacht!

Der Klimatest zeigt erneut, dass Radln zum Münchner Lebensgefühl gehört (Note 2,7). Hatten die Münchner 2014 noch die gute Erreichbarkeit des Stadtzentrums mit dem Fahrrad gelobt, so ist auch hier mit der Note 3,1 eine Verschlechterung eingetreten – sicherlich eine Folge des Anfang 2016 angeordneten Durchfahrtsverbots für Radler am Marienplatz.

Wie schon 2014, so wurden am häufigsten die schlecht auf Radler abgestimmten Ampelschaltungen (Note 4,8) sowie kaum durchgeführte Falschparkerkontrollen (Note 4,7) kritisiert. Die mangelhafte Breite vieler Radwege und häufig unzumutbare Führung des Radverkehrs im Baustellenbereich (Note 4,6) sind nach wie vor die Hauptkritikpunkte. Darüber hinaus fehlt es nach Ansicht der Münchner Radlerinnen und Radler immer noch an einem attraktiven Angebot zur Fahrradmitnahme im MVV.

Leihräder hingegen werden von den Münchnerinnen und Münchner offenbar geschätzt (Note 2,4). „Hier kann man gut erkennen, wie sich Engagement für den Radverkehr auszahlt“, so Martin Glas, 1. Vorsitzender des ADFC München. „Die zahlreichen Verleihstationen der MVG-Mietfahrräder scheinen prima anzukommen“. Mit Blick auf ein aktuelles Projekt ergänzt Glas: „Vielleicht ist die neue grüne Welle für Radfahrer in der Schellingstraße ebenfalls eine erste Maßnahme, um in Zukunft bei den häufig nachteiligen Ampelschaltungen besser abzuschneiden“.  

Sämtliche Ergebnisse aller Städte und Kommunen bundesweit können unter http://www.fahrradklima-test.de

abgerufen werden.

 

 

© ADFC München 2018

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