Lindwurmstraße: ADFC München kritisiert die Schmalspur-Umbaupläne

Aktuelles ADFC Pressemitteilung

Im Bauausschuss vom 9. Oktober stehen Umbaupläne für die Lindwurmstraße zur Abstimmung1 : Stadteinwärts soll der bauliche Radweg aufgelöst und dem Fußweg zugeschlagen werden und stattdessen ein 1,85m breiter Radfahrstreifen auf der Fahrbahn mit 50cm Sicherheitstrennstreifen zu einem 2,0m breiten Parkstreifen eingerichtet werden. Im Gegenzug sollen die vier derzeit überbreiten Fahrstreifen auf jeweils 3m verschmälert werden und soweit vorhanden der Mittelteiler entfernt werden. Stadtauswärts soll der derzeit 1,2m breite Radweg zu Lasten des Fußweges um 40cm verbreitert werden, um die dortigen rechnerischen 48 Stellplätze beibehalten zu können. Der ADFC lehnt diese Pläne vehement ab.

Beurteilung des ADFC zu den Plänen stadteinwärts
Formal ist der geplante Radfahrstreifen mit 1,85m zwar breiter als der bisherige Radweg, allerdings einschließlich der Markierung von 25cm. Damit verbleibt eine minimale rechnerische Verbreiterung des bisherigen Radwegs von 1,54m auf 1,6m. Um nicht mit unachtsam geöffneten Autotüren zu kollidieren, müssen Radfahrende grundsätzlich jedoch mindestens 1m Abstand zu parkenden Fahrzeugen einhalten. Bei einer Breite des Sicherheitstrennstreifens von 50cm verbleiben damit höchstens 1,10m vom Radfahrstreifen. Die Erfahrung an anderen Straßen zeigt, dass 2m breite Parkstreifen aufgrund von immer dickeren Autos, Lieferfahrzeugen und mangelnder Einparkdisziplin oftmals nicht ausreichen. In der Summe verbleibt eine effektiv nutzbare Breite von deutlich unter einem Meter, auf der sicher gefahren werden kann. In Verbindung mit Fahrspuren von 3m Breite - ein LKW kommt mit Außenspiegel auf bis zu 2,85 Meter - können zudem die vorgeschriebenen Sicherheitsabstände beim Vorbeifahren von LKWs an Radfahrenden von eineinhalb bis zwei Meter nicht eingehalten werden. Aufgrund der Kombination von Beinahe-Mindestmaßen stellen wir die Rechtmäßigkeit dieser Pläne daher grundsätzlich in Frage. Völlig unklar ist zudem, wie dort ausreichend breite Lieferzonen geschaffen werden sollen, ohne in den Baumgraben einzugreifen oder den Radfahrstreifen weiter zu verschmälern. Attraktive und moderne Radverkehrsplanung geht anders. Es ist vollkommen klar, dass man mit diesen Plänen niemand zum Umstieg vom Auto auf das Rad bewegen wird. Besonders unerfahrene und schwächere Radfahrende werden sich dort nicht sicher fühlen.

Beurteilung des ADFC zu den Plänen stadtauswärts
Mit der Verbreiterung von heute 1,2m auf 1,6m werden die Radwege erstmals gerade so rechtskonform. Um den starken Radverkehr sicher abwickeln zu können, sind jedoch deutlich breitere Radwege von (mindestens) 2,3m zuzügliche Sicherheitsabständen notwendig. Nur dann können auch Lastenfahrräder oder Kinderanhänger sicher und regelgerecht überholt werden. Eine signifikante qualitative Verbesserung für den Radverkehr können wir in diesen Plänen daher nicht erkennen. Zudem werden die Mindestmaße für innerstädtische Fußwege von 2,5m unterschritten, weshalb wir auch hier die Rechtmäßigkeit in Frage stellen.

Lösungsvorschlag
Für eine echte und bedarfsgerechte Verbesserung für den Radverkehr schlägt der ADFC daher folgende Aufteilung der Fahrbahn (zwischen den Baumreihen) vor: 2,3m Radfahrstreifen + 0,5m Trennung Auto- & Radverkehr + 3,5m Fahrbahn stadtauswärts + 3m Fahrbahn stadteinwärts + 3.25m Fahrbahn stadteinwärts + 0,5m Trennung Auto- & Radverkehr + 2,3m Radfahrstreifen + 0,75m Sicherheitstrennstreifen + 2,25m Parkstreifen (Nord -> Süd). Das ist problemlos möglich, da stadtauswärts weder zwei Fahrspuren benötigt werden, noch, mangels Bebauung, die Parkreihe.

Fazit
Andreas Groh, stv. Vorsitzender des ADFC München sagt dazu verärgert: “In der Lindwurmstraße besteht erheblicher Handlungsbedarf. Auf den ersten Blick mögen die Pläne auch gut klingen. Tatsächlich ist es aber eine erhebliche Mogelpackung. Denn die Umbaupläne erinnern stark an die Mutlosigkeit der ursprünglichen Planungen für die Rosenheimer Straße vom Juli 2016. Auch damals sollten ohne Not Fahrspuren und Parkplätze erhalten werden. Erneut versucht die Stadt hier mit Rechentricks, eine effektive Verschmälerung des Radwegs als Verbreiterung zu verkaufen und FußgängerInnen gegen RadfahrerInnen auszuspielen.

[1]https://www.ris-muenchen.de/RII/RII/ris_vorlagen_dokumente.jsp?risid=4914556

© ADFC München 2018



Am 13. Januar 2019


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