Dachauer Straße – ein Hindernisparcours für Radfahrer

Pressemitteilung

Nachdem die Stadt München viele Jahre Radfahrer in der Dachauer Straße zwischen Maßmannstraße und Lothstraße stadtauswärts auf einem gefährlich engen Radweg direkt im Türöffnungsbereich der dort parkenden Fahrzeuge geführt hat, nutzen nun die Stadtwerke München die anstehenden Arbeiten am Wassernetz, um für etwas Abwechslung zu sorgen: Statt langweilig immer nur geradeaus auf dem schmalen Radweg balancieren und eventuell aufgehenden Autotüren ausweichen zu müssen, dürfen Radfahrer gemeinsam mit Fußgängern jetzt auf diesem 500 Meter langen Abschnitt der Dachauer Straße einen wahren Hindernisparcours durchfahren. Das hat der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) München festgestellt.

 

Ein ständiger Wechsel zwischen Radweg und Parkstreifen geführt durch ein Labyrinth an Absperrgittern sorgt für besonderen Fahrspaß. Damit dieser nicht zu schnell vorbei ist, wurde auch eine „Schiebestrecke“ auf dem Fußweg eingerichtet. Alternativ können Radfahrer dort – nach einem beherzten Sprung über den Bordstein – auf die viel befahrene Dachauer Straße ausweichen. Hierdurch entgeht ihnen jedoch der vollkommen unübersichtlich gestaltete letzte Abschnitt, der auch erfahrene Baustellen-Radprofis vor eine echte Herausforderung stellen soll. Um eine Überfüllung des Parcours zu vermeiden, wurde der Einstieg besonders gut getarnt, in einen Vorgarten verlegt. Ob es möglich sein wird, die Strecke täglich umzubauen und so für ständige Abwechslung zu sorgen, steht noch nicht fest; das wird von der konkreten Baustellensituation abhängen. Um Kollisionen oder Stürze zu vermeiden, wird insbesondere Senioren mit Rollatoren, Eltern mit Kinderwagen oder Kinderanhänger geraten, diesen Abschnitt zu meiden. Dieser Erlebnis-Parcours der besonderen Art setzt sich noch bis Mitte November fort.

Pikanterweise war die Landeshauptstadt bereits 2006 nach einer Klage vor dem Verwaltungsgericht München verpflichtet worden, die Situation für Radfahrer eben an diesem Abschnitt der Dachauer Straße zu verbessern. Geschehen ist trotz des rechtskräftigen Urteils in nunmehr zehn Jahren gar nichts (Aktenzeichen M 23 K 05.1174).

Leider ist dies aus Sicht des ADFC nicht die einzige Baustelle im Stadtgebiet, an denen die Stadtwerke als Bauherren und das Kreisverwaltungsreferat als verantwortliche Straßenverkehrsbehörde zeigen, dass die Sicherheitsinteressen der Radfahrer nur eine geringe Rolle spielen. Die gängigen Regelwerke zur Führung des Radverkehrs an Baustellen scheinen entweder unbekannt oder man ist nicht gewillt, den hierfür notwendigen Platz zur Verfügung zu stellen. Dabei hat sich die Stadt im Rahmen ihrer Auszeichnung als „fahrradfreundlich“ verpflichtet, diese Regelwerke einzuhalten.

Weitere gravierende Beispiele aus dem letzten halben Jahr

Trambahnbaustelle am Stachus: Obwohl dies eine sehr stark von Radlern frequentierte Route ist, gab es wochenlang schlichtweg keine Lösung für Radfahrer. Diese mussten alle auf den vielbefahrenen Altstadtring ausweichen oder einen ein Kilometer langen Umweg fahren.

Arnulfstraße gegenüber des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB): Der Radweg stadtauswärts wurde einfach weggebaggert und Radfahrer wochenlang zusammen mit Fußgängern auf einen extrem engen Restgehweg gezwängt. Zudem waren die Kurvenradien auf der Fahrbahn so eng gestaltet, dass sämtliche Busse bei der Ausfahrt aus dem ZOB diesen Fußweg mitbenutzen mussten. Auf Beschwerde des ADFC München hin wurde zwar die Beschilderung geringfügig angepasst, jedoch gibt es immer noch keine Lösung für den Radverkehr entlang dieser Baustelle.

Gabelsbergerstraße: Aufgrund einer Baustelle auf der Fahrbahn wurde der Autoverkehr wochenlang über den dortigen Radfahrstreifen geleitet und der Radverkehr sollte über den Parkstreifen geführt werden. Leider war dieser dauerhaft zugeparkt. Trotz mehrfacher Beschwerden wurde nicht dagegen vorgegangen.

Selbstverständlich kann es an Baustellen auch einmal eng werden. „Die Beeinträchtigung muss aber fair auf alle Verkehrsteilnehmer verteilt werden“, so Andreas Groh Stellvertretender Vorsitzender des ADFC München. „Solange weiterhin zwei breite Autofahrspuren zur Verfügung stehen und Radfahrer sich mit Fußgängern schmale Restflächen teilen müssen, kann aus unserer Sicht hiervon keine Rede sein.

Der ADFC fordert die Stadt München auf, endlich und vor allem von sich aus, akzeptable und verlässliche Lösungen für Radfahrer an Baustellen einzurichten. Dies entspricht auch ganz der Forderung der SPD-Fraktion vom 22. Juni 2016.

Weiterführende Informationen:

Fotostrecke zum Dachauer-Straße-Radparcours
www.adfc-muenchen.de/aktuelles/adfc/ansicht/article/radlparkour-dachauer-strasse/

Link Übersichtsbild:
www.adfc-muenchen.de/fileadmin/user_upload/kv-muenchen/bildergalerie/2016/2016.09.15_Radlparkour_DachauerStr/Uebersichtskarte2.png

Antrag der SPD-Fraktion: Radverkehrsführung an Baustellen prüfen
www.ris-muenchen.de/RII/RII/DOK/ANTRAG/4105273.pdf

© ADFC München 2018

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