Rikscha-on-Demand: Der fehlende Baustein für autofreie Innenstädte und individuelle Mobilität?

Es ist ein globaler Trend: Immer mehr Innenstädte wollen ihre Aufenthaltsqualität erhöhen, indem sie den Pkw-Verkehr zurückdrängen. Für die Flächen in Stadtzentren bedeutet das konkret, dass oberirdische Parkplätze verschwinden und Straßen für den allgemeinen Autoverkehr gesperrt. Lieferverkehr und die Zufahrt zu vorhandenen Tiefgaragen bleiben meist erhalten und ein Großteil der Menschen freut sich am gewonnenen Platz. Wo vorher Autos geparkt haben stehen nun Tische der Cafés, Leute ruhen sich auf Bänken aus, hier und da werden schattenspendende Bäume gepflanzt. Die Stadt wird leiser und die Luft sauberer. Die Erreichbarkeit von Läden, Büros, Gastronomie und allem was das urbane Leben sonst noch prägt ist weiter durch den ÖPNV oder das Fahrrad erreichbar und in ausgewiesenen Zonen für Fahrdienste wie Taxi, MOIA, CleverShuttle & Co. Bei dieser grundsätzlich begrüßenswerten Entwicklung werden nicht selten zwei Aspekte vergessen. Einerseits erhöhen die erwähnten Fahrdienste weiter den Pkw-Verkehr außerhalb der limitierten Zonen, andererseits haben mobilitätseingeschränkte Personen, vor allem hochbetagte Menschen, Personen mit Gehbehinderungen, aber auch Leute mit größeren Einkäufen oder Gepäck nicht immer die Möglichkeit einfach zur nächsten Station zu gehen. Für viele scheidet das Fahrrad als Alternative zum ÖPNV oder zu von vornherein aus. Allerdings nur Fahrräder, die man selbst fahren muss.

Die Fahrradrikscha, vielfach eingesetzt zum Beispiel in Münchens Englischen Garten, ist geschätzt bei Touristen besonders aber auch bei Senioren, die den Weg von der U-Bahn zum Chinesischen Turm kaum mehr zu Fuß schaffen. Warum sollte nicht auch die Rikscha ein weiterer Baustein für autoreduzierte Innenstädte und zur Mobilität der Menschen sein? Die Rikscha zählt nach der Straßenverkehrsordnung wie normale Fahrräder zum nicht-motorisierten Individualverkehr. Das ist ein großer Vorteil, da Rikschas weiterhin in die Bereiche fahren dürfen, wo der allgemeine Pkw-Verkehr ausgeschlossen ist. Rikschas sind leise, schneller als Fußgänger und langsam genug um jederzeit bremsen zu können. Die Anstrengungen des ADFC für breitere Radwege begünstigen ebenfalls den Einsatz umweltfreundlicher Fahrradrikschas. Es gibt eine Vielzahl von Varianten, klassisch, indisch, elektrisch und futuristisch. Die Rikscha muss nicht neu erfunden, jedoch findet der Fahrgast erst mit der passenden Plattform zum Rikscha-Fahrer. Für Mobility-on-Demand bei Autos haben Apps den Markt gehörig umgekrempelt. Gleiches könnte RikschaNow für die Personentransport per Fahrrad schaffen. RikschaNow ist eine kostenlose Plattform für Rikschafahrer und Fahrgäste, die Katalysator für umweltfreundliches Chauffieren und autofreien Zentren sein will. Nicht zuletzt schließt RikschaNow die Lücke zwischen den Menschen in urbanen Umgebungen und der nächsten ÖPNV-Haltestelle, Carsharing-Diensten, Bahnhöfen, Sehenswürdigkeiten und vielem mehr. Die Plattform RikschaNow lädt nicht nur zukünftige Rikschafahrer und Fahrgäste ein, sondern vor allem auch Softwareingenieure und Userinterface Designer zur Mitwirkung ein.

Autoren: Stephan Schönen (RikschaNow), Simon Herzog (Landesvorstand ADFC Bayern)

 

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