Sternfahrt 2020

Kommunalwahl: 10 Fragen zum Radverkehr an die Parteien

Am 15. März findet die Kommunalwahl statt. Wie stellen sich die Parteien neue Mobilitätskonzepte vor? Und was wollen sie konkret für Radler:innen tun? Wir haben den Münchner Stadtratsfraktionen 10 Fragen gestellt.

So entspannt könnte man auf der Frauenstraße radeln, wenn der Altstadt-Radlring fertig ist. Illustration: Andreas Gregor

Auf Münchens Straßen soll es in Zukunft  #MehrPlatzFürsRad geben und dafür weniger Raum für stehende und fahrende Autos. Im Juli hatte der Stadtrat entschieden, sich die Ziele der zwei Bürgerbegehren „Altstadt-Radlring“ und „Radentscheid" zu eigen zu machen. Die Grünen, die ÖDP und die Linke gehören mit zu den Initiatoren des Radentscheid. Die SPD unterstützt den Radentscheid. Im Dezember hat der Stadtrat in einer Sitzung die ersten konkreten Schritte beschlossen - vielfach gegen die Stimmen von CSU, FDP und Bayernpartei. Die CSU fährt zudem derzeit (die Beantwortung der Fragen lag zeitlich früher) eine massive Anti-Rad-Kampagne, die den weiteren Ausbau der Radinfrastruktur als unfair gegenüber Autofahrer:innen und gefährlich für Fußgänger:innen darstellt. Die Freien Wähler haben nicht geantwortet.

1. Was sind Ihre wichtigsten Maßnahmen für die Mobilitätswende?

SPD

Wir nehmen die Verkehrswende ernst. Wir wollen bis 2025 den Verkehr in München um 80 Prozent zu reduzieren – durch die Förderung abgasfreier Kraftfahrzeuge, des öffentlichen Nahverkehrs sowie des Fuß- und Radverkehrs. Niemand in unserer Stadt soll auf ein eigenes Auto angewiesen sein.

Wir wollen eine autoreduzierte, umweltfreundliche, also emissionsfreie und flächeneffiziente Mobilität, die die gleichberechtigte Teilhabe aller Münchnerinnen und Münchner ermöglicht, bezahlbar ist, den Münchner Wirtschaftsbetrieben eine Zukunft gibt und Münchens Lebensqualität sichert. Alle Orte in unserer Stadt werden barrierefrei, komfortabel und günstig mit umweltfreundlichen Mobilitätsformen erreichbar sein.

Verkehrssicherheit hat oberste Priorität. Unsere Vision, unser Ziel heißt: Null Verkehrstote in München! Verkehrswende heißt zwingend, den öffentlichen Raum zu Gunsten von Fußgänger*innen, Radfahrer*innen und öffentlichen Verkehrsmitteln neu aufzuteilen. Das verbessert auch die Aufenthaltsqualität von Straßen und Plätzen. Dafür stellen wir eine entsprechende Stadtplanung und die benötigten Investitionen sicher. Damit die hierfür notwendigen Maßnahmen schneller, effizienter und mit hoher Priorität umgesetzt werden, schaffen wir ein Mobilitätsreferat.

Neben dem Ausbau des Fuß- und Radverkehrs und neuer Mobilitätskonzepte ist für die Münchner SPD der ÖPNV das Rückgrat umweltfreundlicher Mobilität in Stadt und Region. In der Amtszeit 2020-2026 werden wir deswegen U-Bahn-Projekte wie die Nord-Süd-U-Bahn (U9), als zentrales Zukunftsprojekt, um die Leistungsfähigkeit des U-Bahn-Netzes signifikant zu steigern oder die Verlängerung der U5 bis Pasing voranbringen. Im Münchner Nordosten soll die U4 vom Arabellapark mindestens bis nach Englschalking verlängert und dort mit der S8 verknüpft werden. Wir wollen die Verbindungsspanne U 26 voranbringen. Sie würde von der Station "Am Hart" (U2) bis zum Kieferngarten (U6) führen.

Ebenso die die Durchführung einer Machbarkeitsstudie für eine U-Bahn-Ringlinie, um zukünftig die Innenstadt zu entlasten. 2026 feiert die Münchner Tram ihr 150-jähriges Jubiläum, sie ist eine Erfolgsgeschichte. Wir werden sicherstellen, dass schnellstmöglich die Trambahn-Westtangente fertig gestellt und in Betrieb genommen wird, mit dem Bau der Tram-Nordtangente (Englischer Garten) begonnen wird und die Tram 23-24 bis Kieferngarten verlängert wird. Weiterhin werden planerische Voraussetzungen für neue Trambahnlinien wie Richtung Ramersdorf/Neuperlach, Sendling und zwischen Moosach und Kieferngarten oder Johanneskirchen sowie für eine Tram-Osttangente geschaffen. Eine Machbarkeitsstudie für eine neue Umweltverbundbrücke über die Isar wird beauftragt, um eine Trambahn-Südtangente zu ermöglichen. Der Ausbau des Bussystems ist ein schnelles und wichtiges Ziel. Damit die Busse staufrei durch die Stadt fahren können, werden wir die Busbeschleunigung intensivieren und vor allem auch den Ausbau der Busspuren beschleunigen.

CSU

München braucht dringend eine Gesamtverkehrsplanung. Die Mobilitätswende gelingt nicht mit Verboten, sondern nur mit attraktiven Angeboten. Dabei ist u.a. der Auto-Pendelverkehr durch ein exzellentes Angebot schon an der Stadtgrenze auf andere Verkehrsmittel umzuleiten.

Die wichtigste Maßnahme, um die Mobilitätswende zu erreichen, sind ein schneller Ausbau des ÖPNV durch eine Verlängerung der U-Bahnen ins Umland, die Errichtung eines S-Bahn-Rings, Taktverbesserungen sowie einer P&R-Ausbau-Offensive. Der ÖPNV muss zuverlässig, komfortabel und günstig sein, um ein attraktives Angebot zum Umstieg zu bieten. Rückgrat ist hier der U-Bahnbau, den wir nach jahrelangem Stillstand mit der Verlängerung der U 5 über Pasing in den neuen Stadtteil Freiham sowie der neuen Entlastungslinie U 9 wieder auf die Schiene gebracht haben. Diesen Weg müssen wir angesichts der Herausforderung des Klimawandels und des Bevölkerungswachstums weitergehen.

Der Ausbau und die Erhaltung von Rad- und Fußgängerinfrastruktur ergänzen diese Maßnahmen. Für die CSU ist das Fahrrad ein wichtiger Baustein zur Mobilitätswende.

Daher war eine der ersten Maßnahmen der schwarz-roten Stadtregierung bereits im Dezember 2014, also unmittelbar nach Beginn der Legislatur, die Erhöhung der seit 2009 unveränderten Nahmobilitätspauschale von 4,28 Mio. € auf 10 Mio. € und mit Antrag von Februar 2019 auf 25 Mio. €. Die Liste der daraus realisierten Projekte ist lang, wie eine aktuell vom Baureferat vorgelegte Bilanz zeigt, darunter Leuchtturmprojekte wie der Bau einer Radwegebrücke am Arnulfpark für zusätzliche 26,9 Mio. €. Mit der Förderung der Elektromobilität wolle wir im Bereich der E-Mobilität eine umweltschonende Alternative bieten. Dafür haben wir 72 Mio. € bereitgestellt.

Die Grünen

Mit der Übernahme der Forderungen aus den beiden erfolgreichen Bürgerbegehren hat sich die Stadt zu einem sehr konkreten und beschleunigten Ausbauprogramm zugunsten des Radverkehrs verpflichtet. In den nächsten Jahren wird es darauf ankommen, diesen ambitionierten Maßnahmenkatalog auch tatsächlich zu verwirklichen. Der Bau des Altstadt-Radlrings und die Verwirklichung von zehn weiteren Ausbaumaßnahmen pro Quartal sind ehrgeizige Ziele. Mit dem Beschluss des Stadtrats vom 18. Dezember 2019 für die ersten zehn Baumaßnahmen – darunter die Beseitigung von Langzeit-Problemfällen wie die Lindwurmstraße, die Elisenstraße oder die Schwanthalerstraße – ist das politische Fundament geschaffen, um dem Radverkehr einen gerechten Platz bei der Verteilung der Verkehrsflächen in München zu verschaffen. Nun kommt es darauf an, diesen Kurs konsequent weiter zu verfolgen.

Von entscheidender Bedeutung für die Mobilitätswende ist natürlich auch der Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs. Angesichts des dynamischen Wachstums der Stadt ist der Bau neuer U-Bahnen unverzichtbar, denn kein anderes Verkehrsmittel ist in der Lage, so viele Menschen in so kurzer Zeit zu befördern. Allerdings sind neue U-Bahnen nicht kurzfristig zu haben, wir setzen uns daher gleichzeitig für neue Trambahnstrecken und Buslinien auf privilegierten Busspuren ein. Gerade letzteres ist eine vergleichsweise kostengünstige und schnell zu realisierende Maßnahme.

Die S-Bahn unterliegt nicht der städtischen Planungshoheit, die Stadtspitze muss aber all ihren Einfluss geltend machen, damit der 2. Tunnel nicht alle Investitionsmittel für den Schienenverkehr auffrisst. München und sein Umland brauchen dringend attraktivere tangentiale Verbindungen. Der S-Bahn-Nordring und der Südring müssen in den nächsten Jahren ernsthaft angegangen werden.

Bayernpartei

Die Bayernpartei Stadtratsfraktion setzt sich ein für einen vordringlichen Ausbau des Münchner U-Bahn-Netzes. Hier sind in den letzten Jahrzehnten die größten Versäumnisse entstanden und hier gibt es von allen Verkehrsmitteln den größten Nachholbedarf. Insgesamt muss es das Ziel sein, ein verträgliches, inklusives Miteinander aller Verkehrsteilnehmer und Mobilitätsarten zu erreichen anstatt einer einseitigen ideologischen Bevorzugung einzelner.

FDP

- Mehr Sicherheit auf dem Fahrrad, um Fahrradfahrer besser in den Verkehr zu integrieren, setzten wir uns dafür ein, dass Fahrradwege abmarkiert auf die Straße verlegt und weitere Fahrradstraßen sowie sichere Radverbindungen eher auf Nebenstrecken errichtet werden.

- Ertüchtigung des Radnetzes, Lücken im Radwegnetz schließen, mit dem Ziel eines vollverbundenen Netzes;

- der Ausbau von Fahrradabstellanlagen, insbesondere an U- und S-Bahnstationen

Erst der massive Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ermöglicht die Minderung des motorisierten Individualverkehrs (MIV). Daher wollen wir kurzfristig

- mehr Busspuren, die flexibel genutzt werden sollen (Taxi, zeitlich geöffnet für CarSharing)

- Einrichtung weiterer Expressbuslinien.

- Durchgehenden 10 Minuten-Takt auf allen Buslinien zwischen 6.00 und 22.00 Uhr, am Wochenende bis 24.00 Uhr

- Schnellbusroute entlang wichtiger Verkehrsrouten z.B. Mittlerer Ring

- Steigerung der Attraktivität im ÖPNV, durch freies WLAN in den Wartezonen

- Höhere Taktung der U- und S-Bahnen insbesondere in Stoßzeiten

Langfristig ist der Ausbau von U- und S-Bahn dringend erforderlich, um insbesondere Pendlerverkehre durch den ÖPNV abzuwickeln.

ÖDP

Umsetzung des Radentscheids, Ausbau des ÖPNV

Die Linke

München will die sozial-ökologische Verkehrswende bis 2025 gestalten. Wir stehen für eine radikale verkehrspolitische Wende in München: Der Umweltverbund aus öffentlichem Nahverkehr (ÖPNV), Fahrrad- und Fußgänger*innenverkehr muss das Auto als wichtigstes Verkehrsmittel in Stadt und Region ersetzen. Wege 
und Verkehrsmittel müssen dabei effizient, leicht erreichbar und barrierefrei gestaltet sein. Sie dürfen nicht auf Kosten des öffentlichen Raums und der Umwelt gehen. Wir wollen das bestehende Ticket- und Tarifsystem, das die Einzelnen belastet, zu Gunsten eines ticketfreien ÖPNV für ganz München ersetzen. Die Finanzierung des ÖPNV soll nach sozialen und ökologischen Kriterien, etwa über Sonderabgaben z.B. für Unternehmen gesichert werden. Bis 2025 muss der gesamte Münchner Verkehr komplett auf alle fossilen Energieträger verzichten.

Mit der Trambahn ist ein dezentraler und flächendeckender Netzausbau in München vergleichsweise günstig, umweltfreundlich und mit geringem Aufwand realisierbar. Wir fordern eine Trambahnoffensive für die ganze Stadt mit verbesserten Tramverbindungen zwischen den Stadtteilen und einer Verdichtung des bestehenden Netzes. An verkehrstechnisch sinnvollen Stellen können Seilbahnen das bestehende Netz ergänzen.

Außerdem sind wir beteiligt an der Umsetzung des Radentscheid München und des Altstadtradlrings. Dabei Austausch mit den Anwohner*innen der Maßnahmen vor Ort durch Arbeiten in BAs und Kommunikation innerhalb und durch den Radentscheid; parteiübergreifende Zusammenarbeit im Stadtrat zur Erreichung der Ziele dieser beiden Bürgerbegehren.


2. Wie viel Geld soll jährlich für den Radverkehr bereitgestellt werden?

SPD

Wir haben die Nahmobilitätspauschale von 4,28 Millionen Euro im Jahr 2014 zwischenzeitlich auf 25 Millionen Euro jährlich erhöht. Aus der Nahmobilitätspauschale werden zum Beispiel das Netz für den Radverkehr erweitert und saniert, Wege ausgebaut, die Situation für Radlerinnen und Radler an Kreuzungen verbessert, neue Abstellanlagen geschaffen oder Schrottradl entfernt. Genauso wird in die Fußwege investiert, vom Belag bis zur Beleuchtung.

Die einzelnen Projekte müssen meist nicht extra vom Stadtrat genehmigt werden. Deshalb hat die Verwaltung mit der Pauschale ein Budget, mit dem sich schnell und unbürokratisch Verbesserungen umsetzen lassen. Größere Projekte werden und sollen aber nicht aus dieser Pauschale, sondern größtenteils gesondert finanziert werden. Die Finanzierung für den Umbau durch die zwei Radentscheide werden wir sicherstellen. Auch weitere Förderungen für den Radverkehr, z. B. Radschnellwege und zusätzliche Brücken, werden umgesetzt. Das bedeutet, dass wir ein Vielfaches für den Radverkehr über die Nahmobilitätspauschale hinaus an Geld bereitstellen werden.

CSU

Der Radverkehr nimmt für die CSU einen hohen Stellenwert ein. Dies hat die CSU durch eine Vielzahl von Anträgen zum Radverkehr bewiesen. Ausgegangen von den 25 Millionen der Nahmobilitätspauschale müssen selbstverständlich noch deutlich mehr Mittel in die Errichtung und Verbesserung der Münchner Radinfrastruktur fließen. Zahlreiche weitere Maßnahmen zum Ausbau des Radverkehrs sind konkret in Planung. Sie werden dem Stadtrat demnächst im Zusammenhang mit den Radlbegehren vorgelegt werden. Eine genaue Summe wird jedes Jahr im Rahmen der konkret anstehenden Projekte festzulegen sein. Insofern bestimmen die für einen attraktiven Radverkehr nötigen Maßnahmen den Finanzrahmen, der zur Verfügung gestellt werden muss, und nicht umgekehrt. Dabei ist darauf zu achten, dass der Verkehr in München wieder fließt und verschiedene Verkehrsmittel miteinander funktionieren.

Die Grünen

Das oben beschriebene Ausbauprogramm zur Förderung des Radverkehrs wird viele Millionen Euro beanspruchen – und Die Grünen halten diese Investitionen für wichtig und sinnvoll. Wann welche Maßnahme aus diesem Programm realisiert wird, ist jedoch eine Frage, die sich wegen noch anstehender Planungsprozesse jetzt noch nicht seriös beantworten lässt. Der finanzielle Aufwand pro Jahr lässt sich daher nur grob abschätzen und könnte zudem stark schwanken. Klar ist aber: Die Forderungen der beiden Bürgerbegehren zum Radverkehr müssen realisiert werden. Das muss Priorität haben im städtischen Haushalt.

 

Bayernpartei

Wir wollen sinnvolle Maßnahmen beschließen und umsetzen, nicht wahllos eine bestimmte Summe ausgeben. Angesichts der Tatsache, dass der Anteil des Radverkehrs an den gefahrenen Kilometern in der Stadt bei unter 5% liegt, erachten wir die 1,4 Milliarden (!) Euro, die sich aus dem nicht durchgeführten Radl-Entscheid ergeben, allerdings für deutlich zu hoch.

FDP

Die Nahverkehrspauschale wird 2020 auf 25 Millionen Euro erhöht und muss auch in Zukunft bedarfsgerecht weiter steigen

ÖDP

Um die Stadt radgerecht umzubauen, sind ausreichende Mittel bereitzustellen. Ich persönlich (Anm. d. Red.: ÖDP-Stadträtin Sonja Haider) glaube, dass wir sicherlich keine 1,5 Milliarden Euro dafür benötigen bis 2025 – wie die Stadt prognostiziert, sicherlich aber eine dreistellige Millionensumme.

Die Linke

Doppelt so viel wie jetzt (bisher geplant 25 Millionen): 50 Millionen.


3. Was für einen Modal Split streben Sie bis zum Ende der Amtszeit 2026 an?

SPD

Unser Ziel ist, dass bis 2025 80 % des Verkehrs in der Stadt durch umweltfreundliche Mobilitätsformen abgewickelt wird. Dieses Ziel ist für uns nicht an ein Verkehrsmittel gebunden. Jedoch sehen wir in München ein Potential von 25 % Radverkehrsanteil bis 2026 als realistisch an.

CSU

Der Modal Split ist unseres Erachtens nicht die richtige Kennzahl, um Anteile verschiedener Verkehrsmittel am Gesamtverkehr zu bemessen. Tatsächlich sollten die gefahrenen Personenkilometer die entscheidende Kenngröße sein. Aktuell liegt der Radverkehrsanteil bei ca. 5% der gefahrenen Personenkilometer. Das ist definitiv zu wenig. Diese Zahl sollte deshalb erhöht werden. Daher stehen wir für einen weiteren Ausbau der Radwegeverbindungen. Aktuell legen Radfahrer eher kürzere Strecken zurück. Um auch längere Strecken attraktiv zu machen, braucht es weitere Angebote.

Die Grünen

Der Stadtrat hat bereits 2017 die Forderungen eines weiteren Bürgerbegehrens übernommen, des Bündnisses für saubere Luft „Sauba sog i“. Darin verpflichtet sich die Stadt schnellstmöglich Maßnahmen zu ergreifen, damit mindestens 80 % des Verkehrs durch abgasfreie Kraftfahrzeuge, den öffentlichen Personennahverkehr sowie Fuß- und Radverkehr zurückgelegt werden. Das würde bedeuten, den Anteil der mit Verbrennungsmotor betriebenen Fahrzeuge von gegenwärtig etwa 34 % auf 20 % zu senken. Wenn das gelingt, hat die Stadt einen großen Schritt nach vorne gemacht.
 

Bayernpartei

Wir wollen uns nicht an Prozentzahlen festhalten, die ohnehin nur Näherungen sein können, sondern einen möglichst reibungslosen, komfortablen und sicheren Verkehrsfluss für alle Verkehrsteilnehmer erreichen.

FDP

Wichtig ist aus unserer Sicht die Betrachtung der Personenkilometer. Hierbei wird der Anteil des Fuß- und Radverkehrs zwar steigen müssen, aber nicht die Lösung für die deutliche Reduzierung des MIV darstellen. Hierfür ist der massive Ausbau des ÖPNV und ebenso CarSharing und CarPooling wichtig und nötig.

ÖDP

25 % Radverkehr

 

Die Linke

Kurzfristig wollen wir eine Erhöhung des Anteils von ÖPNV, Rad- und Fußverkehr von 66 % (2017) auf 80 % des Gesamtverkehrs. Um diese Ziele zu erreichen, wollen wir die Attraktivität des ÖPNV erhöhen, das Nahverkehrsnetz energieeffizient und kostengünstig ausbauen und das bestehende Straßennetz schrittweise zugunsten von Rad, Fußgänger*innenverkehr und öffentlich nutzbarem Raum umwandeln.
Bis zum Jahr 2025 wollen wir ein autofreies München innerhalb des Mittleren Rings durch: sofort eine privatautofreie Alt- und Innenstadt, bestehende Fußgänger*innenzonen erweitern, neue einrichten und teilweise ganztägig für den Radverkehr freigeben, Umwandlung der Sonnenstraße zum Fußgänger*innenboulevard mit Altstadtring für Fahrradfahrer*innen.

Der anhaltende Verbrauch fossiler Energien wie Diesel und Benzin trägt darüber hinaus global zur Ressourcenverknappung bei und heizt globale Ressourcenkonflikte an. Wir wollen die größtmögliche Reduktion umwelt- und gesundheitsschädigender Emissionen durch den Straßenverkehr: Die bestehenden Grenzwerte für Treibsto emissionen müssen eingehalten werden. Bis 2025 soll der gesamte Münchner Verkehr komplett auf fossile Energieträger verzichten.
Modal Split bis 2026: zu Fuß 30%, Fahrrad 30%, ÖPNV 30%, MIV 10%  

 

 


4. Wofür werden Sie sich als Erstes einsetzen, um den Radverkehr zu verbessern?

SPD

Priorität hat für uns die Umsetzung der Ziele und Forderungen der beiden Bürgerbegehren zum Radentscheid München. Hier wurde bereits durch den Oberbürgermeister Dieter Reiter und der SPD München ein zielführendes Vorgehen erarbeitet. So sollen pro Quartal 10 Maßnahmen zur Verbesserung des Radverkehrs ergriffen werden. Höchste Priorität kommt hierbei der Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden zu. Wir stehen hinter den Zielen der Vision Zero, also keine Toten und möglichst keine schwer Verletzten mehr im Straßenverkehr. Dieses Ziel unterstützt eine fehlerverzeihende Radinfrastruktur. Des Weiteren ist uns wichtig, dass der Ausbau dem Netzgedanken folgt. Zum einen, um die Sicherheit weiter zu erhöhen. Zum anderen, damit die Menschen in einem gut ausgeschilderten und zusammenhängenden Netz intuitiv fahren können und in München gut von A nach B kommen können. Dabei gilt es, den vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten des Fahrrads auch als Lastenrad, Taxi oder Kindertransportmittel und als schnelleres E-Bike gerecht zu werden.

CSU

Der Radverkehr profitiert insbesondere von Maßnahmen, die schnell ihre Wirkung entfalten können. Hier bietet sich das Modell der Fahrradstraßen mit farblichen Markierungen (wie z.B. in der Clemensstraße) an. Gerade Gefahren- und Unfallschwerpunkte (wie etwa Teile der Lindwurmstraße, Elisenstraße oder Arnulfstraße) müssen aber dringend durch eine bessere Streckenführung behoben werden. Unser Ziel ist es, durch ein stadtweit durchgehendes Netz von Fahrradrouten den Fahrradverkehr sicherer und attraktiver zu machen. Dabei kann eine Verkehrsführung durch Neben- statt durch Hauptstraßen für Radfahrer durchaus eine höhere Attraktivität haben.

Die Grünen

Mit dem Beschluss des Stadtrats vom 18. Dezember 2019 für die ersten zehn Baumaßnahmen – darunter die Beseitigung von Langzeit-Problemfällen wie die Lindwurmstraße, die Elisenstraße oder die Schwanthalerstraße – ist das politische Fundament geschaffen, um dem Radverkehr einen gerechten Platz bei der Verteilung der Verkehrsflächen in München zu verschaffen. Nun kommt es darauf an, diesen Kurs konsequent weiter zu verfolgen. Wichtig ist auch die Errichtung von zusätzlichen Fahrrad-Abstellanlagen an U- und S-Bahn-Stationen, denn hier gibt es in München erhebliche Defizite.

Bayernpartei

Wir wollen den Radverkehr auf Nebenstrecken fördern und ausbauen, anstatt durch aktionistische Maßnahmen auf Auto-Hauptverkehrsachsen (Fraunhoferstraße!) letztlich allen – Verkehrsteilnehmern, Anwohnern und Gewerbetreibenden – zu schaden. Beispielsweise sollte der Radverkehr auf der Balanstraße gefördert und ausgebaut werden, und gleichzeitig die Rosenheimerstraße für den Autoverkehr. So kann jede Mobilitätsart „ihren“ Vorrangbereich genießen – und im Sinne des funktionierenden Miteinanders kann jedem Verkehrsteilnehmer mal ein Umweg von wenigen hundert Metern zugemutet werden.

FDP

Verbesserungen in der Luisenstraße, der Brienner Straße und der Schwanthalerstraße.

 

ÖDP

Schnelle Umsetzung des Radentscheids.

 

Die Linke

Fahrrad- und Fußgänger*innenverkehr sind nicht nur die umweltfreundlichsten, sondern oft auch schnellsten und praktischsten Fortbewegungsmittel durch die Großstadt. Wir wollen den Autoverkehr in der Stadt zugunsten von Fußgänger*innen und Fahrrad zurückdrängen, auch durch die Erhöhung der Parkgebühren. Den sofortigen Ausbau der Fahrradinfrastruktur mit leichterer Kombinierbarkeit von ÖPNV und Fahrrad; wir wollen die Ziele des Radentscheid München schnell und konsequent umsetzen. sofort eine privatautofreie Alt- und Innenstadt: bestehende Fußgänger*innenzonen erweitern, neue einrichten und teilweise ganztägig für den Radverkehr freigeben, Umwandlung der Sonnenstraße zum Fußgänger*innenboulevard mit Altstadtradlring für Fahrradfahrer*innen.

 


5. Wie viele Kilometer Radweg, die den Forderungen des Radentscheids entsprechen, sollen jährlich gebaut werden?

SPD

Wir wollen den Anteil des Radverkehrs weiter steigern und dafür den bereits begonnenen Weg weiterverfolgen. Wir sehen den Radverkehr als wichtige Ergänzung zum ÖPNV und dem Fußverkehr und betrachten Radwege als eigenständige Verkehrsadern. Diese und die dazugehörige Infrastruktur wollen wir zügig komfortabel ausbauen, damit sie den steigenden Radverkehrszahlen gerecht werden. Aus diesem Grund ist die Nennung einer genauen Kilometerangabe nicht zielführend.

CSU

Um den Radwegebau effektiv voranzubringen, ist es wichtig, die zielführendsten und attraktivsten Maßnahmen zu verwirklichen. Daher steht für uns die Orientierung an der Wirksamkeit der Maßnahme in Vordergrund und nicht eine reine Orientierung an einer bestimmten Anzahl an Kilometern.
Zunächst gilt es deshalb, das Hauptaugenmerk auf die Stellen zu richten, die besondere Gefahren für Radfahrer bergen und hoch frequentiert sind. Dabei gilt es im Blick zu behalten, dass das örtlich ansässige Gewerbe nicht unangemessen belastet wird, der ÖPNV- und MIV-Verkehr weiterhin sinnvoll fahren kann, der Parksuchverkehr nicht weiter erhöht werden darf und Baustellen gut aufeinander abgestimmt sein müssen. Deshalb ist dringend ein Gesamtverkehrskonzept notwendig, das alle Verkehrsarten miteinander verbindet, den Pendelverkehr berücksichtigt, neue Technologien anwendet und neue Flächen durch aufgeständerte Bauweisen oder unterirdische Bauwerke generiert. Ein Stückwerk, wie es derzeit der Fall ist, bringt den gesamtstädtischen Verkehr zum Erliegen, ist für die Lärm- und Luftreinhaltung kontraproduktiv und leitet den Verkehr in die Wohngebiete um.

Die Grünen

Die vom Radentscheid geforderten Radwege belaufen sich zusammengenommen auf eine Strecke von ca. 450 km. Die Grünen werden dafür kämpfen, dass dieses ehrgeizige Programm auch tatsächlich verwirklicht wird. Realistisch sind ca. 30 km pro Jahr, wenn der Komplettumbau eher die Ausnahme bleibt und überwiegend geschützte Radstreifen angelegt werden.

Bayernpartei

Siehe Frage 3 = Wir wollen uns nicht an Prozentzahlen festhalten,die ohnehin nur Näherungen sein können, sondern einen möglichst reibungslosen, komfortablen und sicheren Verkehrsfluss für alle Verkehrsteilnehmer erreichen.

FDP

Wichtiger als die reine Kilometerzahl ist es, hochfrequentierte Bereiche des Radverkehrs zu verbessern, daher ist es schwierig eine Kilometerzahl zu nennen.

ÖDP

Mir (Anm. d. Red.: ÖDP-Stadträtin Sonja Haider) geht es um ein durchgehendes Radwegenetz, da sind mir Lückenschlüsse wichtig. In zweiter Linie kommt dann der Ausbau von breiten, geschützten Radwegen. Km Zahlen sind mir nicht so wichtig.

Die Linke

Mit einer Gesamtlänge von 1.200 Kilometern bietet das Münchner Radlnetz eine mäßige Infrastruktur zum Radfahren.
Die 9,1 Kilometer lange Strecke für den Radschnellweg Nord ist schon beschlossen, hinzu kommen alle Maßnahmen und damit Kilometer an Radwegen, die wir mit dem Radentscheid München fordern und umsetzen müssen, um ein sicheres und stressfreies Radeln in München zu ermöglichen.


6. Wo könnten Sie sich „geschützte Radwege“, also vom Kfz-Verkehr getrennte Radwege, bei denen bauliche Trennelemente das Befahren, Halten und Parken von Kfz verhindern, konkret vorstellen?

SPD

Nachdem Radfahrstreifen – auch wenn sie durchgängig rot markiert sind – häufig zugeparkt werden und dies zu gefährlichen Situationen von Radfahrenden führt, müssen wir Wege finden, dies zu verhindern. Allein durch mehr Kontrollen wird dies nicht gelingen. Geschützte Radfahrstreifen sollten aber nicht alleine durch flexible Leitpfosten, sondern vielmehr durch den Einsatz von Blumenkübeln umgesetzt werden. Armadillos, also flache Elemente, halten wir für die Trennung für nicht geeignet. Wenn der geschützte Radverkehr rechts neben den parkenden Autos angelegt wird, dann muss darauf geachtet werden, dass der Radverkehr im Kreuzungsbereich wieder ins Sichtfeld gerückt wird.

Grundsätzlich können wir uns „geschützte Radwege“, also vom Kfz-Verkehr getrennte Radwege, bei denen bauliche Trennelemente das Befahren, Halten und Parken von Kfz verhindern, beispielsweise an folgenden Orten vorstellen - Kriterien waren Sicherheit der Radelnden, die Machbarkeit vor Ort, und die Effizienz im Radwegenetz: 1. Sonnenstraße, 2. Ludwigstraße  (ab Odeonsplatz bis Von-der-Tann-Straße), 3. Widenmayerstraße (Praterwehrbrücke bis Prinzregentenstr.), 4. Schwanthalerstraße (ab Sonnenstr. bis Paul-Heyse-Str.), 5. Winzererstraße (südwärts Richtung Lothstr.), 6. Maximilianstraße (Max-Joseph-Platz bis Isar), 7. Plinganserstraße, 8. Gotthardstraße (Strobl - Ruschhaimerstraße), 9. St.-Magnus-Straße, 10. Balanstraße (ab St.-Martin bis Werinherstraße - Thomasiusplatz), 11. Maximiliansplatz-Richtung-Stachus.

 

CSU

An vielen Stellen im Stadtgebiet gibt es bereits vom Straßenverkehr getrennte Radwegeführungen (Parkanlagen, gemeinsame Linienführung zwischen Fahrspur und Fußweg). Um Komfort und Sicherheit für den Radverkehr zu erhöhen, muss dies insbesondere an besonders gefährlichen Stellen mit großem Radverkehrsanteil ergänzt werden. Dabei können durchaus auch innovative bauliche Lösungen (Brücken über die Stammstrecke oder über große Verkehrsschneisen, bike high lines) Sinn machen. Etwa über die Schwere-Reiter-Straße fordert die CSU bereits seit langem eine bessere Radführung, ebenso wie durch die Blutenburgstraße. Durch eine Einhausung der in die Stadt hineinführenden Autobahnen und eine Untertunnelung des Mittleren Rings könnten zudem weitere attraktive Strecken für den Radverkehr gewonnen werden.

Die Grünen

Die bauliche Trennung von Rad- und Kfz-Verkehr ist vor allem auf Strecken mit wenigen Querstraßen und geringem Lieferbedürfnis möglich. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Dies reicht von Pollern, Leitbaken und ausreichend hohen Schwellen bis zu eigenen erhöhten Streckenführungen und -querungen. Letzteres ist allerdings ziemlich aufwendig und in verdichteten Gebieten nur ausnahmsweise eine Lösung. Eine einfache farbliche Abmarkierung ist jedenfalls keine ausreichende bauliche Trennung.

 

Bayernpartei

Wir wollen keine Barrieren und Hindernisse für andere Verkehrsteilnehmer aufbauen, sondern durch die Ausweisung von Radlrouten auf Nebenstrecken für schnelle, komfortable und sichere Wege für alle sorgen.

FDP

Beim zu errichtenden Altstadtfahrradring und in der Ludwigsstraße muss besonders auf geschützte Radwege geachtet werden.

 

ÖDP

Im Ernst? Da gibt es viele Straßen. Alle aufgepinselten Radschutzstreifen. Exemplarisch möchte ich (Anm. d. Red.: ÖDP-Stadträtin Sonja Haider) die Blumenstraße auf Höhe des Planungsreferats herausgreifen. Da überfahren Autos den Radweg, besonders wenn sie dann rechts abbiegen wollen in die Papa-Schmid-Straße.

Die Linke

Lindwurmstraße auf kompletter Länge vom Sendlinger Tor über Goetheplatz bis zur Plinganserstraße (Harras).


7. Viele Maßnahmen werden Jahre brauchen, bis sie umgesetzt sind. Wie wollen Sie kurzfristig Verbesserungen für den Radverkehr erreichen?

SPD

Das Vorgehen des Radentscheid München, welches mit uns und der Stadtverwaltung besprochen wurde, setzt genau hier an. 10 Maßnahmen pro Quartal sind herausfordernd, aber zielführend. Ebenso stehen wir hinter der Idee, erfolgreiche Maßnahmen aus anderen Städten in Pilotversuchen einzuführen, um hier die Prozesse zu beschleunigen. Reversible Maßnahmen, wie Flexipoller, können diese Pilotphasen begleiten.

CSU

siehe Antwort zu Frage 4. (Der Radverkehr profitiert insbesondere von Maßnahmen, die schnell ihre Wirkung entfalten können. Hier bietet sich das Modell der Fahrradstraßen mit farblichen Markierungen (wie z.B. in der Clemensstraße) an. Gerade Gefahren- und Unfallschwerpunkte (wie etwa Teile der Lindwurmstraße, Elisenstraße oder Arnulfstraße) müssen aber dringend durch eine bessere Streckenführung behoben werden. Unser Ziel ist es, durch ein stadtweit durchgehendes Netz von Fahrradrouten den Fahrradverkehr sicherer und attraktiver zu machen. Dabei kann eine Verkehrsführung durch Neben- statt durch Hauptstraßen für Radfahrer durchaus eine höhere Attraktivität haben.)

Ein durchgängiges Netz an attraktiven Fahrradrouten ist das beste Mittel, um schnell den Radverkehrsanteil zu erhöhen. Hier braucht es den Lückenschluss an bestehenden Radlspuren, mehr und mehr überdachte Radabstellplätze (u.a. eine Fahrradparkgarage am Hauptbahnhof), endlich zielführende Radmitnahmemöglichkeiten in Bus & Bahn & Tram, neue Park&Bike-Anlagen sowie eine höhere Anzahl an Pumpstationen, die auf eine Initiative der CSU zurückgehen.

Die Grünen

Kurzfristig realisierbar sind Radstreifen, die Anpassung von Kreuzungen an erhöhte Sicherheitsanforderungen und die Umwandlung von Kfz-Stellplätzen in Fahrradstellplätze.
 

Bayernpartei

Wir wollen durch eine Änderung der Straßenverkehrsordnung erreichen, dass auf sog. Fahrradstraßen nicht mehr Rechts vor Links gilt, was Fahrradfahrer an jeder Kreuzung zum Abbremsen zwingt und den Sinn von Fahrradstraßen konterkariert. Wenn schon Fahrradstraße, dann richtig und mit Vorfahrt.

FDP

- Ertüchtigung des Radnetzes, Lücken im Radwegnetz schließen, mit dem Ziel eines vollverbundenen Netzes.
- Mehr Abstellplätze an wichtigen Punkten errichten
- Einführung von verpflichtenden Abbiegeassistenten für LKWs und Anbringung von Spiegeln an besonders gefährlichen Kreuzungen

ÖDP

Streichung von Park- und Fahrspuren, Abpollerung, Lückenschlüsse

 

Die Linke

Den sofortigen Ausbau der Fahrradinfrastruktur mit leichterer Kombinierbarkeit von ÖPNV und Fahrrad; wir wollen die Ziele des Radentscheid München schnell und konsequent umsetzen. Erhalt und weiterer Ausbau von Fahrradstraßen; weiterer Öffnungen von Einbahnstraßen; Prüfung der Notwendigkeit von Ampeln, insbesondere zur Nachtzeit und an Wochenenden, muss intensiviert werden; Fahrradaufstellstreifen; keine Hindernisse auf Radverkehrsanlagen – keine Nachsicht für Falsch- parker auf Rad- und Fußwegen; außerdem Ausbau des städtischen Leihfahrradnetzes.

Vor allem in der Innenstadt sind so rasch wie möglich vermehrt leicht zugängliche, einfache Abstellanlagen bzw. Stellplätze für Fahrräder zu scha en. Flankierend muss ein konsequent umzusetzendes Konzept eine rechtssichere Entsorgung von stehen gelassenen, nicht mehr fahrtauglichen Rädern ermöglichen.

Erheblich mehr Personal für die Umsetzung des Radverkehrsprogramms/Radentscheid/Altstadtradlring in München.

 


8. Durch die Umsetzung des Radentscheids werden auch Parkplätze am Straßenrand wegfallen. Wie wollen Sie damit umgehen?

SPD

Der Verkehrssektor macht derzeit noch rund 38 Prozent an den gesamten Münchner CO2-Emissionen aus. Der Radverkehr stellt eine schnell umsetzbare Maßnahme zur Verlagerung des motorisierten Individualverkehrs da. Wenn ein Ausbau des Radverkehrs nur durch eine Reduktion der Kfz-Stellplätze zu erreichen ist, werden wir diese Maßnahme prüfen.

Unser Ziel ist, den motorisierten Individualverkehr in der Stadt zu reduzieren. Klar ist auch, dass diese Maßnahmen mit einer Steigerung der Angebote wie dem Ausbau des ÖPNV und Mobilitätsstationen einhergehen muss. Dass wir für die Förderung des Radverkehrs bereit sind, Parkplätze wegfallen zu lassen, haben wir bereits mit unseren Beschlüssen z.B. Fraunhoferstraße und Radschnellweg München Nord, gezeigt.

CSU

Der Entfall von Parkplätzen kann zu Parksuchverkehr mit entsprechenden Lärm- und Umweltbelastungen in den betroffenen Vierteln führen und daher kontraproduktiv sein. Unter „kreisendem Verkehr“ leiden nicht nur die Autofahrer, sondern auch die Umwelt, die Anwohner und die anderen Verkehrsteilnehmer. Wo noch ausreichend Parkraum zur Verfügung steht, kann auf Parkplätze verzichtet werden. Da der Parkdruck in München teils aber enorm ist und genau dadurch viel unnötiger Verkehr generiert wird, kann auch der zeitgleiche Ersatz von Stellplätzen z.B. in Tiefgaragen oder durch Öffnung von Parkhäusern von Unternehmen notwendig sein.

Daher ist in diesem Punkt besondere Sensibilität und die Abwägung aller berechtigten Interessen gefragt. Es gibt daher nicht DIE eine für alle örtlichen Situationen gültige Antwort. Vielmehr muss im Einzelfall abgewogen werden.

Die Grünen

Ziel Grüner Verkehrspolitik ist eine Neuverteilung des Straßenraums zu Gunsten des Radverkehrs, des Fußverkehrs und des ÖPNV. Der jahrzehntelang dominierende Kfz-Verkehr wird einen Teil von dem für ihn reservierten Raum abgeben müssen, damit attraktive und sichere Rad- und Fußverbindungen geschaffen werden können.
Für den Einzelhandel, der auf Stellplätze angewiesen ist, müssen Lösungen gefunden werden – etwa durch großzügig ausgewiesene Lieferzonen in unmittelbarer Nähe. Bestehende Lieferzonen müssen besser kenntlich gemacht und vor nicht berechtigten Kraftfahrzeugen geschützt werden. Denkbar wäre auch, auf deutlich erweiterten Bürgersteigen temporäre kurzfristige Parkmöglichkeiten zu schaffen.

Spezielle (Kunden-)Gruppen brauchen besondere Angebote: Zufahrtsberechtigungen und Parkplätze für Mobilitätseingeschränkte, Rikschas oder ein kostenloses E-Mobil für Personen, die nicht so gut zu Fuß sind. Schließlich sind Sonderlösungen für die Zugänglichkeit von Hotels zu konzipieren.

Bayernpartei

Der propagierte Radentscheid hat nie stattgefunden! Wir wollen dies nachholen und wirklich die Bürgerinnen und Bürger Münchens entscheiden lassen, um zu einem wirklich demokratischen Mehrheitsentscheid zu kommen.

FDP

- Ausbau und Verbesserung des Parkleitsystems in München, um unnötigen Verkehr durch Parkplatzsuche zu vermeiden. Insbesondere Parkplätze, - garagen und -häuser sollen mit Sensoren ausgestattet werden. Im Altstadtbereich müssen die Parkgaragen erhalten bleiben, nur dann ist der Verzicht von Parkplätzen an den Straßen möglich. In den dichtbesiedelten Stadtteilen um die Altstadt brauchen wir Anwohnergaragen, um den gewonnen Freiraum für Fuß- und Radverkehr zu nutzen. Die nachfrageorientierte Bepreisung von Parkraum ist nötig.

ÖDP

Nur so ist es möglich Fläche zu gewinnen. Die Stadt hat Blechverstopfung - das muss sich ändern für den Radverkehr und hin zu einer lebenswerten Stadt.

Die Linke

Austausch mit den Anwohner:innen der Maßnahmen vor Ort durch Arbeiten in Bezirksausschüssen und Kommunikation im und durch den Radentscheid; mehr Ladezonen, mehr Kontrollen durch Polizei und Ordnungsamt, Aufklärungsarbeit.


9. Welche Leuchtturmprojekte können Sie sich für den Radverkehr in München vorstellen?

SPD

Die Umsetzung von Radschnellwegverbindungen sehen wir als Leuchtturmprojekte. Wir wollen, dass die Grünen Pfeile für den Radverkehr flächendeckend und zügig in München umgesetzt werden. Ein Fahrradparkhaus wie in Utrecht am Hauptbahnhof wäre für uns ein Leuchtturmprojekt, auch wenn wir wissen, dass dies schwierig mit der DB umzusetzen sein wird. Ein weiteres Leuchtturmprojekt ist ein perfekt ausgebauter Radweg links der Isar und ein Brückenschlag über die Isar für Radfahrende. Hier könnten wir uns Brücken in der Höhe der Mufftathalle, neben der Tierparkbrücke und unter- oder oberhalb der Braunauer Eisenbahnbrücke vorstellen.

CSU

München braucht einen „Radl-Stern“, der München auch in Sachen Radverkehr wieder zum Leuchten bringt! Mit schnellen und sicheren Linienführungen aus allen Himmelsrichtungen in die Stadtmitte sollen so nicht nur Rad-Pendler, sondern auch der innerstädtische Radverkehr gefördert werden. Diese Routen müssen nicht nur möglichst kreuzungsfrei sein, sie dürfen insbesondere möglichst wenig Stolperschwellen aufweisen. Dabei sind auch „State of the art“-Technologien wie eine Geschwindigkeitsangabe für Radfahrer einzubeziehen, die dem Radler anbietet, so schnell in die Pedale zu treten, dass er die nächste grüne Ampel zuverlässig erreicht.

Die Grünen

Der Radl-Altstadtring muss ein solches Leuchtturmprojekt werden. Im Grundsatz ist er bereits beschlossene Sache. Wenn es gelingt, ihn entsprechend der Vorgaben des Bürgerbegehrens auszugestalten – inklusive Boulevard Sonnenstraße und einer Einbahnstraßenreglung im Bereich Frauenstraße/Viktualienmarkt – könnte der Radl-Altstadtring tatsächlich über München hinaus Maßstäbe setzen.

Ein anderer „Leuchtturm“ für den Radverkehr könnte eine Verbindung entlang der Bahngleise zwischen Theresienhöhe und Braunauer Eisenbahnbrücke sein. Das wäre eine hervorragende Möglichkeit, die dicht bewohnte Schwanthalerhöhe und den weitläufigen Bereich des Westparks (und die anknüpfenden Radverbindungen bis an die westliche Stadtgrenze) mit der Isar und den sie begleitenden attraktiven Wegebeziehungen bis zur südlichen und zur nördlichen Stadtgrenze zu verknüpfen und dabei auch den noch zu bauenden Regionalzughalt Poccistraße anzubinden.

Bayernpartei

Ein wirklich entscheidender Schritt zur Verbesserung der Sicherheit von Fahrradfahrern und allen anderen Verkehrsteilnehmern wäre die Einführung von Versicherungsplaketten, ähnlich wie bei E-Scootern.

FDP

Fahrradschnellwege sind wichtig, müssen aber nicht auf den Hauptstraßen errichtet werden, sondern auf Routen, die weniger emissionsbelastet sind.

ÖDP

Brücken á la Kopenhagen, Radlparkgarage á la Utrecht oder Rotterdam.

Die Linke

Ein attraktiver Spazierweg und eine zügig befahrbare Radroute direkt auf der Nordostseite der Bahngleise. Von der Theresienhöhe bis über die Isar ließe sich, mit verhältnismäßig geringem Aufwand eine Verbindung schaffen – ein Weg von etwa eineinhalb Kilometern Länge. Eine solche Verbindung bietet die einzigartige Gelegenheit, den weitläufigen Bereich des Westparks und die Schwanthalerhöhe mit der Isar und der Au und Untergiesing/Giesing zu verbinden, ohne mit dem Autoverkehr in Berührung zu kommen.
Die Route würde entlang der Bahn teils als Hochweg, teils ebenerdig verlaufen. Die Radler müssten von Norden kommend über die Lindwurmbrücke, über die Gleise über die Tumblinger und die Thalkirchner Straße - dort ist überall ausreichend Platz für einen Radweg. Neue Brücken benötigt der Weg über die Dreimühlenstraße, die Isartalstraße und über den Stadtbach. Die Braunauer Eisenbahnbrücke ist schon vorhanden und schafft eine wichtige Entlastung zur Wittelsbacher Brücke und eine sichere, attraktive und neue Route für Fußgänger und Radfahrer in ganz München.

 


10. Jeden Tag pendeln Zehntausende Menschen nach München und in den Landkreis. Überwiegend mit dem Auto. Wie soll Ihrer Meinung nach diese Zahl reduziert werden? Was schlagen Sie hier als Sofortmaßnahme vor?

SPD

Die Attraktivität der Region München und der Zuwachs an Beschäftigten, Einwohner*innen und Besucher*innen führen natürlich zu höherem Verkehrsaufkommen. München ist nicht nur ein touristischer Hotspot, sondern inzwischen auch Pendlerhauptstadt Deutschlands: Fast 400.000 Menschen kommen werktäglich von außerhalb nach München, umgekehrt pendeln über 180.000 in die Region. Für die Münchner SPD ist der ÖPNV das Rückgrat umweltfreundlicher Mobilität in Stadt und Region. Durch den weiteren Ausbau der U-Bahn wie die Verlängerung der U5 bis Pasing oder die Verlängerung mit Ringschluss der U4 zur Messestadt Riem erreichen wir auch in den Außenbereichen eine gute Anbindung. Trambahnprojekte wie die Tram-West- und Osttangente erweitern dies und sorgen für attraktive Tangentialverbindungen.

Für den Pendelverkehr ist eine gut getaktete und ausgebaute S-Bahn München mit entscheidend. Für diese sind der Freistaat Bayern und die Deutsche Bahn zuständig. Wir unterstützen diese planerisch dabei, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und einen Zukunftsplan für die S-Bahn zu entwerfen. Die Attraktivität der S-Bahn hängt entscheidend von der Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit ab. Deshalb fordern wir auch für die S-Bahn mindestens einen 10-Minuten-Takt auf den Außenästen.

Bei Sofortmaßnahmen wird der Ausbau des Bussystems eine zentrale Rolle einnehmen, weil damit wegen der kürzeren Vorlaufzeiten bei Planung und Umsetzung der ÖPNV zeitnah ausgebaut und das Umsteigen vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel gefördert wird. Von hoher Bedeutung ist dabei für die Münchner SPD die Schaffung von neuen Expressbuslinien auch als Verknüpfung in die Region. Wir werden uns zudem dafür einsetzen, dass die Planungen für einen S-Bahn-Ring rund um München und den Ausbau des S-Bahn-Nord- und Südrings in der Stadt schnellstmöglich abgeschlossen werden. Ein weiterer Baustein werden Radschnellwege sein, die mit dem Umland geplant werden müssen.

Darüber hinaus wollen wir Mobilitätsstationen nicht nur im Zentrum sondern auch am Stadtrand. An diesen werden verschiedene Angebote wie Carsharing, Leihräder oder ÖPNV, vernetzt. Ziel ist es durch ein flächendeckendes Angebot möglichst vielen Pendlerinnen und Pendler Alternativen zum privaten Auto anzubieten. Spätestens an der Stadtgrenze wollen wir die Pendler*innen davon überzeugen, auf das Auto zu verzichten. Wir streben eine vernetzte und gute Zusammenarbeit mit den Münchner Umlandgemeinden an.

CSU

siehe Antwort zu Frage 1.
Kern einer funktionierenden Mobilitätswende ist für uns die Lösung des Pendlerproblems.

Als Sofortmaßnahmen haben wir seit 2014 zahlreiche Maßnahmen wie Taktverbesserungen, Taktverstärkungen, u.a. vorgenommen, alleine für 2020 im Umfang von 44 Mio. Euro.

Als CSU stehen wir hier nicht für Verbote, sondern für die Schaffung attraktiver Alternativen für den Motorisierten Individualverkehr. Unser Ziel ist es, den Pendlern schon im Umland, spätestens am Stadtrand, ein zuverlässiges und komfortables Angebot zu machen. So entlasten wir die innerstädtischen Straßen und können Straßenraum umverteilen: für Busspuren, Radwege oder Grünflächen.

Künftig sind zudem Express- und Ring-Buslinien, teils mit gesonderten Busspuren, umzusetzen. Möglichkeiten der modernen Technik (z.B. Parkplatzsuche per App, autonomes Fahren, shared driving) sind intensiv zu prüfen. Zielführende Gespräche mit dem Umland sind endlich auf höchster Ebene zu führen. Vom Freistaat und Bund müssen Sonderförderprogramme für die Metropolregion München eingeworben werden.

Die Grünen

Mit einer einzelnen Maßnahme lassen sich über Jahrzehnte gewachsene Strukturen und Gewohnheiten der Mobilität nicht verändern. Sofort beginnen muss der Umbau des gesamten Verkehrssystems. Dazu gehören wie oben beschrieben die Neuverteilung des Straßenraums zusammen mit der Schaffung attraktiver Radwege zwischen München um den Umlandgemeinden und der Ausbau des ÖPNV.

 

Bayernpartei

Wir fordern den umgehenden, massiven Ausbau des ÖPNV, insbesondere der U-Bahn, mit angeschlossenen Park & Ride- und Bike & Ride-Anlagen.

FDP

- Höhere Taktung der U- und S-Bahnen insbesondere in Stoßzeiten. Konkret wollen wir einen durchgehenden 5-Minuten-Takt im gesamten U-Bahn-Netz, sowie einen 10-Minuten-Takt an den Außenästen der S-Bahn;
- langfristig: massiver Ausbau der U- und S-Bahn (z.B. Außenäste, Nord- und Südbahnring);
- günstige Angebote bei Park & Ride und weniger Tarifsprünge an den Außenästen des ÖPNV.

ÖDP

P&R Anlagen vor den Toren der Stadt, dort Anbindung an ÖPNV und Mobilitätsstationen mit MVG Rad.

Die Linke

Eine soziale, ökologische und barrierefreie Verkehrswende muss auch die Nachbarregionen einbeziehen, um Pendler*innen von der Notwendigkeit der Nutzung des Autos zu entlasten. Um für Pendler*innen die Anbindung von Stadt und Umland zu verbessern, wollen wir den Anschluss bestehender U- und Trambahnverbindungen an den Umlandverkehr im Einvernehmen mit Umweltverbänden und Umlandgemeinden in Form einer Stadt-Umland-Bahn vorantreiben.

Umsetzung des Radschnellweg München Nord, außerdem Vorrantreiben weiterer Radschnellwege in die Münchner Umgebung, gerade in die Pendlergebiete; langfristig ein komplettes Netz an Radschnellwegen, das die Umlandgemeinden untereinander und mit den wichtigsten Zielen in München verbindet.

 

© ADFC München 2020

Werbung