Interview zur E-Bike-Förderung mit Umweltreferentin Stephanie Jacobs

München e-mobil: Die Elektromobilitätsförderung der Landeshauptstadt München

Kein Aprilscherz: Unternehmer, Freiberufler, Gewerbetreibende und gemeinnützige Organisationen, die sich ein Pedelec oder Lasten-Pedelec zulegen möchten, können dafür ab 1. April 2016 einen Zuschuss beim Münchner Referat für Gesundheit und Umwelt beantragen. Der ADFC München hat bei Münchens Umweltreferentin Stephanie Jacobs nachgefragt, was die Landeshauptstadt München damit bezweckt, wie hoch der Zuschuss ausfällt und wie man diesen beantragen kann.


Foto: Tom Trenkle


ADFC: Frau Jacobs, das neue Förderprogramm „München e-mobil“ umfasst 22,2 Millionen Euro. Warum nimmt München soviel Geld in die Hand, um die Elektromobilität zu fördern?
Stephanie Jacobs: Mit dem Förderprogramm „München e-mobil“ wollen wir zum einen die Zielsetzung des Bundes unterstützen, deutschlandweit eine Million E-Fahrzeuge auf die Straße zu bringen und so eine Abkehr von fossilen Brennstoffen einzuleiten. Umgerechnet auf München bedeutet diese Zielvorgabe, dass im Münchner Stadtverkehr bis 2020 ca. 17.500 E-Fahrzeuge unterwegs sein müssen. Zum anderen möchten wir einen nennenswerten Beitrag zum Klimaschutz, zur Luftreinhaltung und zum Lärmschutz in unserer Stadt leisten. Mit „München e-mobil“ fördern wir ausschließlich rein batteriebetriebene Fahrzeuge, also keine sog. Hybrid-Fahrzeuge, die auf Kraftstoffbetrieb umschalten können. Reine E-Mobile sind leise und stoßen lokal keine Schadstoffe aus. Nur so kann ein nennenswerter Beitrag zur Luftreinhaltung, zum Lärmschutz und somit zum Erhalt der Lebensqualität und Gesundheit in München geleistet werden.

ADFC: Was genau wird gefördert und wer kommt in den Genuss einer Förderung?
Stephanie Jacobs: Gefördert werden Lade-Infrastruktur, sowie zwei,- drei- und vierrädrige E-Fahrzeuge, die ausschließlich mit Batterie betrieben werden. Mit der Zielgruppe Unternehmen, Gewerbe, Freiberufler und gemeinnützige Organisationen wollen wir vor allem Akteure des innerstädtischen Wirtschaftsverkehrs, wie z. B. Handwerker, Pflegedienste, Kurierdienste oder auch Taxiunternehmen dazu animieren, auf eine saubere Zukunftstechnologie umzusteigen. Denn gerade im Wirtschaftsverkehr werden Fahrzeuge - häufig noch mit dem besonders umweltschädlichen Dieselantrieb - täglich mehrmals auf kurzen Strecken im Stadtgebiet von A nach B bewegt. Hier kann ein Umstieg auf eine saubere Technologie folglich besonders viel bewirken. Wir fördern übrigens bewusst nicht nur Autos, sondern auch zwei- und dreirädrige Fahrzeuge mit EAntrieb wie E-Lastenräder, die sich wachsender Beliebtheit erfreuen und deren Betrieb besonders kosten- und obendrein auch platzsparend ist.

ADFC: Da wir ein gemeinnütziger Verein sind, könnten wir also auch für den ADFC ein Lasten-Pedelec beantragen? Wie hoch würde die Förderung ausfallen und was müssten wir beachten?
Stephanie Jacobs: Ja, das ist richtig! Um die Förderung für ein Lasten-Pedelec zu bekommen, müssten Sie im Referat für Gesundheit und Umwelt einen Förderantrag für ein Zwei- oder Dreirad mit E-Antrieb stellen. Dabei ist wichtig zu wissen, dass in diesem Bereich ausschließlich Neufahrzeuge gefördert werden, dass Sie mit dem Förderantrag ein Angebot vorlegen müssen und dass Sie den Kaufvertrag erst nach der Förderzusage abschließen dürfen. Die Förderung beträgt dann 25 Prozent des Nettokaufpreises bis max. 500 € bei einem Pedelec bzw. 1000 € bei einem Lastenpedelec. Wenn Sie nachweisen können, dass Sie Ihr vierrädriges Fahrzeug ausschließlich mit Ökostrom betanken, erhalten Sie einen zusätzlichen Bonus von 500,-€. Und auch einen Ladepunkt könnten Sie sich fördern lassen. Hierfür ist eine Fördersumme von bis zu 1500 € je Ladepunkt vorgesehen. Ladepunkte fördern wir übrigens ausschließlich auf Privatgrund und auch Privatpersonen können hierfür eine Förderung erhalten.

ADFC: Gibt es denn irgendwelche Limitierungen?
Stephanie Jacobs: Grundsätzlich gilt: Die Anträge werden nach Antragseingang bearbeitet und wir fördern solange, bis die 22,2 Millionen Euro in unserem Fördertopf ausgeschöpft sind. Je Antragstellendem können maximal 20 Fahrzeuge und 6 Ladepunkte pro Kalenderjahr gefördert werden. Eine Förderung gibt es auch nicht, wenn damit ein EFahrzeug ersetzt werden soll. Um keine Rückzahlung zu riskieren, dürfen geförderte Fahrzeuge und Ladepunkte zudem erst nach frühestens 36 Monaten weiter verkauft werden. Ein Leasingvertrag muss dementsprechend auch für mindestens 36 Monate abgeschlossen werden.

ADFC: Ist denn ein bestimmter Anteil der Fördersumme für E-Bikes oder Ladeinfrastruktur reserviert?
Stephanie Jacobs: Für den Fahrzeugbereich stehen 21 Mio. €, für die Ladeeinrichtungen insgesamt 1,2 Mio. € zur Verfügung. Es gibt aber keine Prioritätensetzung bei den förderfähigen E-Fahrzeugen. Wer weiß, vielleicht möchten sich die Münchnerinnen und Münchner viel mehr Lasten-E-Bikes zulegen, als wir erwarten?

ADFC: Das würde uns als Fahrradverein natürlich sehr freuen! Frau Jacobs, vielen Dank für das informative Gespräch!

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