Willkommen im Radl-Club!

„Dass in München Radl-Parkplätze fehlen, sieht man ja auch bei euch vor der Tür“, meint ein Besucher lachend gleich bei der Ankunft. Denn viele Interessierte sind am 12. Oktober zum Neumitgliederempfang des ADFC München in die Platenstraße 4 gekommen – und deren Räder säumen den Gehweg.

Andreas Groh, 1. Vorsitzender des ADFC München (Mitte), im Gespräch mit den neuen Mitgliedern.

Leopold Klemencic

Mats, Julian und Yvonne Wahl (v.l.n.r.)

Annegret, Anton und Monika Schäffler (v.l.n.r.)

Moni Kupski

Ellen Kessler und Stephan Schönen

Anna Krandick

Die Willkommenstüte für die Neumitglieder

Mehr als 1000 neue Mitglieder konnte der ADFC München seit Oktober 2018 insgesamt gewinnen, rund 60 von ihnen nutzen den sonnigen Nachmittag, um sich über das breite Vereinsangebot zu informieren und mit anderen Radlfans ins Gespräch zu kommen. Darüber hinaus stellen die Aktiven aller Arbeitsgruppen (AG) ihre Bereiche vor: Von „AG Asyl“ bis „AG Verkehr“ reicht die breite Palette, insgesamt 17 Mitmach-Möglichkeiten haben die Neulinge, um sich zu engagieren.  

Und einige können sich sehr gut vorstellen, im Fahrrad-Club mitzumischen, etwa beim Internet-Team, der Radfahrschule oder dem kürzlich ins Leben gerufenen „Initiativkreis Aktionen“. Denn sie alle haben genug vom Autoverkehr und möchten mit uns gemeinsam die Bedingungen für Radfahrer:innen in München verbessern. Ein paar der Neuzugänge stellen wir hier kurz vor.

Leopold Klemencic
Leopold Klemencic hört das erste Mal vom ADFC, als er sein Fahrrad codieren lassen will. Und er ist gleich Feuer und Flamme für den Club. Der 21-jährige Politologie-Student wird sofort aktiv im Event-Team und macht nun mit bei der Organisation der Sternfahrt 2020. Denn er möchte, dass in der Stadt mehr fürs Radfahren getan wird. Er selbst radelt immer von Perlach zur Uni, das ist für ihn weniger Stress als mit der U-Bahn. „Außerdem habe ich so gleich Sport gemacht – einfach auf dem Weg, ohne Zeitverlust.“ Ihn nervt in München vor allem, dass Radwege abrupt aufhören.

Mats, Julian und Yvonne Wahl
Die junge Familie ist mal schnell mit ihrem Lastenrad vom Goetheplatz in die Platenstraße gefahren. Das Rad haben sie gleich nach der Geburt des sechs Monate alten Mats gekauft. Auch bei der Ring-Demo im Juni sind Yvonne, Julian und Mats Wahl damit gemeinsam geradelt. Die beiden 36-Jährigen wollten schon lange Mitglied werden. „Der Radentscheid hat dann die Entscheidung gepusht“, erklärt der Familienvater.  „Mit dem Lastenrad benötigt man breite Radwege, die nicht ständig durchbrochen sind von Wurzelwerk oder Bordsteinkanten“, betont Yvonne Wahl. Am schlimmsten findet sie es, wenn Radwege plötzlich im Nirgendwo beziehungsweise auf 3-4-spurigen Straßen enden. Julian Wahl lobt daher die Fraunhoferstraße: „Die liegt auf meinem Arbeitsweg und ist jetzt super zu befahren. Vorher war es immer ein Risiko, mit dem Rad zwischen geparkten Autos und den Straßenbahnschienen unterwegs zu sein.“

Annegret, Anton und Monika Schäffler
Das Auto hat die Familie abgeschafft, der Fahrradhändler hat dann die Codierung der Räder beim ADFC empfohlen. Monika, Annegret und Anton Schäffler aus der Ludwigvorstadt fahren Rad oder nutzen öffentliche Verkehrsmittel, je nach Entfernung und Wetter. Die 52jährige Bankangestellte findet viele Kreuzungen sehr unübersichtlich, auch die Wegeführung an Baustellen ist ihr ein Graus. „Und die Ampelphasen sind nur auf Autos ausgerichtet, als Radlfahrer hat man rote Welle.“ Ihre 20-jährige Tochter Annegret studiert und müsste eigentlich zum Tucherpark mit dem Rad. „Aber die Strecke über die Lindwurmstraße und das Sendlinger Tor ist nicht schön, da fahr ich lieber öffentlich.“ Der 18-jährige Anton dagegen radelt immer zum Prinzregentenplatz, auch wenn er es gefährlich findet, dass Autofahrer ihn viel zu nah überholen.

Moni Kupski
„Weil es einfach Sinn macht. Es kostet nicht viel Geld und man bewegt was“, fasst Moni Kupski die Gründe für ihre ADFC-Mitgliedschaft zusammen. Die Giesingerin hat von Freunden vom Fahrrad-Club erfahren. Ihre Liste der Ärgernisse ist lang: „Man gerät ständig in brenzlige Situationen in München.“ Ob miese Ampelschaltungen, schmale Radwege, zu wenig sichere Abstellflächen oder die zahlreichen Fahrradleichen, die 30-jährige Sozialpädagogin sieht viel auf ihrem zehn Kilometer langen Arbeitsweg, was sie gern ändern möchte. Daher kann sie sich auch gut vorstellen, bei den Aktionen des ADFC in Zukunft mitzumachen.

Ellen Kessler und Stephan Schönen
Ellen Kessler hat über ihren Freund Stephan Schönen vom ADFC erfahren und möchte die gute Idee „Radl statt Auto“ unterstützen. Der nebenberufliche Rikschafahrer ist bereits aktiv in der „AG Lasten und Rikscha“. Er wünscht sich mehr Anerkennung für diese Co2 -freie Beförderung, denn der urbane Lebensraum lässt sich aus seiner Sicht auf diese Weise wunderbar erobern. „Meine Rikscha nutze ich für Stadtführungen und auch privat, denn damit kommt man wunderbar in den Biergarten“, schwärmt er. Ein Missverständnis möchte er unbedingt geklärt wissen: „Klingeln ist kein aggressiver Akt, sondern einfach ein Zeichen zur Vorsicht, das verstehen viele falsch.“ Und ihm ist noch eine Erwähnung sehr wichtig. „Mit unserer Mitgliedschaft möchten wir eins sagen: Vielen Dank für euer Engagement!“

Anna Krandick
„Ich fand cool, dass die Einbahnstraße in der Senefelderstraße für Radfahrer freigegeben wurde, nachdem ich  vom ADFC erfahren habe, an wen ich da schreiben kann. Klar, das kann Zufall sein, aber mich hat die kompetente Antwort überzeugt.“  Die Doktorandin der Medizin hat auch schon mal beim ADFC-Verkehrsquiz auf dem Streetlife mitgemacht und die Selbsthilfewerkstatt genutzt. Die 26-Jährige wohnt im Lehel und fährt ausschließlich Rad, daher stoßen ihr die schmalen Radwege und fehlenden Abstellflächen sauer auf.  „Die Verkehrsführung in München ist oft schlecht“, fasst sie zusammen. Mit ihrem Beitritt möchte sie nun etwas daran ändern.

Gerda Schnitzler
Die Untersendlingerin ist 365 Tage im Jahr mit dem Rad unterwegs. „Außer bei Blitzeis.“ Dreimal ist Gerda Schnitzler schon nach Venedig geradelt. Sie sieht sich selbst als „Genuss- und Zweckradlerin“. Bei ihr war die ADFC-Pannenhilfe der ausschlaggebende Punkt für die Mitgliedschaft. „Ich wollte gern generell Sicherheit im Rücken haben.“ Ihr Arbeitsweg führt sie täglich zwölf Kilometer nach Pullach, neben einem hochwertigen Tourenrad besitzt sie noch ein gutes Stadtrad, daher interessiert sie sich auch für die Selbsthilfewerkstatt. Sie ärgert vor allem die Prioritätensetzung im Verkehr. „Das Rad kommt immer zu kurz, Radwege hören plötzlich auf, Hauptsache Autos können zweispurig weiterfahren.“

Carsten Zibull
„Gefühlt hab ich 1000 Unterschriften für den Radentscheid gesammelt“, sagt Carsten Zibull lachend. Der 33-jährige Maschinenbauingenieur aus Schwabing radelt jeden Tag zum OEZ und fordert vor allem eine sichere Fahrradinfrastruktur: „Fehler müssen im Verkehr möglich sein, ohne dass Radfahrer gleich schwerverletzt oder getötet werden.“

 

© ADFC München 2019

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