München stagniert beim ADFC-Fahrradklima-Test

Pressemitteilung

Was wird aus der “Radlhauptstadt”?

Im Herbst 2014 konnten Radlerinnen und Radler beim sechsten Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) die Fahrradfreundlichkeit ihrer Stadt oder Gemeinde bewerten. Bundesweit haben über 100.000 Menschen teilgenommen. Insgesamt haben 468 Städteund Gemeinden die Mindestteilnehmerzahl erreicht und konnten so in die offizielle Wertung auf-genommen werden. In München haben über 1.200 Radlerinnen und Radler teilgenommen und so ein Stimmungsbild von der "Straße" geliefert.

Seit heute liegen die Ergebnisse vor: München ist mit Note 3,7 auf Platz 12 aller 38 deutschen Großstädte mit über 200.000 Einwohnern gelandet. Gegenüber 2012 gab es somit trotz Radlhauptstadtkampagne keine Verbesserung.

Der Grund dafür ist nach Einschätzung des ADFC München klar: Trotz vieler kleiner und guter Einzelmaßnahmen spüren Münchens Radlerinnen und Radler sehr genau, dass sie als Verkehrsteilnehmer immer noch nicht ernst genommen werden und dass ihre Bedürfnisse erst nach denen der Autofahrer bedient werden. Schnelligkeit von Autoverkehr geht leider immer noch vor Sicherheit für Radfahrer. Das beste Beispiel dafür ist die Rosenheimer Straße.

Wenn es ans Eingemachte geht und Straßenraum auf Kosten des motorisierten Individualverkehrs dem ständig wachsenden Radverkehr zugeschlagen werden müsste, zögern die Verantwortlichen im Rathaus. Das gilt erst recht unter den neuen Mehrheitsverhältnissen. Das schlechte Abschneiden beim Fahrradklimatest des ADFC ist die Quittung für diese Haltung.

Dies sehen auch die Münchner Teilnehmer am Fahrradklimatest so:

  • "Die große Koalition im Rathaus und die Stadtverwaltung scheuen den Konflikt in schwierigen Fragen. Das Ergebnis ist Stillstand."
  • "Seit der Radlbürgermeister und damit seine Radverkehrs-Koordinatorin weg sind, wurden offenbar alle Anstrengungen pro Rad total ausgebremst: Die Zuständigkeiten sind seit Monaten ungeklärt und die weitere Zukunft der Radverkehrsentwicklung in München scheint trotz vollmundiger aber inhaltsleerer Versprechungen und Forderungen aller Rathausparteien sehr ungewiss: Sehr sehr schade!"
  • "München hat viel Werbung fürs Radfahren gemacht und letztes und vorletztes Jahr auch die Infrastruktur spürbar verbessert. Leider fehlt es da aber nach wie vor an allen Ecken und Enden. Seit dem Machtwechsel im Rathaus gibt es nur noch hohle Sprüche - passiert ist außer der Ring frei Aktion (die war super!) seither überhaupt nichts mehr für Radfahrer :-( !"

Abgesehen von der Radlhauptstadtkampange fehlt es an einer Vision zur Lösung der Verkehrsproblematik. Dabei ist die Dringlichkeit höher denn je: Neben einem starken Bevölkerungs- und dem damit verbundenen Verkehrswachstum ist die Stadt gerichtlich verpflichtet, unverzüglich Maßnahmen zu erlassen, um die vorgeschriebenen Luftreinheitswerte einzuhalten. Bis Auto-, S- oder U-Bahntunnel beschlossen und gegraben sind, vergehen Jahrzehnte. Ein Radfahrstreifen anstelle einer Fahrspur ist jedoch an einem Wochenende aufgemalt und ausgeschildert. Die Auflösung von Parkstreifen zugunsten eines breiteren und sicheren Radwegs ist ebenfalls schnell durchgeführt. Nur so kann der beengte Verkehrsraum effizienter genutzt werden. Städte wie NewYork, London und Paris machen es vor!

Der Test zeigt klar, dass Radln zum Münchner Lebensgefühl gehört (Note 2,5). Insbesondere die relativ gute Erreichbarkeit des Stadtzentrums sowie die Öffnung von Einbahnstraßen in Gegenrichtung wurden mit am besten bewertet (Note 2,7). Ob das nach einer Sperrung des Marienplatzes für Radler verbunden mit einem Umweg über die Sparkassenstraße und den Viktualienmarkt so bleibt, darf stark bezweifelt werden. Die Wegweisung wurde ebenso wie die Möglichkeit zum zügigen Radfahren mit Note 2,8 bewertet.

Am meisten bemängelt wurden schlecht auf Radler abgestimmte Ampelschaltungen sowie kaum durchgeführte Falschparkerkontrollen (Note 4,7). Dicht darauf folgt die Kritik an viel zu schmalen Radwegen und schlechter Führung des Radverkehrs im Baustellenbereich (Note 4,6). Ebenfalls schlecht bewertet wurde die Fahrradmitnahme im ÖPNV - "Es fehlt eine Fahrradmonatskarte" - (Note 4,5), sowie ständige Konflikte mit Kraftfahrzeugen (Note 4,4) und fehlende oder mangelhafte Abstellanlagen (Note 4,0).

Die detaillierten Ergebnisse können hier nachgelesen werden.

© ADFC München 2019

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