Weniger ist oft mehr. Das gilt nicht immer für Radfahrerampeln, aber an dieser Stelle schon. Auch durch die Arbeit der Projektgruppe Lichtsignalanlagen im ADFC München hat sich am Ostrand der Theresienwiese an der Abzweigung Bavariaring-Rückertstraße etwas getan. Der Radweg führt hier einerseits in Geradeausrichtung zur Rückertstraße, über die man zum Kaiser-Ludwig-Platz gelangt. Außerdem kann man in Fahrtrichtung rechts den Bavariaring weiter entlang der Theresienwiese radeln, im Zuge der künftigen Hauptroute "Innerer Ring". Bis letztes Jahr galt dort eine komplizierte Regelung mit vier Ampeln an einem Mast. Die Radfahrer, die geradeaus wollten, und die Rechtabbieger wurden getrennt voneinander geschaltet. Vor allem der Hauptroutenverkehr wurde hier völlig unnötig ausgebremst. Selbst bei Grün kam er häufig nicht weiter, weil dann Radler, die wegen des Rotlichts in Geradeausrichtung anhalten mussten, den Radweg blockierten (siehe Bild 1).
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Bild 1 |
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Bild 2 |
Dieses ampeltechnische Problem wurde durch eine radikale Vereinfachung gelöst (siehe Bild 2), indem nun der Radverkehr zusammen mit dem übrigen Fahrzeugverkehr signalisiert wird und auch die Rechtsabbieger fahren dürfen, wenn geradeaus grün ist; durch das zweifeldige Signal (mit den Farben gelb und grün) haben die Rechtsabbieger noch ein bisschen länger grün.
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Natürlich müssen jetzt die rechtsabbiegenden Autofahrer auf die Radfahrer und Fußgänger achten, die den Bavariaring (Straße nach rechts in den Bildern) überqueren. Das geht hier aber gut, weil der Radweg vor der Kreuzung an die Fahrbahn herangeführt wird und deshalb die Radler vom Auto aus nicht zu übersehen sind. Ebenso müssen die rechtsabbiegenden Radfahrer den Vorrang der querenden Fußgänger beachten - wie an vielen anderen Stellen auch.
Weniger Reglementierung, dafür mehr Aufmerksamkeit unter den Verkehrsarten bei guten Sichtverhältnissen - das funktioniert. Das ergäbe eine uneingeschränkt gute Bewertung, wenn wir allein die Ampelregelung betrachten könnten.
Für die Qualität des Münchener Radverkehrsnetzes ist aber die Gesamtsituation entscheidend. Und hier gibt es nach wie vor Mängel, deren Lösung offenkundig im städtischen Behördendschungel zwischen Kreisverwaltungsreferat (für die Ampelregelung zuständig) und Baureferat (für den Straßenbau zuständig) hängen geblieben ist:
Zum einen ist es überhaupt nicht notwendig, die "Rechtsabbieger" an die Kreuzung zu führen. Der Radweg entlang des Bavariarings verläuft ohnehin vorher abmarkiert auf dem Gehweg. Die Hauptroute könnte man etwa 30 Meter weiter neben den Fußgängern führen und dann über eine vorhandene Einfahrt auf den vorhandenen baulichen Radweg entlang des Bavariarings verschwenken (siehe Bild 4). Umweg und Ampel wären damit passé für die künftigen Hauptroutenradler.
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Bild 4 |
Zum zweiten ist für diejenigen, die geradeaus in Richtung Rückertstraße fahren bei Weitem nicht alles in Ordnung. Der Radweg wird hier nämlich nicht fortgesetzt. Es gibt nicht einmal eine Radfahrerfurt, die einen beim Einfädeln in den fließenden Autoverkehr unterstützen und Rad- und Autofahrer die Situation klarmachen würde (siehe Bild 5).
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Bild 5 |
Die vorhandenen Markierungen (rechter Rand der Fahrbahn links in den Bildern und linker Rand der Fußgängerfurt rechts daneben) leiten die Radfahrer vielmehr optisch auf den Gehweg, auf dem das Radfahren verboten ist. Eine Radfahrerfurt schreibt die Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung übrigens bei signalgeregelten Kreuzungen ausdrücklich vor (VwV zu § 9 II StVO, Abschnitt II.2 ). Noch wesentlich sicherer wäre es natürlich, die Radfahrer Richtung Rückertstraße bereits vor der Kreuzung auf einen Radfahrstreifen zu leiten, der unmittelbar neben der Geradeausspur der Autos verlaufen müsste.
Neben der deutlichen Verbesserung für die rechts abbiegenden Radfahrer durch die neue Ampelregelung ergeben die Sicherheitsmängel für den Geradeausverkehr einen insgesamt zwiespältigen Eindruck.
| Noch gut |
Dietmar Imhof