Gradmesser 07/2004:
Das Radlparkhaus am U-Bahnhof Kieferngarten


Im Test

Das Radlparkhaus am U-Bahnhof Kieferngarten

Die Beschreibung

Direkt am Eingang des U-Bahnhofes Kieferngarten wurde Anfang September letzten Jahres im Rahmen des Mobinet-Projektes Bayerns erstes Radlparkhaus eröffnet. Es bietet Platz für 280 Fahrräder, die in Doppelstockständern untergebracht werden können. Diese Ständer sind so aufgebaut, dass das Fahrrad beim Abstellen in eine Rinne geschoben und an eine mit ihr verbundenen Stange angelehnt wird. Um das Rad in einer der oberen Rinnen unterzubringen, kann diese herausgezogen und bis zum Boden gekippt werden. Für Dauernutzer steht im Parkhaus ein geschlossener Bereich mit 56 Stellplätzen zur Verfügung. Hinein gelangt man mit einem Transponder-Chip, den man bei der Betreiberin, der Park&Ride GmbH, gegen ein Pfand von 20 Euro erhält. Die Gesamtzahl der Bike&Ride-Plätze am Kieferngarten ist mit dem Parkhaus auf 420 angewachsen.



Die Bewertung


Parkhäuser sind meist düstere Orte, die so mancher nur ungern und mit einem mulmigen Gefühl betritt. Ganz anders stellt sich das Radlparkhaus am Kieferngarten dar: Eine transparente Glaskonstruktion läßt keine dunklen Ecken entstehen, so dass lichtscheue Gestalten bestmöglich abgeschreckt werden. Nach Einbruch der Dunkelheit ist die Abstellanlage beleuchtet. Vorbildhaft gelöst ist auch die Unterbringung der Fahrräder. In der gut durchdachten Konstruktion stehen sie kippsicher und lassen sich ohne größere Verrenkungen mit dem Rahmen ansperren. Kohlefaserabdeckungen an der Anlehnstange verhindern Lackschäden. Dass die Nutzer mit der Abstellmöglichkeit zufrieden sind, zeigt die Ordnung, die im Parkhaus herrscht. Nie kommt es vor, dass Räder außerhalb der vorgesehenen Einstellplätze stehen, von dem Chaos, das wir an Billigständern tagtäglich beobachten können, keine Spur. Auch Schrotträder sucht man im Radlparkhaus vergeblich.

Nicht ganz richtig ist dagegen die Behauptung auf der Website des P&R-Partners Mobinet, der Kipp- und Rollmechanismus, mit dem man sein Rad in den ersten Stock befödert, könne "selbst von Kindern und ohne nennenswerten Kraftaufwand bedient werden." Das Kippen und Rollen an sich, ist tatsächlich leicht, das Rad jedoch in die fast 45° schräge Schiene hineinzuschieben, ist alles andere als ein Kinderspiel. Glücklicherweise aber sind fast immer noch einige ebenerdige Stellplätze vorhanden. Punktabzug gibt es auch für das Mangagement der geschlossenen Plätze. Schon eine Woche nach Eröffnung des Parkhauses waren sämtliche Transponder-Chips vergeben. Dennoch ist zu sehen, dass die damit gebuchten Dauerparkplätze wesentlich weniger genutzt werden, als diejenigen im offenen Bereich. Es wäre daher an der Zeit, die seit langem von Mobinet angekündigte Prüfung, ob mehr Transponder-Chips ausgegeben werden können, endlich positiv abzuschließen.



Das Ergebnis

gut

Trotz kleiner Schönheitsfehler: Dem ersten Radlparkhaus Bayerns sollten viele weitere folgen.




Christoph Zindel-Kostelecky


info@adfc-muenchen.de