Gradmesser 10/2003:
Neuer Fuß- und Radweg Karlsfelder Straße


Im Test

Der neue Fuß- und Radweg zwischen der Siedlung Ludwigsfeld und Feldmoching / Radweganbindung Feldmochinger See

Die Beschreibung

Karsfelder Straße, Einmündung Ferchenbachstraße
Jahrzehnte lang verband die Siedlung Ludwigsfeld mit den übrigen Teilen des Stadtbezirks Feldmoching/Hasenbergl nur die relativ enge Karlsfelder Straße - ohne Radweg, ohne Fußweg, ohne Busverbindung, dafür aber mit zeitweise viel Autoverkehr. Radeln war dort zur Rushhour nur etwas für Mutige. Daher stand ein Radweg gemeinsam mit einer Busanbindung auch schon lange ganz oben auf der Wunschliste der Bürger. Im vergangenen Jahr nun haben sie gleich beides bekommen. Der Bus fährt zwar nur alle 40 Minuten, aber beim neuen Weg entlang der Karlsfelder Straße lohnt sich eine nährere Betrachtung. Der in beide Richtungen benutzungspflichtige gemeinsame Fuß- und Radweg verläuft von der Achatstraße (Siedlung Ludwigsfeld) vorbei am Feldmochinger See bis zur Schwarzhölzlstraße in Feldmoching, wo er in die Karlsfelder Straße einmündet.



Die Bewertung

Karsfelder Straße, zwischen Autobahnbrücke und Kaiserhölzlstraße
Wenn man davon absieht, dass die Mindestbreite von 2,5 Metern zwischen Achatstraße und Autobahnbrücke um einige Zentimeter unterschritten wird, ist die Ausgestaltung des durchgängig asphaltierten Fuß- und Radweges recht gut gelungen. Selbst die gemeinsame Nutzung des Weges durch Radfahrer und Fußgänger bereitet in diesem Fall keine Probleme. Zwischen Ludwigsfeld und Feldmochinger See sind auf Grund der Entfernung von etwa 2,5 Kilometern wenig Fußgänger zu erwarten, und zwischen Ferchenbach- und Schwarzhölzlstraße ist die Trasse mit über vier Metern so breit, dass es selbst bei regem Badeverkehr schwerlich zu Konflikten kommen wird.

In West-Ost-Richtung ist der Beginn der neuen Strecke an der Achatstraße auch bei flottem Tempo gut zu finden. Der Belag ist durchgehend eben, die Bordsteinkanten an den wenigen Seitenstraßen flacher als zumeist, und auch die Einmündungen sind in der Regel gut einsehbar. Unbefriedigend ist lediglich die Radwegführung an der Ferchenbachstraße. Dort hätte man den Fuß- und Radweg lieber direkt an der Fahrbahn entlang führen sollen. Der Baumgraben verleitet die aus der Ferchenbachstraße ausfahrenden Fahrzeuge zu weit vorzufahren und damit den Weg für Radfahrer und Fußgänger zu blockieren. Vorbildlich dagegen ist das Radwegende gestaltet. Dort kann man mittels einer kurzen Einfädelspur sicher und ohne stark abbremsen zu müssen auf die Fahrbahn wechseln.

In Gegenrichtung gibt es etwas mehr Einwände, schließlich stellt ein linksseitiger Radweg nie die Ideallösung dar. Immer muss am Anfang wie auch am Ende die Straße überquert werden, und der von links einmündende Verkehr hat auf Radler aus beiden Richtungen zu achten. In diesem Fall sind solche Probleme zumeist befriedigend gelöst worden. Die Auffahrt befindet sich an einer übersichtlichen Stelle. Lediglich in der Hauptverkehrszeit würde man sich in der Mitte der Straße eine Aufstellfläche wünschen, auf der man den Gegenverkehr sicher abwarten kann. Verbesserungsfähig ist die Situation an einigen Einfahrten und Einmündungen: Zumindest jedoch an der Ferchenbachstraße sollte ein Schild auf den Radverkehr aus beiden Richtungen hinweisen. Auch am Ende des Weges wäre eine bessere Lösung denkbar gewesen. Kein Problem hat, wer nach links in die Achatstraße abbiegen möchte. Wer jedoch geradeaus in Richtung MAN/MTU oder Karlsfeld fahren will, muss auf Verkehr von drei Seiten achten: Aus beiden Richtungen der Karlsfelder Straße und zusätzlich auf den Verkehr aus der Achatstraße. Theoretisch soll diese Situation mit einem zusätzlichen "Vorfahrt achten"-Schild vor der Achatstraße entschärft werden. Praktisch jedoch wird kaum jemand den Sinn dieser ungewöhnlichen Maßnahme (Vorfahrt achten, obwohl man sich auf der Vorfahrtsstraße befindet) begreifen und - es steht zu befürchten - diese auch nicht beachten. Günstiger wäre es deshalb gewesen, für geradeaus fahrende Radler eine Abfahrtmöglichkeit 100 Meter vor der Achatstraße zu schaffen. Dort wären die einfahrenden Fahrräder für Automobilisten auch noch besser erkennbar gewesen.


Das Ergebnis

gut

Trotz Einschränkungen ist der neue Fuß- und Radweg an der Karlsfelder Straße ein Weg, den man auch ohne Benutzungspflicht gerne befahren würde.




Christoph Zindel-Kostelecky


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