|
|
|
Anders als in früheren Ausgaben der Rundschau wollen wir uns heute mit einer für den Radverkehr wichtigen
Fahrbeziehung unter dem Schwerpunkt "Ampeln" befassen. Erfahrungsgemäß ist nicht allein die Streckenführung
und die Beschaffenheit der Wege ausschlaggebend für die Qualität von Strecken. Auch die dabei vorhandenen Ampeln
haben einen wichtigen Einfluß auf den Komfort - insbesondere die Reisegeschwindigkeit. Nach unserer Meinung hat
gerade der Radverkehr ein berechtigtes Interesse an einem zügigen Vorwärtskommen aufgrund seines vergleichsweise
niedrigeren Tempos und seiner Wetterabhängigkeit.
|
|
|
|
Durchfahrt durch den Englischen Garten zwischen Tivolibrücke und Leopoldstr / Franz-Joseph-Straße mit insgesamt
5 ampelgeregelten Kreuzungen. Im vergangenen Jahr wurden hier im Zuge von Baumaßnahmen auch verschiedene Veränderungen
vorgenommen, die es zu bewerten gilt.
|
|
|
|
Es handelt sich um eine der wesentlichen Fahrbeziehungen des Radverkehrs in Ost - West - Richtung und zwar sowohl
im Alltags- als auch im Freizeitverkehr. Lediglich in der Emil-Riedel-/ Ifflandstr. im Osten und der Leopoldstr.
im Westen herrscht in den querenden Verkehrsströmen des motorisierten Verkehrs ein nennenswertes Aufkommen. Überall
sonst ist der Radverkehr auf dieser Hauptroute (gemeinsam mit dem Fußgängerverkehr) ganz deutlich in der Mehrheit.
Die Frage ist, ob sich dies auch in den Verkehrsregelungen niederschlägt.
|
|
1) Bewegen wir uns in westlicher Richtung, gilt es als erstes, die Ifflandstr. zu überqueren. Für beide der zu querenden
Fahrbahnen existiert eine eigene Fußgängerampel.
Hier kann eine verbreitetes Verhaltensmuster beobachtet werden, das ein erhebliches Gefahrenpotential birgt. Zuerst
einmal wissen viele Radfahrer nicht, daß sie sich wegen der Führung auf einem baulichen Radweg und mangels Radfahrampel
nach der Fußgängerampel zu richten haben. Sie fühlen sich eher als Fahrverkehr und fahren häufig mit dem - längeren -
Kfz-Grün. Hinzu kommt, daß viele Autofahrer ihre Sorgfaltspflicht beim Abbiegen mißachten und irrtümlich auf die
gegenüberliegende Fußgängerampel schauen, anstatt sich nach rechts umzudrehen. So gefährden sie sogar Fußgänger und
Radfahrer, die sich beim Wechsel von Grün auf Rot noch legal auf der Fahrbahn befinden.
|
|
2) Die Weiterfahrt zum Englischen Garten findet jetzt auf einem vom Fußweg abmarkierten Radweg statt. Immerhin
ermöglicht es dieser Radweg, eine lang umstrittene Ampel an der Theodorparkstr. zu umfahren.
|
|
3) Durch diesen Radweg wird auch die Situation an der folgenden Kreuzung mit der Hirschauer Str. entzerrt, da die
mehrheitlich geradeaus zum Englischen Garten fahrenden Radfahrer jetzt gemeinsam mit den Fußgängern (und nicht mit den
abbiegenden KFZ) Grün bekommen. Durch das Fehlen einer Radfahrerampel sind die Radfahrer aber an die Grünzeiten der
Fußgänger gebunden, die stark verkürzt sind aufgrund der Breite der Hirschauer Str. und der für Fußgänger entsprechend
längeren Räumzeit. Hier sollte durch Einsatz einer Radfahrerampel die Freigabezeit für den Radverkehr verlängert werden.
|
|
4) Die nächste Ampel findet sich beim Verlassen des Englischen Gartens an der Kreuzung Königin / Thiemestr. Hier
bekommen die Radfahrer zusammen mit dem Bus ganze 5 Sekunden Grün, obwohl sie gegenüber dem geringfügigen querenden
Verkehr
in der Königinstr. weitaus in der Mehrheit sind. Die 5 Sekunden reichen nicht einmal aus, um hinter einem Bus an der
dort vorhandenen Steigung anfahren und passieren zu können! Diese Ampel war zwischenzeitlich abgeschaltet. Wir hatten
dafür plädiert, dies beizubehalten, gleichzeitig aber zwecks besserer Sicht einige wenige Parkplätze in der Königinstr.
zurückzubauen. Wegen angeblicher Unfälle wurde jedoch die Ampel wieder in Betrieb genommen und zwar in der beschriebenen
ungünstigen Schaltung. Auf unseren Vorschlag, durch andere Maßnahmen Sicherheit zu schaffen, wurde dabei nicht weiter
eingegangen.
|
|
5) Gelangt man zur Leopoldstr., findet man eine Querungsmöglichkeit vor, die allerdings nur für Radfahrer gilt. Fußgänger
werden hingegen aufgefordert, die Ampel an der anderen Straßenseite zu nutzen, was dann bis zu drei Mal statt ein Mal
warten bedeutet. Es verwundert nicht, daß sich die Fußgänger an diese ungünstige Verkehrsregelung nicht halten. Sie
nutzen ebenfalls die Radfurt, auf der sich dann Fußgänger und Radfahrer allenthalben in die Quere kommen.
|
|
Indirektes Geradeausfahren
|
|
6) Kehren wir die Fahrtrichtung um und bewegen uns in östlicher Richtung, so finden wir die erste interessante Kreuzung
an der Leopoldstr.: Von der Franz -Joseph Str. kommend endet die Radfurt nach Querung der Leopoldstr. T-förmig im
dortigen Radweg. Die Radfahrer müssen erst rechtwinklig nach links abbiegen und landen so an der Ampel über die
Martiusstr., wo erneut gewartet werden muß, bis der Verkehr in nördlicher Richtung freigegeben wird. Erst dann kann man
in die Martiusstr. einbiegen. Es handelt sich also um ein "indirektes Geradeausfahren" mit doppelter Wartezeit.
|
|
|
|
Preisfrage: welches Licht gilt?
|
|
7) Bei Weiterfahrt in Richtung Englischer Garten hat man dann alsbald die Wahl zwischen einem völlig unzumutbaren und
deshalb nicht benutzungspflichtigen Radweg und der Fahrbahn. Welche Wahl man trifft, hat Auswirkungen darauf, wonach
man sich vor Einfahrt in den Englischen Garten bei der Ampel an der Königinstr. zu richten hat - nach dem Fußgänger-
oder Kfz-Signal. Auch wenn die Freigabezeiten nicht so extrem kurz sind wie unter 4) geschildert, so sind sie doch
angesichts des geringen querenden Verkehrsaufkommens in der Königinstr. unangemessen.
|
|
8) Beim Verlassen des Englischen Gartens muß man die Oettingenstr. queren. Ähnlich wie unter 4) finden wir hier eine
dem Aufkommen der verschiedenen Verkehrsarten und -ströme völlig unangemessene Freigabezeit von nur ca. 8 sek bei ca.
55 sek. Umlaufzeit.
|
|
Eine der nutzlosesten Ampeln Münchens wird von Fußgängern und Radfahrern kaum beachtet
|
|
9) Als nächstes eine Ampel an der Einmündung der Theodorparkstr., die schon lange umstritten war. Das KVR und wohl
auch der Bezirksausschuß halten diese Ampel für notwendig angesichts der einmündenden Trambahn. Das KVR behauptet,
die Ampel werde nur auf Anforderung durch eine nahende Tram aktiv, was evtl. noch nachvollziehbar wäre. Bei einer
Überprüfung am Wochenende fanden wir die Ampel aber im automatischen Dauerbetrieb, obwohl von der Theodorparkstr.
nur geringfügigster Verkehr zu verzeichnen war.
|
|
Zum Überqueren in einem Zug ist Spurtstärke erforderlich
|
|
10) Bei der Querung der Emil-Riedel-Str. finden wir die gleichen Verhältnisse vor wie unter 1) bereits geschildert.
Das Zeitfenster, in dem Fußgänger und Radfahrer Grün haben, ist allerdings viel kürzer, so daß nur schnelle Radfahrer
die Kreuzung in einem Zug überqueren können. Dies überrascht, da der querende motorisierte Verkehr an dieser Stelle
durch eine Unterführung geführt wird und nur noch die abbiegenden Verkehrsströme zu berücksichtigen sind. Diesen
Abbiegern werden aber teilweise Zeitfenster eingeräumt, die angesichts ihres geringen Aufkommens unverhältnismäßig
lang erscheinen, so daß für Fußgänger und Radfahrer aus Richtung Englischer Garten Freigabezeiten verschenkt werden.
|
|
|
|
Es sind in Folge der letzten Baumaßnahmen zwar einzelne Verbesserungen zu verzeichnen. Betrachtet man die Situation
aber insgesamt und berücksichtigt dabei die Tatsache, daß an den meisten der erwähnten Kreuzungen der Radverkehr
gemeinsam mit den Fußgängern eine überwiegende Mehrheit darstellt, während der querende motorisierte Verkehr teilweise
verschwindend gering ist, so stellen die vorhandenen Ampelregelungen eine krasse und vielfach auch nutzlose
Benachteiligung des Radverkehrs (und wohl auch der Fußgänger) dar.
|