Gradmesser 1/2003:
Geöffnete Einbahnstraße - die neue Verbindung Rindermarkt - Fürstenfelderstraße - Färbergraben in Ost-West-Richtung
und damit die Anbindung der süd-östlichen Zugänge zur Kaufingerstraße an die Fahrrad-Hauptrouten.


Die Beschreibung

Vom Marienplatz zur Post am Färbergraben und ...
Im Grunde ist die Verdrängung des Autoverkehrs aus der Altstadt sehr positiv: Sie schafft Platz für Fußgänger, reduziert Lärm und Abgase erheblich und ermöglicht sicheres Einkaufsbummeln. Doch die Ausweisung von immer mehr Straßen als Fußgängerzonen und das Netz gegenläufiger Einbahnstraßen brachten auch ein Problem mit sich: Das Gebiet um die Kaufinger-/Neuhauserstraße wurde für Radfahrer schier undurchdringlich. Selbst wer die Örtlichkeiten gut kennt, hat es schwer, einen kurzen Weg zu einem sicheren Abstellplatz in der Nähe seines Fahrtziels zu finden. Daher hat die AG Verkehr des ADFC im Rahmen des Münchner Bündnisses für Ökologie (MONACO) das Konzept "Fahrradfreundliche Innenstadt" erarbeitet. Wichtigste Inhalte: Die Öffnung der Maffeistraße für Radfahrer und die Durchlässigkeit der Fürstenfelderstraße und des Färbergrabens West für den Radverkehr in beide Richtungen. Letzteres ist am 13. November 2002 Wirklichkeit geworden.

Auf dem Weg vom Marienplatz zur süd-östlichen Fußgängerzone oder zum Stachus fährt man nun gleich am Rindermarkt rechts weg und in die Fürstenfelderstraße, die durch ein Zusatzzeichen für Radfahrer gegen die Einbahnrichtung freigegeben wurde. An der Ecke Sattlerstraße steht dann die Entscheidung an, geradeaus bis zur Ecke Fürstenfelder- / Kaufingerstraße weiter zu fahren oder aber links abzubiegen. Entscheidet man sich für letzteres, trifft man auf den Färbergraben. Früher ging es hier nur backbords, zurück zum Rindermarkt. Doch nun hat die Stadt durch Umbeschilderung und Ummarkierung eines der drei Fahrstreifen die Möglichkeit geschaffen, bis zur Hotterstraße auch gen Westen zu fahren. Dies gilt auch für Autos, die nun aus dem Parkhaus kommend 10 Meter nach rechts und durch die Hotter-, Hacken- und Brunnstraße in Richtung Sonnenstraße / Stachus fahren können. Geradeaus bis zum Ende des Färbergrabens darf man dagegen nur mit dem Fahrrad. Dazu wurde bis zum Altheimer Eck ein Radfahrstreifen abmarkiert, der bis zum Rechtsschwenk des Färbergrabens in Richtung Jagdmuseum reicht. Die letzten Meter bis zum Beginn der Fußgängerzone, wo auch 16 neue, alltagstaugliche Velostellplätze errichtet wurden, geht es nun wieder im Mischverkehr. Damit auch jedem klar ist, wo es lang geht, hat die Stadt an der Ecke Hotterstraße / Färbergraben Hinweistafeln aufgestellt: Nach links weisen gleich zwei Schilder (für Radler und Automobilisten getrennt) in Richtung Stachus, geradeaus sind die Radlparkplätze am Färbergraben ausgeschildert.



Die Bewertung

... von der Post zum Stachus oder geradeaus zum neuen Abstellplatz
Hatte das Baureferat anfangs vor allem Bedenken gegen das ADFC-Projekt vorzutragen, haben sich die Beamten schließlich äußerst kreativ und flexibel gezeigt und konnten so sämtliche Hindernisse, die den Plänen ursprünglich entgegen standen umschiffen. So entstand eine gute Gesamtlösung, die den Radlern viele Umwege erspart. Wer vom Rindermarkt aus den Süd-Osten der Kaufingerstraße anfahren will, spart sich bis zur Ecke Färbergraben zwei Drittel der Strecke, bis zum Ende der Fürstenfelderstraße sind es sogar nur 150 statt 1000 Meter. Wollte man früher gar zum Postamt Sattlerstraße, ging es sogar schneller, das Rad durchs Gedränge zu schieben, statt die große Runde über die Damenstiftstraße zu drehen. Die neue Verbindung zur Sonnenstraße dagegen ist nur wenige Meter kürzer als die bisherige Streckenführung. Dennoch ist sie wesentlich angenehmer zu fahren. Neben dem relativ verkehrsreichen Oberanger mit der unangenehmen Kreuzung am Rosental spart man sich nämlich auch den holprigen Anstieg in der Hermann-Sack-Straße und das Auto-Fußgängergewühl an der Sendlinger Straße.

Einziger Wermutstropfen: Während mehrerer Testfahrten war die Ost-West-Fahrbahn im Färbergraben von Anlieferern blockiert, so dass man kurz vor der unübersichtlichen Kurve nach dem Parkhaus auf die Gegenfahrbahn wechseln musste. Hier wären stärkere Kontrollen seitens der Ordnungshüter wünschenswert. Zu prüfen wäre auch, ob man auf der gegenüberliegenden Straßenseite, wo die rechte Spur bis zur Hofstatt kaum genutzt wird, eine Ladezone einrichten könnte.


Das Ergebnis

hervorragend

Ein langjähriger Wunsch des ADFC ist in Erfüllung gegangen. Auch bei der Ausführung hat die Stadt getan, was angesichts der beengten Verhältnisse rund um die Fußgängerzone möglich ist. Insgesamt ein äußerst hoffnungsvoller Beginn der Umsetzung der MONACO-Pläne. Nun gilt es - der Haushaltssperre zum Trotz - die übrigen Teilprojekte ebenso mustergültig zu realisieren.


Christoph Zindel-Kostelecky


info@adfc-muenchen.de