Gradmesser 10/2002:
Neue Verbindungen zwischen Isarradweg (Ost) und Wittelsbacher Brücke


Die Beschreibung

Eine höherer Radverkehrsdichte als auf dem Radweg entlang des Ostufers der Isar dürfte kaum irgendwo in München herrschen. Besonders attraktiv und zügig zu befahren ist diese Strecke, weil sie alle großen Brücken unterquert und damit ohne Kreuzung mit dem Autoverkehr durch die Stadt führt. Dennoch ist auch die Verknüpfung zu den Straßen wichtig, die über die Brücken führen, - schließlich liegen die Ziele der Münchener Radlerinnen und Radler häufig in der Innenstadt und in den Stadtvierteln östlich der Isar. Bisher fehlte eine solche Verbindung an der Nordseite der Wittelsbacher Brücke: Es existierte früher nur eine mit Kopfsteinen gepflasterte Rampe im Süden, über die man von der Brücke aus (von Kapuzinerstraße/Baldeplatz her kommend) den Radweg erreichen konnte. Diese bestehende Verbindung wurde nun vor kurzem - im Zuge der Verwirklichung des so genannten "Inneren Radroutenrings" - erneuert und auf der Nordseite der Brücke eine neue Rampe errichtet, die jetzt auch dort Radweg und Brücke verbindet. Man kann nun auch vom Radweg aus auf die Brücke Richtung Baldeplatz/Isarvorstadt gelangen (oder umgekehrt von der Humboldtstraße aus auf den Isarradweg), ohne dabei Fußwege benutzen zu müssen.



Die Bewertung

Die neue Rampe führt mit sanfter Steigung vom Radweg auf den Damm und ist in der im Rahmen des "Inneren Rings" vorgesehenen Verbindung sehr gut zu befahren. Dank ihrem Asphaltbelag ist sie sicher und dauerhaft benutzbar.
Nicht ganz einfach ist es allerdings, von Süden her kommend auf die Brücke Richtung Innenstadt zu gelangen. Hier muss man um einen extrem spitzen Winkel auf die Rampe fahren, was - jedenfalls bei Gegenverkehr - schon fast akrobatische Fähigkeiten verlangt. (Die vorhandene Rampe für Fußgänger unmittelbar an der Brücke kann übrigens nicht einfach für den Radverkehr geöffnet werden, weil die Bauvorschriften für Fahrradverbindungen - sinnvollerweise - flachere Rampen vorschreiben.)


Im Zuge der neuen Verbindung muss man einen Teil des Weges auf dem Hochwasserdamm benutzen. Dieses kurze Stück wurde konsequent als gemeinsamer Geh- und Radweg beschildert, während der Dammweg im weiteren Verlauf reiner Gehweg bleibt. Hier wurde ein guter Kompromiss zwischen den Bedürfnissen von Spaziergängern und Radfahrern gefunden. Schließlich kann man jetzt zwischen alter Stadtgartendirektion und Brücke ohne Weiteres den Radweg unterhalb des Damms benutzen.
Leider ist die Beschilderung dadurch selbst so kompliziert geworden, dass sie allein im Vorbeifahren praktisch nicht zu erfassen ist. Hier würde sich eine durchgehende Asphaltierung des auch zum Radfahren zugelassenen Teils anbieten, die allen Beteiligten optisch klar machen würde, wo das Terrain der Radlerinnen und Radler liegt. (Wenn die Versiegelung einiger weniger Quadratmeter das Problem sein sollte - die könnte man aber ohne Weiteres durch Entsiegeln von drei bis fünf Parkplätzen an der benachbarten früheren Stadtgartendirektion ausgleichen.)


Beides ist auf der Südseite übrigens vorbildlich gelöst: Die Radfahrverbindung ist durch ihren Asphaltbelag eindeutig vom Fußgängerbereich abgehoben. Hier kommen keine Unklarheiten auf. Der Anschluss an den Radweg ist so ausgeführt, dass auch eine Durchschnittsradlerin die enge Kurve bewältigen kann.

Am Rande notiert

Unter nicht ganz einfachen Umständen hat die Stadtverwaltung eine Lösung an der Wittelsbacher Brücke gefunden. Das sollte doch ein Ansporn sein, etwas Ähnliches auch an der Reichenbachbrücke zu versuchen. Dort hat man zwar im Zuge der Erneuerung der Brücke auf der Nordseite eine Verbindung geschaffen; auf der Südseite fehlt aber nach wie vor die Verknüpfung zum Isarradweg. Radfahrerinnen und Radfahrer, die von der Fraunhoferstraße her die Brücke überqueren und dann weiter nach Süden wollen, sind nach wie vor gezwungen, Fußwege zu benutzen. Mangels direkter Verbindung zum Radweg bleiben sie dort auch häufig. Durch Verbote allein erreicht man keine funktionierende Trennung von Rad- und Fußverkehr. Es braucht auch ein bedarfsgerechtes Angebot an Wegen, wie an der Wittelsbacher Brücke ausgeführt.

Weitere Informationen über den "Inneren Ring", das städtische Hauptroutennetz und ADFC-Anforderungen an Fahrradrouten unter
- www.muenchen.de/radwege/routen/inri.htm - Plan des "Inneren Radroutenrings"
- www.muenchen.de/radwege/index.html - Infos des städtischen Baureferats über das Hauptroutennetz des Radverkehrs allgemein
- www.adfc-muenchen.de/verkehr/themen/fahrradrouten/index.html


Das Ergebnis

gut

Endlich gute Verbindungen zwischen Isarradweg Ost und Wittelsbacher Brücke, an der Südseite klar und konsequent durchgeführt, an der Nordseite mit Verbesserungspotenzial im Detail.


Dietmar Imhof


info@adfc-muenchen.de