1994 begann die Stadt München Fahrrad-Hauptrouten auszuweisen. Elf von ihnen sind mittlerweile fertig. Sie alle beginnen in einem Außenbezirk und enden am Marienplatz. Eine der ersten fertigen Routen war die nach Feldmoching, die wir heute einem Test unterziehen wollen.
Am Feldmochinger Kriegerdenkmal beginnend führt der Weg zunächst über Felder und die Grünanlagen um den Rangierbahnhof nach Moosach. Danach geht es auf verkehrsarmen Straßen und durch eine Kleingartenanlage weiter nach Nederling, Gern und Neuhausen. Von dort fährt man an der Nymphenburger- und Briennerstraße entlang zum Odeonsplatz und gelangt schließlich über die Residenz- und Dienerstraße zum Marienplatz.
Vor allem schnell soll man auf einer Hauptroute von A nach B kommen, daneben verspricht die Stadt im Beiheft zum Radlstadtplan "Fahrkomfort und Sicherheit". Was die Schnelligkeit angeht, so ist eine umwegfreie Route das beste Argument für deren Benutzung. Unverständlich ist es daher, warum man in weitem Bogen in die Innenstadt geleitet wird, zumal es eine um etwa 15 Prozent kürzere, ebenso schöne Alternative gäbe. Viele Minuten kosten auch die zahlreichen Ampeln. Besonders ärgerlich sind unnötig lange Stopps, wie die an der Landshuter Allee oder an der Nederlinger- / Baldurstraße. Weitgehend positiv ist die Beschilderung zu werten. Wenn man das Prinzip einmal begriffen hat, gibt es kaum Missverständisse. Lediglich in Feldmoching und am Moosacher Stachus ist die Routenführung ein wenig unübersichtlich.
In puncto Sicherheit sind das größte Manko die straßenbegleitenden Radwege entlang der Nymphenburger Straße. An den vielen Ein- und Ausfahrten, Kreuzungen und Einmündungen kommt es laufend zu Konflikten mit rechts abbiegenden und von rechts einfahrenden Autos. Die fast durchgehende Markierung von Furten über Seitenstraßen und durchgepflasterte Einfahrten lindert das Problem nur begrenzt. Der Sicherheit zusätzlich abträglich sind Ampeln, die so missverständlich angebracht sind, dass man sie erst auf sich bezieht, wenn man längst vorbei ist (z. B. gegenüber Pappenheimer Straße). Weitere unnötige Sicherheitsrisiken sind die Umlaufsperre nach einer abschüssigen Geröllstrecke am Rangierbahnhof und die freilaufende Rechtsabbiegespur von der Nymphenburger- in die Leonrodstraße.
Dem Fahrkomfort abträglich sind die für das Verkehrsaufkommen durchwegs zu schmalen Radwege an der Nymphenburger Straße. Auch der ständige Belagwechsel dort kann einem gehörig auf die Nerven gehen. Nichts für ungefederte Räder sind die im ganzen fast 1000 Meter langen Pflasterstrecken. Besonders in der Gerner Straße überkommt einen der Schüttelfrust. Bei Nässe wird es im Bereich des Rangierbahnhofs etwas sumpfig, und bei Eis und Schnee ist dieser Abschnitt nicht einmal schiebend zu durchqueren. Neben vielen kleineren Schikanen, die wir hier bei Seite lassen wollen, wären vielleicht noch die beiden Umlaufsperren an der Trollblumen- und Donaustaufer Straße erwähnenswert.
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| noch-gut (im Sommer) | schlecht (im Winter) |
Streckenweise hält die getestete Hauptroute, was die Stadt verspricht. An einigen Stellen ließe sich aber noch vieles verbessern. Sinnvoll wäre auch eine Änderung der Beschilderung. So sollte in Feldmoching "Marienplatz (über Moosach)" auf den Wegweisern stehen und zusätzlich eine kürzere Strecke in die Innenstadt ausgeschildert sein.
Christoph Zindel-Kostelecky