Gradmesser 1/2001: Die Thalkirchner Straße (zwischen Sendlinger Tor und Großmarkt)

Radwege gelten häufig immer noch als Patentlösung für den Radverkehr. Er wird in vermeintlich sicherer Distanz vom schnellen motorisierten Verkehr geführt. Tatsächlich erfüllen aber nur wenige Radwege die hohen Erwartungen, die in sie gesetzt werden.

Radwege sind sicher und attraktiv, wenn sie weit entfernt vom Autoverkehr im Grünen verlaufen und stetig und verständlich geführt sind. Im reinen Stadtverkehr verursachen sie jedoch oft mehr Probleme als sie lösen. Dies wird anhand der Thalkirchner Straße zwischen Sendlinger-Tor-Platz und Großmarktgelände anschaulich.


Die Beschreibung

Die Thalkirchner Straße ist eine auch für Radfahrer wichtige Verbindung vom Sendlinger Tor Richtung Süden. Die Strecke ist sogar Teil einer Hauptroute im städtischen Radrouten-Netz. Sie hat Radwege mit und ohne Benutzungspflicht und mit unterschiedlicher Gestaltung. Im Abschnitt nördlich der Kapuzinerstraße ist der Radweg nicht benutzungspflichtig (kein blaues Schild mit Fahrrad-Symbol). Das ist auch gut so, denn er ist stellenweise zu schmal und unübersichtlich. Auf der Straße ist dagegen ausreichend Platz ist für die Radfahrer.

"Richtung Süden: Parker ragen in den Radweg,
Radler sind für Autos in/aus der Zenettistraße
praktisch nicht sichtbar."
Südlich der Kapuzinerstraße ändert sich das Bild: Die Straße und der Radweg verengen sich und der Radweg ist benutzungspflichtig. In Fahrtrichtung Süden ist der Radweg ungefähr 1,25 m breit, also wesentlich schmaler als die Regelbreite von 2 m gemäß der Verwaltungsverordnung zum Paragrafen 2 der Straßenverkehrsordnung (in prägnantem Bürokraten-Deutsch: "VwV-StVO"). Auch die dort vorgeschriebene Mindestbreite von 1,50 m wird deutlich unterschritten. Diese Breite wird jedoch durch schräg parkende PKW noch erheblich reduziert, die in den Radweg hineinragen (siehe Foto). In Ein-, Ausfahrts- und Kreuzungsbereichen (Zenettistraße) ist es für querende Autofahrer sehr schwierig zu sehen, dass es überhaupt einen Radweg gibt. Außerdem werden die Radfahrer von parkenden Fahrzeugen verdeckt.


"Richtung Norden: Der Radweg ist da,
wo eigentlich ein Sicherheitsstreifen hingehört.
Welcher Beifahrer schaut schon nach hinten,
bevor er die Türe öffnet?"
In nördlicher Richtung (zwischen Ehrengut- und Kapuzinerstraße) ist der Radweg extrem eng (durchgehend ungefähr 92 cm) und wird auch wiederholt von gepflasterten Ausfahrten unterbrochen. Das bedeutet, dass für den ausfahrenden Autofahrer nicht erkennbar ist, dass er einen Radweg kreuzt. Durch die beengten Platzverhältnisse kann man auch nicht ausweichen. Mancherorts ist der - ohnehin schmale - Gehweg sogar noch durch Geschäftsauslagen oder Freischankflächen zugestellt. Außerdem führt der Radweg direkt an längs geparkten Autos vorbei. Jeden Moment kann sich eine Beifahrertüre öffnen. Dann ist der Radweg in ganzer Breite versperrt.


Die Bewertung

Die schlechten Sichtverhältnisse südlich der Kapuzinerstraße gefährden die Radfahrer bei jeder Einfahrt und Kreuzung stark. Die Tatsache, dass man Vorfahrt hat, hilft einem wenig. Obwohl die Thalkirchner Straße in diesem Bereich eng ist, ist die Straße für erfahrene Radfahrer eindeutig der sicherere Weg. Also: Schilder weg, auch und gerade hier. Die Benutzungspflicht südlich der Kapuzinerstraße spricht den Anforderungen der StVO-Novelle Hohn. Der Radweg könnte allenfalls für wenig sichere Radfahrer und Kinder eine Alternative sein (die ihn übrigens auch dann benutzen, wenn er nicht benutzungspflichtig ist). Allerdings sollte man angesichts der gravierenden Mängel an dieser Stelle ernsthaft erwägen, ob es nicht sicherer ist, den Radweg ganz aufzulassen. Dann hätten wenigstens die Fußgänger ausreichend Platz.


Das Ergebnis

sehr schlecht

Besser kein Radweg als ein schlechter Radweg.


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