Gradmesser 4/2000: Baustellen

Baustellen sind sicherlich ein notwendiges Übel, bei dem alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer mit Belästigungen und Behinderungen leben müssen. Oft trifft es hier den Radverkehr aber besonders hart.

Die Beschreibung

"Radfahrer absteigen" - wer kennt sie nicht, diese Schilder, die regelmäßig Baustellen auf Verkehrswegen "absichern"? Sie sind zwar so gar nicht zulässig, aber leider häufig genug anzutreffen, mitunter sogar auf Gehwegen, auf denen ohnehin das Radfahren nicht gestattet ist. Man beweist damit, dass von vornherein die Bedürfnisse von Radfahrerinnen und Radfahrern bei der Baustellenumleitung nicht berücksichtigt werden. Sind in Grünanlagen Wege blockiert, fehlt auch noch die Möglichkeit, auf Gehweg oder Fahrbahn zu fliehen - da bleibt oft nur noch der Ausflug ins Gelände.

Infotafel
Infotafeln zu
Straßenarbeiten mit
Umgehungsrouten für
Radfahrer und Fußgänger
Dass es auch anders geht, zeigt das Baureferat der Landeshauptstadt München mit einem vorbildlichen Informations- und Beschilderungskonzept, das derzeit im Süden Münchens bestaunt werden kann. Im Rahmen des Isar-Plans werden von Februar bis Mai im Isartal zwischen Tierpark und Großhesseloher Brücke Renaturierungsarbeiten durchgeführt. Dabei müssen auch einige Fuß- und Radwege gesperrt werden.

Um die betroffenen Bürgerinnen und Bürger zu informieren, hat die Stadt nun an jedem Zugang zu dem Gebiet eine der gelb-schwarzen Stelen aufgestellt, die von anderen städtischen Baustellen bekannt sind. Sie geben Auskunft über die Bauarbeiten und ihre Auswirkungen auf den Fuß- und Radverkehr.

Besonders eindrucksvoll ist diese Aktion beispielsweise oben am Isarhang (Hochleite südlich der Isenschmidstraße) zu bewundern: An jedem der - nicht wenigen - Abgänge steht eine Informationstafel. So kann man frühzeitig entscheiden, ob man trotzdem nach unten steigt oder die Sache lieber weiträumig umgeht/-fährt.

Auf den Stelen sind zunächst Sinn und Zweck der Bauarbeiten beschrieben. Das ist aber noch nicht alles. Die städtischen Baustellen-Beschilderer haben sich sogar die Mühe gemacht, auf jeder Tafel eine detaillierte Karte anzubringen, welche die gesperrten Wege und die Umleitungsempfehlungen im Einzelnen aufzeigt - und das, wie gesagt, "nur" für den Fußgänger- und Radverkehr.

Die Bewertung

Infotafel
Prima! Wer um das Warum weiß, der erträgt die mit den Bauarbeiten verbundenen Belästigungen viel lieber, als wenn er lediglich ein "Gesperrt"-Schild vorfindet. Wer erfährt, dass hier die Renaturierung des Isarlaufs betrieben wird, nimmt vorübergehende Unannehmlichkeiten viel unbeschwerter in Kauf. Zusammen mit der Karte kann man das Ganze getrost als perfekte Bürger-Information bezeichnen. Schade, dass der Messbalken auf der Skala des GRADMESSERs dennoch nicht seinen Anschlag erreicht. Die Freude wird nämlich dadurch getrübt, dass die Informationstafel an anderer Stelle weniger glücklich aufgestellt ist. Fährt oder geht man auf dem Damm zwischen Isar und Isarkanal Richtung Marienklausenbrücke, so trifft man etwa auf halber Strecke seit dem letzten Verbindungsweg über den Kanal auf eine Sperre. Hier steht auch eine der Informationstafeln, auf der man aber dann erfährt, dass einem - eingeklemmt zwischen Isar und Kanal - nicht anderes übrig bleibt, als einen guten halben Kilometer weit den Rückzug anzutreten. Warum stellt man die Sperre und das Schild nicht dort auf, wo eine angemessene Umleitung möglich ist?


Das Ergebnis

gut

Insgesamt bemüht sich das Münchener Baureferat bei den Arbeiten im Rahmen des Isarplans erkennbar und erfolgreich um Bürgerfreundlichkeit und nimmt die Belange des Rad- und Fußgängerverkehrs ernst. Weiter so!


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