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Presseinformation

Tempo 30 für ein lebenswertes München

Positive Vorstöße und Maßnahmen der Stadt für den Radverkehr im Jahr 2011


Weiter auf dem richtigen Weg sieht der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC)
München die Landeshauptstadt beim Radverkehr und begrüßt wie schon im Vorjahr auch
heuer wieder die im Laufe des Jahres angestoßenen und durchgeführten Maßnahmen.
Als ausgesprochen positiv bewertet der Interessensverband dabei die Vorstöße in
Sachen Geschwindigkeitsreduzierung. So schlug Kreisveraltungsreferent Wilfried Blume-
Beyerle im Mai vor, in München eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h zur
Regelgeschwindigkeit zu machen. Anders als jetzt wären dann die auf
Hauptverkehrsstraßen weiterhin erlaubten 50 km/h die Ausnahme, das im größten Teil
des Stadtgebiets bereits gültige Tempo 30 aber die Regel. Für den ADFC wäre die
Umsetzung dieses Prinzips ein wichtiger Schritt zu einer Bewusstseinsveränderung bei
der Geschwindigkeit im Straßenverkehr, der zu mehr Sicherheit im gesamten
Straßenverkehr, besonders jedoch für den Rad- und Fußverkehr führen würde. Nach
wissenschaftlichen Untersuchungen ist das Risiko eines tödlichen Ausgangs für einen
Zusammenstoß zwischen Kfz und Fußgänger bei 50 km/h Aufprallgeschwindigkeit mehr
als fünfmal größer als bei einer Aufprallgeschwindigkeit von 30 km/h. Tempo 30
verbessert zudem die Aufenthaltsqualität in den Innenstädten und macht unsere Städte
lebenswerter.

Seine langjährige Forderung einer Regelgeschwindigkeit von 30 km/h hat der ADFC
jüngst auf seiner Bundeshauptversammlung am 5./6. November 2011 in Regensburg
bekräftigt. Er liegt mit dieser Forderung auf einer Linie mit dem Europäischen Parlament
und der European Cyclists' Federation. Auch auf dem 2. Nationalen
Radverkehrskongress im Mai in Nürnberg war dieses Forderung präsent. In München hat
kürzlich außerdem Umweltreferent Joachim Lorenz eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h
sogar in Abschnitten von Hauptverkehrsstraßen gefordert, um die von der EU
geforderten Ziele zur Reduzierung des Verkehrslärms zu erreichen.

Speziell für den Radverkehr bringt Tempo 30 einen weiteren Vorteil: Bei dieser
Höchstgeschwindigkeit können Radfahrerinnen und Radfahrer immer ohne eigene
Radverkehrsanlage sicher auf der Fahrbahn fahren. Mit der Zunahme des Radverkehrs in
München auf einen Anteil von derzeit bereits 17,4 Prozent an allen zurückgelegten
Wegen, sind die vorhandenen Radwege häufig nicht mehr in der Lage, die Radler
aufzunehmen. Oft genügen sie auch längst nicht mehr den aktuellen planerischen
Standards. Eine teuere, eigene Infrastruktur ist aber nicht notwendig, wenn der
Radverkehr bei Tempo 30 auf der Fahrbahn geführt wird, selbst wenn der Radverkehr in
den kommenden Jahren noch weiter zunehmen wird.

Tempo 30 in der Altstadt


Unabhängig von der Frage einer etwaigen Änderung der Regelgeschwindigkeit ist der
Anteil an Tempo-30-Straßen in München 2011 weiter gewachsen. Die nahezu
flächendeckende Einführung dieser Geschwindigkeit in der Münchner Altstadt im Sommer
2011 begrüßt der ADFC München sehr und sieht damit eine Forderung realisiert, die er
2008 in seinem Altstadtkonzept erhoben hatte. Die Maßnahme hat deutliche
Verbesserungen bei den Durchquerungsmöglichkeiten der Altstadt per Fahrrad gebracht.
Denn Einbahnstraßen, die im wesentlichen zur Lenkung des Kfz-Verkehrs dienen, konnten
in der Folge für den Radverkehr in beide Richtungen durchlässig gemacht werden.

Weitere Verbesserungen 2011


Generell zieht der ADFC eine positive Bilanz für das Jahr 2011. Mit der
Marketingkampagne „Radlhauptstadt München“ zeigt die Landeshauptstadt, dass sie den
Radverkehr als wichtigen Teil eines modernen Nahmobilitätskonzepts sieht. Das schlägt
sich auch immer deutlicher in ihrem Handeln nieder. So hat das Kreisverwaltungsreferat
im vergangenen Jahr allgemein die Öffnung von Einbahnstraßen in erheblichem Umfang
vorangetrieben, was dazu beiträgt, vorhandene Lücken im Radverkehrsnetz zu
schließen. Besonders lobenswert ist auch der Beschluss zur Umgestaltung der
Kapuzinerstraße, wo der Radverkehr mehr Platz auf der Fahrbahn erhalten wird. Auch
der Verkehrsversuch am Rotkreuzplatz ist positiv zu erwähnen, ebenso die Sanierung
des Isarradwegs Ost zwischen Reichenbachbrücke und Marienklausensteg. Erfreulich
auch, dass die Marketingkampagne bis 2014 fortgesetzt wird.

Wünsche für 2012


Für das kommende Jahr hofft der ADFC auf eine Lösung für die Lindwurmstraße in ihrer
Gesamtheit, die eine wichtige und von Radlerinnen und Radlern stark frequentierte
Verbindungsachse darstellt. Ein weiterer Wunsch ist die Schaffung weiterer
Abstellmöglichkeiten für Fahrräder in der Altstadt und an wichtigen Schnittstellen zum
öffentlichen Nahverkehr. Die Stadt hat im letzten Jahr zwar schon viele neue, moderne
Abstellanlagen geschaffen. Diese reichen aber immer noch nicht aus. Der ADFC wünscht
sich nicht zuletzt endlich die Umsetzung einer einheitlichen Gestaltung der Nord-Süd-
Querung der Altstadt. Schon 2008 hatte der Verband hierfür konkrete Vorschläge
unterbreitet. Die Passage Rindermarkt - Marienplatz - Dienerstraße - Residenzstraße
muss für den Radverkehr durchlässig bleiben. Minimallösung wäre eine Duldung von
Radfahrern als "Gäste" im Fußgängerbereich. Eine alternative Route über die
Sparkassenstraße muss schnellen Radlern ein zügiges Durchkommen ermöglichen.

Quellen und weiterführende Links




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