20.2.2010



Radweg an der 23er Tram: Neue Hürden für die Radlhauptstadt München

Eigentlich ein Grund zur Freude: Entlang der neuen Trambahnlinie 23 von der Münchner Freiheit bis zum Frankfurter Ring nördlich der Heckscherstraße hat das Baureferat einen über weite Strecken im Grünen verlaufenden Radweg angelegt, der das Kernstück der künftigen Hauptroute Marienplatz - Fröttmaninger Heide bilden soll. Als solcher ist er ein wichtiger Bestandteil des Radverkehrskonzeptes der Landeshauptstadt München.

Doch wenn man sich diesen ersten neuen Radweg nach dem Grundsatzbeschluss zur Radverkehrsförderung einmal ansieht, will echte Freude nicht aufkommen. Was einem den Spaß verdirbt, sind in erster Linie Radverkehrsverhinderungsanlagen, vulgo Umlaufsperren. Wie fast überall sind diese Hürden so hinderlich wie überflüssig. Im vorliegenden Fall sind sie zudem für den eigentlichen Zweck meist falsch platziert. Soll so die "Radlhauptstadt München" aussehen?

Ulrich v. Staszewski hat die Strecke für uns dokumentiert und dazu bemerkt: "Ich habe das alles so ausführlich beschrieben, weil derart krasse Mängel bei einer für viele Millionen neu gebauten Strecke mehr als ärgerlich sind."

Lost geht es am nördlichen Ende der Neubaustrecke:



Diese beiden Bilder bilden ein Panorama: Brücke Domagkstraße, Blickrichtung nach Norden. Der Radweg wechselt hier auf die andere Seite der Bahnstrecke (wieso eigentlich??). Richtig wäre hier eine Abschrankung des auf 158 im Vordergrund sichtbaren Beginns des Bahnsteigs (Haltestelle Domagkstraße), um ein versehentliches Einfahren in diesen zu verhindern. Der eigentliche Bahnübergangsbereich ist dagegen vom übrigen Weg nicht unterscheidbar (der Belag müsste eine andere Farbe haben oder weiße Linien am Rand des Bahnkörpers). Das Schild "Achtung, Straßenbahn hat Vorrang" ist falsch angebracht und auch kein amtliches Verkehrszeichen. Richtig wären hier Andreaskreuze und für den von Norden kommenden Radverkehr ein Spiegel, um von hinten kommende Bahnen sehen zu können.

Dieses Bild ist ein Detail zum ersten Bild. Der eine Teil der Sperre wurde offenbar für den Winterdienst ausgehängt, was die Unnötigkeit nochmals unterstreicht.



Haltestelle Anni-Albers-Straße, Blick nach Nordwesten. Die Sperre schrankt den Zugang vom Fahrradstellplatz zum Bahnsteig ab. Die gleichen Fehler wie an der Domagkstraße: der eigentliche Übergangsbereich ist weder markiert noch abgesichert.

Bahnübergang Anni-Albers-Straße, Blick nach Süden: Der Radweg wechselt hier erneut die Seite. An andere Details wie das Verhalten des Trambahnfahrers im Störungsfall wurde gedacht, siehe Text auf dem Bild.





JETZT WIRD'S KRIMINELL: Südende der Brücke über den Mittleren Ring, Blickrichtung nach Süden. Graues Gitter am Ende einer Gefällstrecke, offenbar nachträglich mit rot-weißem Band umwickelt. Hier wurde völlig unnötigerweise ein mehrfacher Kreuzungspunkt geschaffen (von rechts kommt eine Treppe hoch): hätte man die Straßenbahn- und die Radwegbrücke in der Lage getauscht, wäre der zweimalige Seitenwechsel entfallen und eine fast durchgehende Radroute entstanden. Ansonsten die gleichen Fehler wie zuvor.

Südende der Haltestelle "Am Münchner Tor", nun wieder auf der Ostseite....

Rückseite ehemaliges "Schwabylon": die Gitter stehen hier zwar am Gleis, allerdings so, dass sie das zügige Verlassen des Bahnübergangs verhindern, womit sie gefährden statt nutzen. Auch hier wurde nachträglich provisorisch rot-weißes Band angebracht.

Endstation Münchner Freiheit: der Radfahrer ist korrekt unterwegs, das ist tatsächlich der Radweg. Er unterscheidet sich optisch in keiner Weise vom Bahnsteig und von den Straßenbahn- und Busfahrbahnen. Man könnte ihn auch für die bauliche Vorleistung eines Straßenbahn-Überholgleises gehalten, das zur Verwunderung vieler Fachleute hier fehlt. An den anderen Haltestellen sind zahlreiche unnötige Gitter, hier gehört eines hin, um den Radweg vom Bahnsteig zu trennen. Das Bild ist gegen 10.30 Uhr aufgenommen. Zu Spitzenzeiten drängen sich bis zu 150 Menschen gleichzeitig, da sich fahrplanbedingt Aussteiger und Einsteiger treffen.

Außerdem: Fahrradabstellanlagen sucht man dort vergeblich, ebenso wie Sitzgelegenheiten für wartende Fahrgäste.
Auf kaum einem Bilde ist ein Radfahrer zu sehen; ja warum wohl?




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